Mutismus Definitionen

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Definitionen

Definition (s)elektiver Mutismus

Definition totaler Mutismus

Definition akinetischer Mutismus

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Quellen und Literatur

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Defintionen

Selektiver Mutismus ist die Unfähigkeit, in bestimmten Situationen zu sprechen, obwohl der Mensch die Fähigkeit zu sprechen besitzt.
Allgemeine Definition für “Mutismus”
Mutismus (lat. mutus: stumm) Stummheit bei intakter Wahrnehmung, erhaltenem Sprachvermögen und intakten Sprechorganen; oft einhergehend mit Stupor (= Sperrung des Antriebs). Ist das Sprechen gesperrt, spricht man von Mutismus (Brunnhuber/Lieb: Psychiatrie 3. Auflage).
Die auf Tramer (1934) zurückgehende Unterscheidung zwischen einem (s)elektiven und einem totalen Mutismus hat heute noch Gültigkeit.

Definition (s)elektiver Mutismus

nach ICD 10 F 94.0 und DSM-IV
In der ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird der (s)elektive Mutismus als deutlich emotional bedingte Selektivität des Sprechens beschrieben, in dem das Kind in bestimmten Situationen spricht und in anderen, genau definierten Situationen, wiederum nicht. Dabei können beim Kind üblicherweise auch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie Sozialangst, Rückzug, besondere Empfindsamkeit oder Widerstand gefunden werden.
Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ist das wichtigste, weltweit anerkannte Diagnoseklassifikationssystem der Medizin. Es wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben.
Mutismus hat in der ICD 10 die Ziffer 94.0 und gehört somit zur Gruppe der Verhaltens- und emotionalen Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend.
Leitsymptome nach ICD-10 F 94.0:
•    Selektivität des Sprechens: In einigen sozialen Situationen spricht das Kind fließend, in anderen sozialen Situationen bleibt es jedoch stumm oder fast stumm
•    Vorhersehbarkeit bezüglich der sozialen Situationen, in denen gesprochen bzw. nicht gesprochen wird
•    Häufiges Einsetzen nicht-sprachlicher Kommunikation (in der Außenwelt) wie z.B. Mimik, Gestik
•    Dauer der Störung über mindestens einen Monat
•    Altersentsprechende Kompetenz im sprachlichen Ausdruck, Sprachverständnis und die Fähigkeit zu Sprechen soll vorhanden sein

Das DSM-IV (Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders ist ein Klassifikationssystem in der Psychiatrie. Es wird seit 1952 von der American Psychiatric Association in den USA herausgegeben) definiert selektiven Mutismus:
Leitsymptome nach DSM-IV:
•    Andauernde Unfähigkeit, in bestimmten Situationen zu sprechen, wobei in anderen Situationen wiederum normale Sprechfähigkeit besteht
•    Die Störung behindert die schulischen oder beruflichen Leistungen oder die soziale Kommunikation
•    Die Störung dauert mindestens einen Monat (und ist nicht auf den ersten Monat nach der Einschulung beschränkt)
•    Die Unfähigkeit zu sprechen ist nicht durch fehlende Kenntnisse der gesprochenen Sprache bedingt oder dadurch, dass der Betroffene sich in dieser Sprache nicht wohl fühlt
Zu diesen Symptomen beschreibt das DSM-IV weiter Merkmale und Störungen, die häufig zusätzlich zum selektiven Mutismus bestehen. Als häufig gleichzeitig auftretende Störungsbilder werden soziale Ängstlichkeit und Störung des Sozialverhaltens mit aufsässigem Verhalten genannt. Außerdem werden eine depressive Symptomatik, Regulationsstörungen von Schlaf, Essen, Ausscheidungsfunktion oder Verhaltenskontrolle erwähnt (Kristensen, 2000).
Eine Reihe von Studien geben ein Verhältnis von Mädchen zu Jungen von 1,6-2.6 : 1 an (z.B. Lebrun, 1990; Schoor, 1996; Dopp & Gillberg, 1997; Kumpulainen et al., 1998; Dummit et al., 1996, Black & Uhde, 1995; Steinhauser & Juzi, 1996).

Definition totaler Mutismus

Beim totalen Mutismus fehlen sämtliche lautsprachliche Leistungen wie z.B. Husten, Weinen, Lachen etc.- und natürlich das Sprechen. Ein totaler Mutismus kann aus einem selektiven Mutismus resultieren oder durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst worden sein. Teilweise ist der totale Mutismus nur aus dem Vergleich mit dem früheren Kommunikationsverhalten diagnostizierbar. Ein totaler Mutismus findet sich selten bei Kindern, meist bei Jugendlichen und/oder Erwachsenen.

Der total mutistische Mensch hat den sprachlichen Kontakt zur Welt abgebrochen.

Definition akinetischer Mutismus

Dem akinetischen Mutismus geht in der Regel eine Verletzung des Gehirns voraus. Entweder ist das Frontalhirn oder der Gyrus cinguli beschädigt. Der Gyrus cinguli ist ein Anteil des Endhirns und zählt zum limbischen System. Diese Bereiche des Gehirns nehmen insbesondere bei einem Schlaganfall mit beidseitigem Verschluss der Großhirnarterie Schaden. Auch bei einem Schädel-Hirn-Trauma kann es zur Beschädigung des Frontalhirns und des Gyrus cinguli kommen.
Diese Form des Mutismus ist eine neurologische Erkrankung keine psychische Störung.

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Quellen:

  • Bahr, Reiner (2002): Wenn Kinder schweigen, Redehemmungen verstehen und behandeln. Ein Praxisbuch, Düsseldorf. Walter Verlag
  • Black, B. & Uhde T.W. (1992): Elective mutism as a variant of social phobia. Journal of the American Academy Child and Adolescent Psychiatry 31, 1090-1094,
  • Brack, U.B. & Metzner J. (1993). Elektiver Mutismus. Ein Fallbericht. Verhaltenstherapie 3, 131-136
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (2007) Leitlinien für Diagnostik und Therapie Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
  • Hartmann, B. (1997): Mutismus – Zur Theorie und Kasuistik des totalen und elektiven Mutismus. Berlin: Spiess
  • Nitza Katz-Bernstein (2005): Selektiver Mutismus bei Kindern
  • Papousek, M. (1996). Die intuitive elterliche Kompetenz in der vorsprachlichen Kommunikation als Ansatz zur Diagnostik von präverbalen Kommunikations- und Beziehungsstörungen.
  • Scheuerer-Englisch, H., Zimmermann, P. (1997). Vertrauensentwicklung in Kindheit und Jugend. Theorien und empirische Befunde
  • Steinhauser, H.-C., Wachter, M., Laimböck, K. & Winkler Metzke, C. (2006). A long-term outcome study of selective mutism in childhood. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 47, 751-756

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