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Gemeinsamer Unterricht (GU) in NRW

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    AW: GU in NRW

    Hallo

    Ich habe die Info von unserer Schulleitung wir sind aus BW. So weit ich weiss sind diese auch für NRW gültig.
    Veröffentlicht habe ich diese Zahlen leider auch noch nicht gefunden. Jedoch weiss ich, das dies die Reaktion auf die Forderung des Elternverbandes Stuttgart ist, die forderten das ab dem nächsten Schuljahr überhaupt keine Schüler mehr in Förderschulen aufgenommen werden sollen.
    Für unsere LB Schule wird es eng, wir haben 108 Schüler inkl. der Diagnosekl. meines Sohnes die schon an einer Regelschule als Außenkl. ist.
    Wie du aus dem Interview zitiert hast haben Sonderpäd. Förderung und Bedingungen Vorrang, dies ist aber nur möglich, wenn Personal und Mittel dafür da sind. Und diese Bedingungen müssen sich Eltern die ihr Kind inkludieren mit der Schule, Schulamt und Schulträger schaffen.


    LG Kristina

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      AW: GU in NRW

      Hallo zusammen,

      es leuchtet mir ein, dass man gerne den fordernden Eltern nachgibt und die teuren Förderschulen immer mehr beschneidet. So etwas könnte man auch "sparen unter dem Deckmantel der Inklusion" nennen. Auch in Bayern fordern Eltern die Abschaffung von Föderschulen im Namen "aller" Eltern. Nur hat mich noch nie einer gefragt und ich frage mich, wer trägt hier die Verantwortung, wenn es keine Förderschulen mit gezielter und auch angepaßter Förderung mehr gibt? Gehen dann diese lautstark fordernden Eltern auch für Besucher solcher Tagesförderplätze, die es am Ende vielleicht für die Kinder geben wird die nicht inkludiert werden können, auf die Barrikaden?

      Ich finde es mehr als unverantwortlich, wie hier über die Köpfe von allen betroffenen Schülern mit Behinderung gefordert, verhandelt und durchgesetzt wird. Ich finde auch Eltern, die ihre Kinder durch geforderte Inklusion überfordern, unverantwortlich in ihrem handeln. Tut mir leid. Aber ich habe schon einige Kinder erlebt, die auf biegen und brechen durch die Schule geschleust wurden, die Eltern stolz auf ihre Erfolge waren und am Ende die Kinder da gelandet sind, wo sie dann bis auf die rühmlichen Ausnahmen, alle mal landen. Am Rande der Gesellschaft. Und für die ist es dann noch schlimmer, weil sie von einem System ins andere mehr oder weniger unvorbereitet verschoben werden. Wenn nämlich erst einer einmal 18 ist, gelten ganz gandere Regeln.

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        AW: GU in NRW

        Liebe Marie-Luise,

        Du hast einige sehr wichtige Dinge missverstanden oder Dir fehlen machen Informationen:

        1. "über die Köpfe der Betroffenen hinweg": Das ist völlig falsch. Die UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland
        seit über drei Jahren geltendes Recht ist (die sollte man kennen!) wurde in einem mehrjährigen demokratischen Beteili-
        gungsverfahren entwickelt, es waren aus allen Ländern der Welt Vertreter beteiligt und es waren zur Hälfte Vertreter
        der behinderten Menschen selbst beteiligt.

        2. Es geht gar nicht darum, dass irgendwelche Eltern irgendetwas fordern, sondern die Bundesländer sind gesetzlich ver-
        pflichtet, die UN-Behindertenrechtskonvention sukzessive umzusetzen. Mit der Ratifizierung der UN-BRK haben sich
        auch die Bundesländer verpflichtet, sukzessive ein inklusives Bildungssystem aufzubauen. Die Eltern fordern lediglich
        eine schnellere Umsetzung dessen, da das planlose Herumgewurstel vieler Politiker unseren Kindern schadet, weil die
        Ressourcen so nicht beim Kind ankommen, sondern irgenwo sinnlos im System verpuffen.

        3. Es ist ein großer Irrtum, dass behinderte Kinder in Förderschulen besser gefördert werden als in inklusiven Regel-
        schulen. Die meisten Eltern unterliegen dem Irrtum, dass sie meinen, eine inklusive Regelschule arbeitet genauso wie
        die Regelschule, die noch keine behinderten Kinder integriert. Das bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz wurde
        eigens aufgrund der UN-BRK geändert und enthält nun die Verpflichtung a l l e r Schulen zu inklusiven Unterricht und
        einer inklusiven Schulentwicklung. Der wissenschaftliche Beirat des bayerischen Landtags mit Professoren bayerischer
        Unis der Förderbereich Geistige Entwicklung, Körperbehinderung und Lernbehinderung und Grundschule bestätigt ganz
        offiziell, dass alle internationalen Studien wie auch nationalen Studien beweisen, dass behinderte Kinder an der Regel-
        schule mehr oder mindestens genauso viel lernen wie an einer Förderschule.

        Liebe Marie-Luise, das sind die Fakten!

        Christine Primbs

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          AW: GU in NRW

          Liebe Christine,

          mir geht es nicht um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Ich kenne diese aus guten Gründen auch ziemlich genau und weiß auch, dass sie für sehr viele Länder der Erde gilt und dass es bei dem Recht auf Beschulung z.B. auch um die Schüler in Bangladesch geht. Dieses Land hat die UN-Konvention auch ratifiziert. Jeder legt gemäß seinen Ansprüchen die Konvention für sich abgestimmt aus.
          So wird die Mutter eines behinderten Kindes diese Konvention in Bangladesch dahingehend auslegen, dass ihrem Kind überhaupt Förderung zu gestanden wird. Eine Mutter in Deutschland fordert eine Regelbeschulung über alle Hürden hinweg als geltendes Recht, beschrieben in der UN-Konvention.
          Die UN-Konvention wurde von Deutschland ratifiziert, ist aber kein unangreifbares Recht geworden, sondern muss nur solange anerkannt und dementsprechend umgesetzt werden, wie ein Land wie Deutschland dafür auch gerade stehen kann.

          Mit dem "über die Köpfe" hinweg meine ich, dass über die Köpfe von Eltern hinweg Forderungen an den Bay. Staat gestellt werden. Eltern deren Kinder sich sehr wohl fühlen, mit der Art und Weise, wie sie an einer Förderschule beschult und versorgt werden, über die einfach lautstark hinweg die Abschaffung dieses Schulsystems gefordert wird. Argumente hierzu kann man auch hier im Forum lesen und diese dürfen einfach nicht ignoriert und vor allem mit dem Vorwurf "mangels Kenntnis" niedergeschmettert werden. Beide Systeme gut versorgt nebeneinander mit einer freien Schulwahl wäre optimal. Ist es nicht so, dass Förderschulen hier geopfert werden sollen, ihr Personal (langt bei weitem nicht) an Regelschulen verteilt werden soll, damit das Geld für diese Form der Beschulung langt? Und gleichzeitig konnte ich hier im Thread lesen, dass man dann auch für die schwerer behinderten Kinder nach Lösungen suchen muss?

          Es mag sein, dass das Herumgewurstel natürlich die aufhält, die jetzt momentan direkt davon betroffen sind. Und Verschleierungstaktik seitens der verantwortlichen Politik, oder wie auch immer wenn man etwas aus finanziellen Gründen nicht umsetzen möchte, wird auch einfließen.

          Ob die von dir zitierten "meisten" Eltern einem Irrtum unterliegen???????????????????????? ist glaube ich, sehr hoch gegriffen und es wird ihnen andauernd ihre Kompetenz in Frage gestellt, nur weil sie sich nicht gegen ihre Fördereinrichtung aussprechen. Seit Jahren, bereits schon sehr lange vor der Schaffung und Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention, fingen Eltern an, für den Erhalt und der dringend benötigten Versorgung der Sonderschulen mit Fachpersonal zu kämpfen. Vor etwas mehr als 10 Jahren wurde im Landeselternbeirat von Bayern darüber diskutiert, dass immer weniger ausgebildete Sonderpädagogen zur Verfügung stehen und dadurch mit bis zu drei Klassenführungen gleichzeitig belastet würden. Schulen die nach geltendem Recht aus den 80 ziger Jahren geschaffen wurden, standen vor der völligen Überlastung, weil die Räume nicht mehr den Klassenstärken angepasst waren. Die Rückzugsmöglichkeiten mussten anderweitig genutzt werden, um den Schulalltag noch zu gewährleisten. Die erste Generation Sonderpädagogen steuerten auf die Rente zu und gerade in Bayern wurden die Lehrstühle für GB-Pädagogik fast geschlossen und durch Zulassungsbeschränkung der Anteil ihrer Studenten in einen zwei-stellligen Bereich runtergedrückt. Im Gegenzug dazu sanken die Einstellungsnoten auf einen 1,.... Bereich, obwohl es viel zu wenig ausgebildete Lehrer gab. Ich nehme an, du weißt wie viel Arbeit in solch einem Studium drinne steckt und was für Fachgebiete dort umfassend abgedeckt werden und wie viel Einsatz der Studenten bereits im Studium nötig sind, die Wertigkeit ihres Klientels gegenüber "normalen" Studenten aufrecht zu erhalten? Und die heute bemängelten Missstände an den Sonderschulen ruhen die nicht auch auf der oben angeführten gezielten Sparpolitik der Jahre~ 1999 bis 2006? Und zu deiner Aussage, was die Lehrstühle an den Uni`s betrifft, möchte ich dich noch einmal auf einen bereits von mir eingestellten Link zum Thema: "Stellungnahme der kollegialen Leitung des Instituts für Sonderpädagogik Würzburg zu Inklusion" verweisen.

          Vielleicht unterliegst auch du einem Irrtum, wenn du immer davon ausgehst, dass Eltern mit anderer Meinung völlig ohne Kenntnis der Materie unterwegs sind. Ich mag die Mutter eines Kindes mit schwerer Behinderung sein, aber ich habe genau wie du, auch noch andere Interessen, als nur Wohlgefallen an bestehenden Systemen zu finden. Ich finde die Diskussion hier auch sehr gut und gehe gerne neue Wege. Ich finde nur, man sollte nicht immer die mit Unwissenheit belegen, die anderer Meinung sind, oder sich auch für andere Wege aussprechen. Ist es nicht so, dass man unsere bestehenden Systeme nicht schon lange hat ausbluten lassen und heute reiben wir uns gegeneinander auf, weil Erfahrung, Vorsicht (Misstrauen) und neues Denken aufeinander treffen?
          Zuletzt geändert von Marie-Luise; 05.01.2013, 17:48.

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            AW: GU in NRW

            Zitat von chripri Beitrag anzeigen
            Liebe Marie-Luise,

            Du hast einige sehr wichtige Dinge missverstanden oder Dir fehlen machen Informationen:


            3. Es ist ein großer Irrtum, dass behinderte Kinder in Förderschulen besser gefördert werden als in inklusiven Regel-
            schulen. Die meisten Eltern unterliegen dem Irrtum, dass sie meinen, eine inklusive Regelschule arbeitet genauso wie
            die Regelschule, die noch keine behinderten Kinder integriert. Das bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz wurde
            eigens aufgrund der UN-BRK geändert und enthält nun die Verpflichtung a l l e r Schulen zu inklusiven Unterricht und
            einer inklusiven Schulentwicklung. Der wissenschaftliche Beirat des bayerischen Landtags mit Professoren bayerischer
            Unis der Förderbereich Geistige Entwicklung, Körperbehinderung und Lernbehinderung und Grundschule bestätigt ganz
            offiziell, dass alle internationalen Studien wie auch nationalen Studien beweisen, dass behinderte Kinder an der Regel-
            schule mehr oder mindestens genauso viel lernen wie an einer Förderschule.

            Liebe Marie-Luise, das sind die Fakten!

            Christine Primbs





            und hier ein Auszug von der Stellungnahme, zu der der Link meines voran eingestellten Beitrag führt:

            Stellungnahme
            Der Kollegialen Leitung des Instituts für Sonderpädagogik der Universität Würzburg
            zur
            „Stellungnahme der Sektion Sonderpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissen‐
            schaft vom 15.03.2011 zur KMK‐Empfehlung zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention“


            Die Kollegiale Leitung des Instituts für Sonderpädagogik der Universität Würzburg sieht sich veran‐
            lasst, zu den Ausführungen der Sektion Sonderpädagogik im Hinblick auf die aktuelle KMK‐
            Empfehlung zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention (BRK) Stellung zu beziehen. Sie tut dies
            in großer Sorge um die Zukunft der Qualität sonderpädagogischer Förderung. .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. .................................................. ............................



            besonders zu erwähnen ist in meinen Augen Punkt 5 und 6:

            5) Die Sektion Sonderpädagogik fordert die Qualifikation aller Lehramtsstudierenden im Hinblick auf
            die Berücksichtigung von Heterogenität und Individualität.
            Dies ist ohne Zweifel wünschenswert. Unverzichtbar ist jedoch ebenso die**vertiefte Professionalisie‐
            rung für bestimmte sonderpädagogische Förderschwerpunkte.

            6) Die Sektion Sonderpädagogik postuliert: „Die positive Wirksamkeit integrativer/inklusiver Organi‐
            sationsformen schulischer Bildung ist belegt, entsprechende Konzepte liegen vor“.**
            Dies kann auf Basis des internationalen Forschungsstandes nicht behauptet werden. Die aktuellen
            Befunde mahnen zur Zurückhaltung im Hinblick auf integrative/inklusive versus separierende bzw.
            besondere Beschulung. Sie sind insbesondere im Blick auf unterschiedliche Wirkbereiche (Leistung,
            Emotionalität, Sozialverhalten, Selbstkonzept, soziale Integration usw.) differenziert zu bewerten.
            Vor dem Hintergrund der differenzierten Befundlage verbieten sich Einfachlösungen.**

            Die Unterzeichnenden erleben sich durch die Stellungnahme der Sektion Sonderpädagogik innerhalb
            der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften fachlich nicht adäquat vertreten.
            Wir weisen zudem darauf hin, dass die wissenschaftliche Sonderpädagogik sich immer auch als kriti‐
            sches Korrektiv verstanden hat und immer schon im Sinne der UN‐Behindertenrechtskonvention die
            Lebens‐*und Lernbedingungen von Menschen mit Behinderungen kritisch evaluiert und begleitet hat
            sowie Empfehlungen zu deren Weiterentwicklung im Interesse behinderter Menschen gab. In diesem
            Sinne sollte es vornehmste Aufgabe der wissenschaftlichen Sonderpädagogik sein, alle gegenwärti‐
            gen Entwicklungen kritisch zu begleiten, auch inklusive Prozesse.****

            Unterzeichnende:
            Univ.‐Prof. Dr. Stephan Ellinger, Lehrstuhl für Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen
            Univ.‐Prof. Dr. Erhard Fischer, Lehrstuhl für Pädagogik bei geistiger Behinderung
            Univ.‐Prof. Dr. Detlef Hansen, Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik
            Univ.‐Prof. Dr. Reinhard Lelgemann, Lehrstuhl für Körperbehindertenpädagogik
            Univ.‐Prof. Dr. Roland Stein, Lehrstuhl für Pädagogik bei Verhaltensstörungen
            Herzliche Grüße

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              AW: GU in NRW

              Liebe Marie-Luise,

              die UN-Behindertenrechtskonvention ist in den Grundsätzen sehr klar und eindeutig formuliert und nicht auslegungsfähig.
              So heißt es in der Konvention; dass jeder Mensch mit Behinderung das Recht hat, in der Gemeinschaft der Menschen, in der er lebt (also im Sprengel, wo er wohnt!) am allgemeinen Bildungssystem teilzunehmen! Die UN-Konvention lässt aber den Ländern einen gewissen Zeitraum, in dem das System unstrukturiert werden kann. 10 Jahre wäre eine angemessene Zeit, es geht aber nicht, dass mit dem Umbau nicht begonnen wird und es geht nicht, dass man Kindern, die in die Regelschule wechseln, dort die Ressourcen vorenthält. Wenn dann ist das auch der einzige Grund dafür, warum nicht soviele Eltern sich Richtung Regelschule umorientieren. Aktuell wird politisch zum Beispiel darum gestritten, dass den behinderten Kindern in der Regelschule für die Nachmittagsbetreuung noch der Schulbegleiter vorenthalten wird. Die Träger der Förderschulen wissen genau, dass die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist, wenn die behinderten Kinder an der Regelschule mal genauso lang und zuverlässig wie in der Förderschule betreut werden, derzeit können noch viele Eltern den inklusiven Weg nicht gehen, weil sie auf die Nachmittagsbetreuung ihrer behinderten Kinder angewiesen sind.
              Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch das durchgesetzt wird.

              Übrigens kennt die UN-Behindertenrechtskonvention kein Elternwahlrecht! Es geht nämlich im Kern nicht um ein Eltern-
              wahlrecht, sondern um ein Recht des Kindes! Mit welchem Recht nehmen wir Eltern unseren Kindern die Möglichkeit, zuhause aufzuwachsen, nachmittags mit den Geschwister- und Nachbarkindern zu spielen? Dazu habe ich als Mutter kein Recht, das spürte ich ganz stark und wenn mir die Gesellschaft noch so sehr einreden will, dass der deutsche Weg der
              Separation doch so gut für die behinderten Kinder sei...Im europäischen Ausland sind bereits 50-100% der behinderten Kinder in der allgemeinen Schule, in Deutschland immer noch nur um die 20%!

              Glaubst Du allen Ernstes, dass unsere Gesellschaft der Sonderschule mehr Sonderpädagogen zur Verfügung stellen wird? Solange man die Kinder wegsperren kann und sich niemand mit den Persönlichkeit dieser Menschen auseinandersetzt, gelten sie weiterhin als bildungsunfähig oder zumindest für den normalen Arbeitsmarkt als unfähig, auch wenn das niemand offen sagt. Erst wenn die behinderten Menschen mitten unter den Menschen leben, wird das Bewusstsein in der Gesellschaft dafür wachsen, dass man behinderte Menschen mehr fördern muss, weil sie wichtig für die Gesellschaft sind!

              Auch kritisier ich die "Fördergläubigkeit". Wir stehen insgesamt vor einem Paradigmenwechsel in der Pädagogik! Lehrer müssen eine neue Rolle als Lernbegleiter einnehmen, denn Kinder lernen selbstbestimmt und individuell und Kinder lernen in allererster Linie von anderen Kindern! Das ist auch der Grund dafür, warum sie an Regelschulen oft mehr lernen als an Förderschulen! Die Sonderpädagogik muss massiv umlernen: Die Diagnostik ist in den letzten Jahren zu sehr in den Mittelpunkt gestellt worden, die Förderung kam zu kurz, inzwischen geben immer mehr Sonderpädagogen im mobilen Dienst zu, dass die detaillierte Feststellungsdiagnostik, das Steckenpferd der Sonderpädagogik, wenig konkretes zur Förderung des Kindes beiträgt, in der inklusiven Pädagogik ist vielmehr eine lernprozessbegleitende Diagnostik wichtig, die von Eltern, Schulbegleiter und Lehrern zusammen geleistet wird und an runden Tischen in der Regelschule gemeinsam besprochen wird. Der Sonderpädagoge kann hier meistens nur systemische Beratung geben, da er das Kind zu wenig kennt.

              Übrigens ist die Position der Würzburger Sektion der Sonderpädagogik kein Widerspruch zu dem, was ich gesagt habe. Prof. Fischer und Prof. Lelgemann sind im wissenschaftlichen Beirat des Landtags, ich kenne sie von daher und habe schon Gespräche mit ihnen geführt. Auch Prof. Stein kenne ich von der letzten Fachtagung Inklusion an der Uni Würzburg. Er hat eine ausführliche Vorlesung darüber gehalten, dass alle wissenschaftlichen Studien belegen, dass inklusiv beschulte Kinder mit Förderbedarf mindestens genauso viel oder mehr lernen als separierte Förderschüler. Die einzigen Bedenken, die er hatte, waren sozial-emotionale. Auf meine Nachfrage hin konnte er aber das nicht genauer begründen, welche Studien dafür einen konkreten Anhaltspunkt geben. Bei einer Diskussion vor einem Dreiviertel Jahr in Regensburg sagte einer der obersten Vertreter des bayerischen Kultusministeriums vor 200 Zuhörern eines Fachpublikums: "Die Sonderpädagogik steht auf dem Prüfstand", von daher sind die Ängste der Sonderpädagogikpro-fessoren verständlich, die befürchten, dass die Sonderpädagogik in der Regelschule zurückgedrängt werden wird. Für mich ist das ein offener Prozess: In der Praxis entscheidet die bessere Qualifikation! Ich habe schon sehr gute Sonder-pädagogen erlebt, aber auch schon sehr schlechte. Die Landtagsabgeordneten erzählten uns, dass derzeit sehr viele Petitionen eingehen zum Thema mobiler sonderpädagogischer Dienst, mit dem es viele Probleme gibt.

              Christine Primbs

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                AW: GU in NRW

                Liebe Christine,

                die Menge der Sonderpädagogen hängt nicht vom Bedarf ab, sondern wird dem (meinem) Empfinden nach politisch gesteuert. Und als bildungsfähig gelten alle Kinder, die eine Förderschule besuchen, bzw. über Eingliederungshilfe versorgt sind. Das Wort bildungsunfähig hat sehr große Bedeutung und genau dieses Wort, welches du hier mal so schnell sogar als Gegeben einstellst, ist für mich der Knackpunkt bei der ganzen Bewegung. Es wird zu einem Aussortieren kommen. Bildungsfähig und Bildungsunfähigkeit und diese Bewegung werden wir, du genauso wenig wie ich, aufhalten können. Seit Jahren kämpft man für den Erhalt der Bildungsfähigkeit bis zum Lebensende. Und wenn es nur noch das Bewegen des kleinen Fingers ist. Du hast sicher noch nie auf der Schwelle gestanden, dass dein Kind als bildungsunfähig hingestellt wird und damit um seine Ansprüche beschnitten, ruckzuck aus der Eingliederungshilfe herausfällt? Warum reden Politiker plötzlich davon, dass man sich natürlich dafür einsetzen wird, dass auch Menschen mit schwerster Behinderung nicht aus der Eingliederungshilfe herausfallen werden?

                Ich finde es gut und auch in Ordnung, wenn du dein Kind in eine Regelschule geben möchtest und du dir sicher bist, dass sie sich genau den Anforderungen stellen möchte. Aber ich möchte gerne, dass mein Kind auch auf seiner geliebten Förderschule bleiben kann. Aber nur unter der Bedingung, dass diese mit ausreichend und vor allem geschulten Personal versorgt wird. Und dafür kämpfen wir seit Jahren und werden es auch weiter tun.

                Deine Meinung über gute und schlechte Sonderpädagogen kann ich teilen. Ich habe ja, wie beschrieben erst im letzten Schuljahr da einiges an Erfahrung dazugewonnen.

                Was die Behindertenrechtskonvention betrifft, ich finde es faszinierend wie sie aber trotzdem je nach Anspruch ausgelegt wird.
                Zuletzt geändert von Marie-Luise; 05.01.2013, 21:59.

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                  AW: GU in NRW

                  Liebe Marie-Luise,

                  Politiker legen immer viele Gesetze sehr kreativ aus. So wird eben behauptet, die Förderschulen dienen der Inklusion der Kinder, weil die Kinder dort angeblich bestmöglich für die spätere Inklusion in die Gesellschaft vorbereitet werden. Die Wahrheit ist aber ein oft lebenslanger Ausschluss aus der Gesellschaft in Werkstätten. Was bedeutet denn eine inklusive Gesellschaft? Es bedeutet, dass mein behindertes Kind auch die Chance hat, mit Menschen zusammenzusein, die dies freiwillig machen und nicht weil sie dafür bezahlt werden. Aber nochmal: Die UN-Konvention ist nicht so auslegungsfähig, wie das manche Politiker und andere Interessenvertreter, die um ihre Besitzstände fürchten, glauben machen wollen.

                  Du sprichst von der geliebten Förderschule. Aber das geht doch am Thema total vorbei. Es geht doch nicht darum, irgendwelche Menschen schlechtzureden, die in der Förderschule sind, selbstverständlich sind dort auch viele Menschen, die sich bestmöglich um das Wohl der Kinder bemühen. Das muss noch verstanden werden, dass wir über rechtliche Rahmenbedingungen diskutieren! Unsere Kernforderungen sind und da wäre es wichtig, dass wir an einem Strang ziehen:
                  - Behinderten Kindern müssen die nötigen angemessenen Vorkehrungen gewährt werden, auch in der Regelschule!
                  - Behinderte Kindern dürfen keine Bildungsangebote vorenthalten werden. De facto ist es aber so, dass gerade im
                  Geistigbehindertenbereich die Kinder an der Regelschule viele Dinge lernen, die in der Förderschule gar nicht auf dem
                  Lehrplan stehen!
                  - Bei der Expertenanhörung im Landtag sagte eine Schulleiterin aus Südtirol: "Die Eltern wählen die Ressourcen!"

                  Wenn also Deinem Kind an der Regelschule dieselben Rahmenbedingungen geschaffen würden wie an der Förderschule, vielleicht nicht in der Art genau die gleichen, aber in der Qualität, warum wolltest Du Dein Kind dann nicht auch an eine Regelschule geben wollen? Konkret: Wenn in der Förderschule, in der Dein Kind ist, irgendwann zwei Drittel nichtbehin-
                  derte Kinder gehen würden, würdest Du dann Dein Kind nicht mehr dorthin schicken wollen, weil Du dann vielleicht Angst hättest, dass die nichtbehinderten Kinder Deinem Kind Druck machen oder es zu sehr ummuttern, so dass es unselbst-
                  ständiger wird? Das kann ich nicht glauben. Ich habe wirklich sehr viele Gespräche auch mit Eltern aus Förderschulen geführt und immer war die Aussage: Natürlich wünschen wir uns die Inklusion unseres Kindes, nur vorstellen konnten sie es sich nicht so recht. Deswegen will ja niemand die Förderschulen von einem Tag auf den anderen schließen, denn das Vertrauen in ein inklusives System muss langsam wachsen. Aber anfangen muss man mit dem langsamen, planmäßigen Umstrukturieren. Deshalb bitte ich Dich, Dich mit einzusetzen dafür, dass den Kindern an der Regelschule die gleichen Ressourcen zuteil werden statt die Inklusion an der Regelschule schlechtzureden. Es ist auch ein Gebot der Solidarität, dass die Eltern, die noch an der Förderschule verbleiben wollen, akzeptieren, wenn die Förderschulen Gruppen schließen müssen oder irgendwann zusammengelegt werden müssen, was sie ja aber nur müssen, wenn sie sich der Inklusion versperren und keine nichtbehinderten Kinder aufnehmen wollen!

                  Christine Primbs

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                    AW: GU in NRW

                    http://www.nrw.de/landesregierung/sc...derungsgesetz/

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                      AW: GU in NRW

                      Liebe Christine,

                      Ich bin absolut für Inklusion und arbeite auch in bestimmten Gruppen mit, diese für alle Menschen mit Behinderung umzusetzen. Ich vertrete aber auch die Interessen meines Kindes, mit einer schweren Behinderung und ich würde mein Kind niemals dem gesellschaftlichen Druck aussetzen, es immer wieder beweisen zu müssen, dass es dazu gehört. Entweder gehört es dazu, oder es müssen Nischen erhalten, gestaltet, und erbracht werden, wo jeder seinen Platz findet und sich individuell entfalten kann. Selbst wenn es nur in einem beschützendem Rahmen möglich ist. Ebenso bin ich auch der Meinung, dass man Inklusion nur von ganz unten her aufbauen kann. Man muss mit den Schwächsten anfangen und sich nach oben durcharbeiten. Nur so wird es keine Verlierer geben.

                      Du arbeitest dich hier mit der der Deutschen auszeichnenden Präzision vor, ohne überhaupt auf das einzugehen, was ich dir sagen möchte.

                      Die Inklusionsbewegung und Ehrenamt und gemeinsames Zusammenleben funktioniert aus vielen Gründen nicht für alle Menschen mit Behinderung und den individuellen Ansprüchen in ihren Bedürfnissen. Wenn ich von einer Förderschule rede, geht das nicht am Thema vorbei, weil es mein Thema ist und allenfalls nicht mit deinen Vorstellungen für die Zukunft deines Kindes zusammen passt.

                      Solidarität wünsche ich mir erst mal von Eltern nicht so schwer behinderter Kinder gegenüber uns Eltern mit Kindern, deren Behinderung so schwer ist, dass sie vielleicht in einem beschützenden Rahmen einer Förderschule die bestmögliche Förderung bekommen können. Die Zukunft wird viele Überraschungen bereit halten, auch wie sich die Behinderungsarten verändern werden. Da merkt man ja jetzt schon gewaltige Veränderungen und wo fängt man an, ein Schulkind als "auffällig" zu bezeichnen? Heute bringen fast alle Erstklässer schon ein Päckchen mit. Und was ist in Hamburg, wo man ganz auffällig mit bekam, wie Eltern da auf Qualität achten? Im Prinzip könnte man sogar Regelschulen schon alle als Förderschule bezeichnen, mal ganz abstrakt gedacht........
                      Früher hatten die Lehrer mit uns Kindern zu tun und haben uns fürs Leben gelehrt. Heute haben die Lehrer den Druck der Eltern im Nacken und die Wahrheit verträgt man als Eltern ganz schlecht, nicht wahr? Da teilt man lieber aus.

                      Und noch eines, ich bin manchmal wirklich froh, dass mich die Schwere der Behinderung meines Kindes vor vielen Enttäuschungen bewahrt hat, weil wir von Anfang an kaum Chancen auf eine "möglichst normale" Entwicklung hatten. So habe ich die letzten Jahren eigentlich nur gelernt zu "schützen" meist vor Eltern von Gleichbetroffenen die eben "fitter" sind und andere Ansprüche haben.
                      Zuletzt geändert von Marie-Luise; 06.01.2013, 14:12.

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                        AW: GU in NRW

                        Liebe Marie-Luise,

                        Du schreibst, Dein Kind müsste erst beweisen, dass es dazugehört. Genau das ist seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention vorbei! Mein Kind könnte genausowenig beweisen, dass es dazu gehört, die Lehrer an der Regelschule waren gezwungen, ihre Unterrichtsformen zu ändern! In der Klasse gibt es jetzt einen ganz anderen Sportunterricht als vorher, es gibt mehr Freiarbeit, mehr Partner- und Gruppenarbeit, mehr Projekte, mehr Spielsituationen zur Einübung sozialer Kompetenzen usw.usw. Ich arbeite auch mit etlichen Eltern zusammen, deren Kinder trotz noch schwererer Behinderung in die Regelschule gehen, z.B. ein Kind, das weder sprechen, noch lesen, noch rechnen kann, inwieweit es zeichnen/schreiben kann, weiß ich nicht. Auf jeden Fall gehen die Eltern davon aus, dass es nie sprechen lernen wird, trotzdem geht es in die Regelschule und fühlt sich dort sehr wohl und ist auch sozial integriert.

                        Daher bitte ich Dich, mir nicht vorzuwerfen, dass ich "austeile" oder nur die Interessen meines Kindes vertrete, ich habe nur erläutert, was die Rechtssituation für a l l e behinderten Kinder in Deutschland ist. Ich hatte auch in älteren emails erläutert, dass ich es wie etliche Inklusionswissenschaftler für sinnvoll halte, im Bereich Sinnes-,Körper- u. sog. Geistiger
                        Behinderung mittelfristig als Wahlmöglichkeit eine Profilregelschule mit entsprechenden Förderschwerpunkten anzubieten, in die aber min. zwei Drittel nichtbehinderte Kinder aufgenommen werden müssen. Vielleicht solltest Du Dir einfach mal die Jakob-Muth-Schule in Nürnberg anschauen, die inzwischen 60 nichtbehinderte Kinder aufgenommen hat und ensprechend viele behinderte Kinder in Außenklassen in die Regelschule schickt, aber mit überwiegend GU. Schulleiter Reutter erzählte mal in einem Vortrag, wie das die Atmosphäre an der Schule geändert hat: "Da ist Leben eingezogen", es gibt nun Chorsingen und viele andere Aktivitäten, die vorher nicht möglich waren. Lasst uns alle daran mitarbeiten, dass alle Förderschulen den Mut bekommen, sich baldmöglichst auf den Weg zu machen und ihre Kinder mit nichtbehinderten Kinder zusammenzuführen!

                        Christine Primbs

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                          AW: GU in NRW

                          Hallo
                          Unser Sohn geht auch nicht in die für ihn "vorgesehene" KB Schule. Sondern in die Eingangskl. der LB Schule und für dass nächste Schuljahr fassen wir auch die Inklusion ins Auge.
                          Unsere zuständige KB Schule ist nun wirklich kein gutes Beispiel dafür, wie man Kinder mit einer so grossen Spannbreite an Behinderug adäquat fördert. Dort werden überwiegend schwerst Mehrfachbehinderte Kinder beschult, man wird dem Lehrplan der LB Schule nicht gerecht, man konnte uns nicht einmal zusagen, dass unser Sohn einen Gesprächspartner in seine Klasse bekommt, was natürlich für unseren Sohn eine schreckliche Situation gewesen wäre. Vor allem wäre er tgl. bis zu mehr als 2 Std. unterwegs gewesen all dies sind für mich Faktoren die gegen eine Beschulung in der KB Schule sprachen.
                          Dennoch hatte ich auch nicht von vorn herein den Mut mein Kind in einer grossen Regelkl. beschulen zu lassen.
                          Ich sehe es so, beweisen müssen sich die Kinder in Förderschulen auch extrem, denn da sind sie in der Bringsituation erst einmal zu beweisen, etwas zu können, ich pers. hatte den Eindruck, dass man den Kindern erst einmal gar nichts zutraut und die Behinderung im Fordergrund steht und schon war aus undeutlicher Sprache eine GB die er definitiv nicht hat.........es ist schwierig den richtigen Weg zu finden. Im Nachhinein sage ich auch in der Inklusion wäre es nichts anderes gewesen als die Eingangskl. da wo er gut mitkommt, bekommt er den selben Stoff wie alle anderen, da wo nicht kann man es erst einmal mit Nachteilsausgleich und nicht zielgleicher Beschulung versuchen und mit zurechtgelegtem Material der Sonderpädagogik.
                          Inzwischen sehe ich an den Möglichkeiten der Inklusion gar nicht so viele Nachteile gegenüber einer Förderschule.
                          Zumal gerade im KB Bereich die Spanne so gross ist der unterschiedlichen Behinderungen.

                          LG KRistina

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                            AW: GU in NRW

                            Neues zum Thema
                            Förderschulen.
                            http://www.nrw.de/landesregierung/sc...derungsgesetz/

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                              AW: GU in NRW

                              http://www.nrw.de/landesregierung/sc...derungsgesetz/

                              >Hier etwas neues zum Ende von Förderschulen.

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                                AW: GU in NRW

                                Hallo Elfriede

                                Ich hätte eine Frage , warum postest du Links, wenn du nichts dazu zu sagen hast?

                                Zumindest habt ihr in NRW schon einen Gesetzesentwurf, wobei ich mich da noch gar nicht so darauf verlassen würde, denn bis dem so weit ist, wird da bestimmt noch mal geändert und nochmal

                                Für BW gehe ich davon aus, dass es erst nach dem Schuljahreswechsel spruchreif wird, wenn überhaupt. Man tut sich hier mehr als schwer.

                                Hallo alle Zusammen

                                Am Ende sind wir doch alle egal auf welcher Schule auf uns selbst gestellt, bzw. auf Hilfe von Aussen wie SPZ, Therapeuten angewiesen. Unser Sohn hat z.B: recht wenig Mühe das Lesen zu erlernen, da es in der Diagnosekl. in Silben geschieht. Im Dez. waren wir im SPZ zur Logotestung seine Sprache und Sprachverständnis sind altersgerecht. Doch stellte die Logo fest, dass er Mühe hat Buchstaben im Einzelnen zusammen zu fügen aber im Silbenverbund gar keine Mühe hat.Ich frage mich nun warum bemerkt so etwas ein Sonderpädagoge nicht, wofür tun wir ihn dann in eine Förderschule, wenn solch eine Problematik nicht erkannt wird und gerade auf dem Weg in die Inklusion eine große Rolle spielt, d.h. wir brauchen eine Schule die nach der Methodik lesen und schreiben lernt.......mit dem IAP Ordner klappt es zu Hause und in der Ergo auch gut.


                                LG Kristina
                                Zuletzt geändert von chris-123; 06.01.2013, 23:26.

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                                  AW: GU in NRW

                                  Liebe Kristina,

                                  Sonderpädagogen können Perlen sein und gehen dann daran zugrunde, weil sie genau diese Probleme erkennen, die du beschreibst.
                                  Zu große Klassen, zu schwierige Kinder und Kreativität bleibt auf der Strecke. In einer Klasse 10 individuelle Kinder mit 10 individuellen Ansprüchen und alle wollen weiter kommen. Warum lehnen wohl die (meisten) normalen Lehrer behinderte Kinder ab? Ich kenne Sonderpädagogen, die sprechen sich mit den Logopäden ab und holen sich Rat und Hilfe. Leider werden Sonderpädagogen auch nicht mehr nur ihren speziellen Fachbereichen zugeteilt. Ich konnte hier irgendwo mal lesen, dass im letzten Schuljahr alles an ausgebildeten Lehrern genommen wurde, weil es einen eklatanten Mangel an Sonderpädagogen gab. Ich spreche denen natürlich keine Fähigkeiten aber ich stelle mir trotzdem die Frage, was das soll? Kein Wunder, wenn es dann zu solchen Situationen kommt, wie du sie beschreibst.

                                  Viele Grüße
                                  Lazarus

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                                    AW: GU in NRW

                                    Zitat von chris-123 Beitrag anzeigen
                                    Hallo
                                    Unser Sohn geht auch nicht in die für ihn "vorgesehene" KB Schule. Sondern in die Eingangskl. der LB Schule und für dass nächste Schuljahr fassen wir auch die Inklusion ins Auge.
                                    Unsere zuständige KB Schule ist nun wirklich kein gutes Beispiel dafür, wie man Kinder mit einer so grossen Spannbreite an Behinderug adäquat fördert. Dort werden überwiegend schwerst Mehrfachbehinderte Kinder beschult, man wird dem Lehrplan der LB Schule nicht gerecht, man konnte uns nicht einmal zusagen, dass unser Sohn einen Gesprächspartner in seine Klasse bekommt, was natürlich für unseren Sohn eine schreckliche Situation gewesen wäre. Vor allem wäre er tgl. bis zu mehr als 2 Std. unterwegs gewesen all dies sind für mich Faktoren die gegen eine Beschulung in der KB Schule sprachen.
                                    Dennoch hatte ich auch nicht von vorn herein den Mut mein Kind in einer grossen Regelkl. beschulen zu lassen.
                                    Ich sehe es so, beweisen müssen sich die Kinder in Förderschulen auch extrem, denn da sind sie in der Bringsituation erst einmal zu beweisen, etwas zu können, ich pers. hatte den Eindruck, dass man den Kindern erst einmal gar nichts zutraut und die Behinderung im Fordergrund steht und schon war aus undeutlicher Sprache eine GB die er definitiv nicht hat.........es ist schwierig den richtigen Weg zu finden. Im Nachhinein sage ich auch in der Inklusion wäre es nichts anderes gewesen als die Eingangskl. da wo er gut mitkommt, bekommt er den selben Stoff wie alle anderen, da wo nicht kann man es erst einmal mit Nachteilsausgleich und nicht zielgleicher Beschulung versuchen und mit zurechtgelegtem Material der Sonderpädagogik.
                                    Inzwischen sehe ich an den Möglichkeiten der Inklusion gar nicht so viele Nachteile gegenüber einer Förderschule.
                                    Zumal gerade im KB Bereich die Spanne so gross ist der unterschiedlichen Behinderungen.

                                    LG KRistina
                                    Liebe Kristina,

                                    dass was du beschreibst meine ich eben ganz genau und du bringst es auf den Punkt. Manchmal habe ich das Gefühl, wir schreiben alle in Deutsch und reden in verschieden Sprachen.
                                    Es ist ein Trauma, wie Schüler mit einer schweren Behinderung in überfüllten Klassen und mit zu geringer Versorgung mit Personal mittlerweile teilweise in Deutschland "verwahrt" werden. Selbstverständlich führt dies zu einem Ergebnis, dass Eltern ihre fitteren Kinder, aus diesen Schulen heraus haben wollen.

                                    Aber es ist der verkehrte Weg. Da gebe ich Christine recht. Diese Schulen müssen sich öffnen. Auch schwerstmehrfachbehinderte Kinder haben das Recht auf einen Umgang mit sprechenden und fitteren bis hin zu fitten Mitschülern. Immer wieder wird hier von relativ Fitten geschrieben, die einfach von ihrem Intellekt her mit noch fitteren Schülern zusammen sein sollen. Das ist ja auch sinnvoll und völlig in Ordnung und ich teile absolut diese Meinung. Aber wir müssen permanent aufpassen, dass eben schwerstbehinderte Kinder auch weiter dazugehören.

                                    Man muss gewaltig aufpassen, dass hier keine Abgrenzung entsteht. KB-Schulen in Deutschland wurden geschaffen, um geistig fitten Schülern eine Basis zu geben, wo sie trotz körperlicher Einschränkungen eine völlig normale Schulausbildung durchlaufen konnten. Contergan ist da das Schlagwort. Die KB-Schulen haben übrigens einen erhöhten Satz, weil da viele Hilfsmittel mit eingerechnet sind. Eltern an G-Schulen mussten schon immer selbst für Therapiemittel sorgen.

                                    Diese KB-Schulen waren nicht dafür vorgesehen, Schwerstbehinderte, die noch dazu geistig behindert sind, aufzunehmen. Weil diese Kinder gar keine Rechte auf Schulbildung hatten! Allenfalls die Menschen mit Down-Syndrom, das klassische Bild einen Kindes mit geistiger Behinderung (auch in der Lebenshilfe) wurde dann in eine Schule für geistige behinderte Kinder aufgenommen. Aber möglichst ohne, bzw. höchstens mit einer dezenten zusätzlichen Körperbehinderung. Daher wurden die G-Schulen auch mit viel weniger Geld und Ausstattung versorgt und das bis heute so. Es sind die absolut billigsten Förderschulen, auf dem untersten Niveau in Deutschland. Seit Jahren gibt es nun die Durchmischung an den Förderschulen und seit Jahren kann man unter den Förderschulen auswählen. (eigentlich) Nur wurden leider die Förderschulen den Anforderungen nicht angepasst.

                                    Man ließ sie teilweise in heute katastrophale Zustände abgleiten. Lehrermangel der scheinbar (?) gewollt ist, Deckelung der Kostensätze usw. Und dann kommen jetzt die lautstarken jungen Eltern, die alles besser wissen, was auch darauf beruht, dass sie heute die Zustände vorfinden, also das Recht auf Schulbesuch, das erst durch die Eltern vor ihnen geschaffen wurde. Der Staat freut sich und am liebsten würde er sicherlich sofort alle "teuren" Schulen schließen. Dann die guten ins Töpfchen (Regelschule) und die schlechten ins Kröpfchen (bildungsunfähig?) packen, bzw. die nicht Inkludierbaren kostengünstig verwahren.

                                    Grundschullehrer und Sonderpädagogen haben sehr unterschiedliche Ausbildungen. Ein Sonderpädagoge hat ein viel längeres Studium und das nicht ohne Grund. In den letzten Jahren war man sicher viel zu wissenschaftlich unterwegs, aber ich glaube das hatte auch sein Gutes. Der Wert der Menschen und der Erhalt und das Recht auf Bildungsfähigkeit hat man uns damit erschaffen, ausgebaut und ermöglicht.


                                    Die Durchmischung an den Förderschulen kam erst durch das Recht auf Bildung auch für schwerstbehinderte Schüler. Weil Eltern dieser Kinder erst allmählich den Mut fassten, auch auf die Lebenshilfe zu zugehen um für ihre Kinder die gleichen Rechte einzufordern, die andere Kinder mit leichterer Behinderung schon hatten. In den 70 ziger Jahren !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! das sind noch nicht einmal 40 Jahre her, da haben diese Schüler erst das Recht auf Bildung bekommen und durften , heute nennen wir es Inklusion !!!! ebenfalls mit anderen behinderten Schülern zur Schule gehen. Und das ist noch nicht alles. Damals mussten diese Eltern selbst sehen, wie ihre Kinder zur Schule kamen und wieder geholt wurden. Sie haben sich Stunde für Stunde eines Schulbesuchs, erkämpfen müssen. Körperliche Pflege musste selbst vorort ausgeführt werden. Allzeit bereitstehen, am besten vor der Schultüre. Pädagogen, die in den 70 ziger Jahren zusätzlich Weiterbildung in der Sonderpädagogik absolvierten, nahmen sich den Menschen teilweise mit Herzblut an. Da gab es das Wort "Stress" und "burnout" noch nicht.

                                    Jede Sonderschule hat ihre eigene Konzeption und die Lehrer ihren eigenen Lehrstuhl. Es sind Fachleute, unter denen es gute und schlechte geben mag. Gute, wenn ihre angepasste Richtung stimmt, schlechte, wenn sie neue Wege zu gehen versuchen. Was bleibt ist die Politik - mit Nichtfachleuten, was den Förderschulbereich betrifft, die dann sich dermaßen in das Schulwesen einmischen, dass unsere betroffenen Schüler teilweise auf der Strecke bleiben und Lehrer verheizt werden.
                                    Es ist vielen von den jungen Eltern die nur die Inklusion sehen gar nicht bewusst, wie relativ jung die Rechte von Schülern mit Behinderung sind.

                                    Förderschulen sind Institutionen und die Rektoren kennen sich alle untereinander und vor Jahren haben sie gegenseitig aufgepaßt, wer welches Kind bekommt. Und wehe ein Rektor einer Förderschule für G-Kinder, hätte Sehhilfen beantragt. Dann hätte er vom Rektor der Blindenschule auf die Finger geklopft bekommen, weil der es am Ende von seinem Budget abgezogen bekommen hätte. Das ist auch Realität.
                                    Zuletzt geändert von Marie-Luise; 07.01.2013, 13:56.

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                                      AW: GU in NRW

                                      Liebe Elfriede,

                                      wir hatten es ja schon einmal angesprochen, es wäre sehr gut, wenn du einfach mit ein paar Zeilen deinen Link beschreiben würdest. Ich bin mir nicht sicher, ob alle User ihn sonst überhaupt anklicken. Man weiß ja nie, was so dahinter versteckt ist. Damit aber wichtige Infos nicht verloren gehen, fände ich ein solches Vorgehen sehr hilfreich.
                                      Viele Grüße
                                      Kirsten
                                      Forumadministrator - Team-Intakt



                                      Wir freuen uns über Leute, die bei INTAKT mitmachen möchten. Schreib mir und erfahre mehr.

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                                        Hallo zusammen,

                                        ich kann auch noch was zur Entwicklung unserer Sonderschulen für Schüler mit einer geistigen Behinderung berichten.

                                        In Bayern wurden die Kinder, die man als „klassische“ Schüler mit Lernbehinderung kennt, an sogenannten Hilfsschulen unterrichtet. Schüler die mehr geistig, als lernbehindert waren, wurden ebenfalls diesen Schulen zugeordnet.
                                        Schüler, die schwerer behindert waren, blieben aber vorerst noch außen vor. Anfang der 60 ziger Jahre begann man aber auch sich Ihnen, zumindest an einzelnen Standorten zuzuwenden. Bei uns z. B. entstand eine „Mütterschule“. Mütter wurden für einen Tag in der Woche eingeladen, mit ihrem Kind an die Schule zu kommen und wurden dann hilfestellend beraten, was man so an Förderung seinem Kind zuhause anbieten kann.

                                        Dann trat zum 01.01.1966 (gibt da verschiedene Daten im Internet, mir wurde dieses genannt) das neue Sonderschulgesetz in Bayern in Kraft. Es ist ein Bundesrecht. Bayern war übrigens das erste Bundesland, wo dieses Gesetz zum Zug kam.

                                        Fortan durften die Mütter mit ihren Kindern dann dreimal in der Woche zur Mütterschule kommen.
                                        In den ersten Jahren gehörte da auch ganz viel Eigenleistung seitens der Eltern hinzu. An den Unis gab es dann erst Anfang der 70 ziger Jahre einen Lehrstuhl der Sonderpädagogik. (1974 in Würzburg)

                                        Viele Eltern von damals leben noch und ich höre ihnen sehr gerne zu, wenn sie von ihrer Aufbauarbeit erzählen. Vor allem muss man bedenken, die Mütter von damals hatten meistens keinen Führerschein und nur wenige, wenn überhaupt einen fahrbaren Untersatz. Fahrdienste gab es damals noch lange nicht.

                                        Und doch haben sie für ihre und letztendlich auch für unsere Kinder, mit einem heute eigentlich unvorstellbaren Einsatz, das Recht auf Bildung erkämpft.
                                        Heute reden wir von Inklusion und alle mögen gemeinsam zur Schule gehen. Das ist nur möglich, weil es erst durch ein Gesetz von 1966 geregelt wurde, dass unsere Kinder Recht auf Schulbildung haben. Man kann vieles schlecht reden, man kann aber auch auf Erfahrung aufbauen.

                                        Was ich geschrieben habe, weiß ich von „alten“ Eltern und schon längst pensionierten Sonderschullehrern, die sich durch Qualifikation nach ihrer normalen Lehrerausbildung zu Sonderpädagogen entwickelt haben.
                                        Was aber bleibt ist einfach dass ein geschriebenes Recht auch umgesetzt werden muss. Bildung und Förderung für alle Kinder mit Behinderung egal welcher Art, sollte niemals wieder infrage gestellt werden. Ob alle zusammen, oder einzeln integriert, oder auch separat an qualifizierten Fördereinrichtungen, es darf an keiner dieser Lösungen mit Mitteln zugunsten des vermeintlichen, oder auch stärkeren Schüler gespart werden. Jedes Kind und jeder Schüler hat in Deutschland das gleiche Recht, adäquat beschult zu werden.

                                        Inklusion sollte einmal darin enden, dass man gar nicht mehr merkt, dass man drin ist. Dann ist man aber auch ohne Abstriche mitten drin. Und ausrichten, sollte man die Anfänge immer gemessen an dem schwächsten Glied der Kette.

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                                          Liebe(r) Lazarus, Liebe Marie Luise

                                          Ich bin da ganz euerer Meinung, man darf d.h. auch wir Eltern dürfen nicht beginnen zwischen den Behinderungen unterschiede zu machen und Mehrfachbehinderte Kinder vergessen oder auf den Förderschulen nur unter sich zurücklassen.
                                          Jedoch darf dies nun wirklich nicht Aufgabe der Eltern bzw. Kinder sein, die diese Schulen nicht mehr besuchen oder dort gehen. Dies hat Gründe. Würde man dort den Kindern gerecht werden würden sie bestimmt nicht gehen. Es müssen alle Kinder ausreichend gefördert werden.

                                          Auch wenn ich lese, das Eltern die ihre Behinerten Kinder in die Inklusion Regelschule geben seien Verantwortungslos ich weiss nicht woran man dies fest machen möchte. Es gibt bestimmt auch Eltern die ihre Kinder auf Förderschulen geben ohne zu wissen ob es der richtige Weg für das Kind ist. Eine Garantie die richtige Entscheidung zu treffen hat keiner. Man kann nur auf sein Bauchgefühl hören und versuchen gute Bedingungen für sein Kind zu bekommen bzw. vorzufinden.

                                          Was die Sonderpädagogen angeht, die beiden Lehrerinnen in Lucas Kl. sind wirklich gut und wir haben keine Probleme mit ihnen unser Junge fühlt sich wohl da und er hat Spass, in der Kl. sind 8 Kinder. Aber das mit dem Lesen hatte mich eben beschäftigt, auf der anderen Seite, haben sie ja genau die Methode die er braucht und mit der er klar kommt. Sie hat sich auch schon mit der KG und Ergo besprochen.

                                          Wir haben aber auch vor der Rückstellung 2011 mit einer ganz schlimmen Sonderpädagogin zu tun gehabt und mit Sicherheit bin ich deshalb auch übersensibilisiert. Es sind solche Kleinigkeiten warum muss ich die Ärzte Kliniken und Therapeuten von der Schweigepflicht entbinden und die Berichte meines Kindes einer Förderschule bzw. Sonderpäd. aushändigen die können damit doch nichts anfangen, die wissen nicht einmal was eine PVL ist.

                                          Wir in BW haben jetzt ja erst einmal wieder Pech unsere Kultusministerium hat sich ja davon gemacht

                                          Ich denke diese Schulgeschichten und jede Geschichte die dahinter steht, gibt die Richtung der Beschulung an.

                                          LG Kristina

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                                            Hallo Lazarus,

                                            die geschichtliche Rückschau finde ich sehr wertvoll. Danke dafür.

                                            Warnen möchte ich davor, die geschichtlichen Gegebenheiten als Maßstab unserer heutigen Forderungen und Ziele anzulegen. Das tun wir sonst auch in keinem Gebiet. Weder in Frauenfragen noch in technischen noch sonst wie oder wo. Nur weil damals kaum eine Familie überhaupt ein Telefon besaß, würde heute keinem Menschen einfallen, die Entwicklung des Computers damit als plausibel zu verhindern. Nur weil Frauen vor 100 Jahren noch nicht mal das Wahlrecht besaßen, würden wir sie heute nicht von den Universitäten ausschließen. Auch wenn Beispiele oft hinken, hoffe ich, sie machen deutlich, was ich sagen will. Wir leben in einer anderen Zeit mit ganz anderen Maßstäben. Die Beispiele sind aber vielleicht sehr geeignet um auch unsere Forderung/unser Ziel der Inklusion mutiger zu formulieren und vielleicht sogar richtiger zu erspüren. Wenn das "Telefon" damals in den 1960ern war, dass Kinder mit sog. geistigen Behinderungen überhaupt erst zur "Schule" (es war viel mehr eine außerfamiliäre Betreuung, als Schule im eigentlichen Sinne) gehen durften, sind die gesonderten Schulen/Einrichtungen von heute in etwa das schnurlose Telefon von vor 20 Jahren. Das Handy und der Computer sind in etwa die Inklusion, d.h. die grundsätzliche Abkehr von (schulischer und sozialer) Aussonderung irgendwelcher Kinder aus einem Schulsprengel/Wohngebiet. Unschwer kann man sehen: Bei den Menschenrechten der Kinder mit Behinderungen hinken die Gegebenheiten weit hinter den Möglichkeiten her (auch im Vgl. zu anderen europ. Ländern).

                                            Die Außenklasse meines Sohnes war in der 3. und 4. Jahrgangsstufe zeitgleich 3 Tage/Woche an einer GS sowie an 2 Tagen/Woche an der 20 km von dieser GS entfernten Sondereinrichtung jeweils im Wechsel und in ständig wechselnden 5 verschiedenen Gruppenzusammensetzungen hin und hergeschoben worden. Ein schwer traumatisierendes Hin und Her nicht nur für mein Kind, auch für mich als Mutter des Opfers!
                                            Bei einem Krisen-Elternabend in der Planungsphase - Eltern versuchten das schreckliche Modell zu verhindern - antwortete eine hohe Regierungsvertreterin im Frühjahr 2005 !!! (2 Jahre nach Wegfall der Lernzielgleichheit im BayEUG) auf die Aussage, man dürfe Kinder nicht einfach so aussondern, man müsse solche Entscheidungen mit äußerster Behutsamkeit fällen, mit den Worten: "Mitte des letzten Jahrhunderts waren solche Kinder noch gar nicht in der Schule!" Das war das Schlusswort des Abends.

                                            Wenn man nun ein paar Jahre weiter in der Geschichte zurückblicken und dort den Maßstab anlegen würde, sollen die Kinder heute dann wieder um ihr Lebensrecht fürchten?! Auf diesen Gedanken, mit dem ich sie schriftlich konfrontierte, antwortete sie abwiegelnd, sie wollte mit ihrer Aussage nur deutlich machen, dass wir ein hervorragendes "Förderschulsystem" (euphemistisch für Sonderschulsystem, Anm. d. Verf.) haben. Welcher Logik folgt diese Argumentationsweise? Nur weil die Kinder damals noch gar keine außerfamiliäre Betreuung hatten, folgt daraus doch nicht logisch, dass wir heute ein hervorragendes "Förderschulsystem" haben. Die Logik ist, dass wir heute WENIGSTENS eine außerfamiliäre Betreuung unserer Kinder haben. Die Qualitätsfrage jedoch bemisst sich nicht an den Gegebenheiten und Möglichkeiten von damals. Die Qualitätsfrage erschließt sich z.B. im Vergleich mit anderen wirtschaftlich vergleichbaren europäischen Ländern - heute (!), oder im Vergleich mit den Bedingungen, die andere Kinder im gleichen Alter hierzulande vorfinden - heute (!) etc. In diesen beiden Vergleichen steht unser "hervoragendes Förderschulsystem" dann gar nicht mehr so gut da. Wenn Kinder ohne Behinderungen hierzulande wohnortnah in normalen sozialen Gruppen zur Schule gehen dürfen (kurze Beine - kurze Wege), warum soll das dann für Kinder mit Behinderungen egal welcher Art nicht gelten? Das muss erst recht für Kinder mit Behinderungen gelten, denn sie haben schon einen Nachteil und die Familien leisten eh schon mehr. Schon das GG verspricht Gleichbehandlung, formuliert ein Benachteiligungsverbot WEGEN Behinderung und schützt die Würde jedes Kindes. Seit 2009 wurde die UN-BRK ratifiziert, das ist so ähnlich wie ein Versprechen. Wir erwarten auch von unseren Kindern, dass sie ihre Versprechen halten und nicht mit Ausrecen kommen. Das sind die Maßstäbe, die anzulegen sind.

                                            Der Kampfesgeist der Eltern darf wohl als Maßstab für unser Engagement gelten.

                                            Ich bin Jahrgang 1960. In der Rückschau meiner Grundschulzeit kam es einmal vor, dass unser Lehrer im Schulgottesdienst eine schallende Ohrfeige bekam, von einer Mutter, deren Kind an eine Sonderschule (Lernen) ausgesondert wurde. Danach war die Mitschülerin nicht mehr in unserer Klasse und der Kontakt riss gänzlich ab. Vorher gehörte sie zu uns und wir spielten ganz normal mit ihr.

                                            Damals verstand ich natürlich nicht, warum der Lehrer die Ohrfeige bekam. Heute verstehe ich es gut. Ihr Kind gehörte nicht mehr dazu, es wurde ausgegrenzt. Heute bin ich Mutter eines ebenso schulisch und in der Folge komplett sozial ausgesonderten Kindes. Die Staats- und Gesellschaftsmacht war stärker als ich Mutter, wir als Familie.

                                            Der Kampf der unzähligen Eltern vor uns und mit uns für die Rechte ihrer Kinder wurde durch die Vereinten Nationen gestärkt. Nutzen wir also die Unterstützung und wehren sie nicht ab.

                                            Menschenrechtsaktive inklusionsbewegte Grüße von

                                            Madlen

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                                              AW: GU in NRW

                                              Hallo Madlen


                                              Lange habe ich nichts geschrieben, aber heute melde ich mich noch mal zu Wort. Ich schreibe gerade die Geschichte meines Sohnes auf. Schule Kita, alle Berichte werde ich bearbeiten. Und vielleicht Veröffentlichen. Vielleicht hilft es uns auch das geschehene besser zu verarbeiten. Kräftemäßig gelange ich an meine Grenzen. Madlen du bist Jahrgang 1960, ich bin 1961. Unsere Geschichte betreffend unseres Sohnes ist sehr lang, und wäre nicht die Menschenrechtskommission der UNO gewesen, voran Herr Munoz würde es Inklusion nicht geben. Unser Sohn ging auf einer KB- Schule. Eine Katastrophe, wir haben uns Inklusion zunutze gemacht. Die erste GU Schule in unserem Ort, mussten wir verlassen. Probleme mit der Sonderpädagogin und der Lehrerin.Jetzt läuft es ganz gut, wir sind zufrieden. Keinen Streit alles ist Harmonisch. Die Lehrer und auch unser Sonderpädagoge sind klasse. Es tut gut im GU als Eltern auch mal Ruhe zu haben, und keine Diskriminierenden Attacken seitens der Lehrer zu haben. Aber bald geht es ja um die weiterführende Schule, alles fängt von vorne wieder an. Wir sind ,, mittendrin e.v , Köln beigetreten. Tut gut zu wissen das man Hilfe erwarten kann. Bei wichtigen Gesprächen so sei es beim Schulamt, ist dies eine große Hilfe.


                                              Trotz allen Schwierigkeiten die man erlebt, wird Inklusion umgesetzt.
                                              Den Kampfgeist der Eltern wie du ihn beschrieben hast, wird dazu beitragen.

                                              Dein Bericht ist Dufte.

                                              Bis zur Normalität ist noch ein weiter Weg.

                                              Ich bin mir sicher , es kommt der Tag da wird es da alles nicht mehr geben.


                                              Ein großer Dank gilt der UNO-Menschenrechtskommission.


                                              Liebe Grüße Elfriede B.

                                              oder auch Annegret Elfriede Reinke geb. Baumann

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                                                AW: GU in NRW

                                                Hallo Elfriede

                                                Ihr seit echt zu bewundern, wie ihr das alles geschafft habt.
                                                Wir sind auch der KB Schule entgangen, die wirklich nicht der richtige Beschulungsort für unseren Sohn gewesen wäre. Es war aber ein gezerre an dem Kind, das ich mir oft nicht mehr zu helfen wusste.
                                                Im Moment besucht er die Schuleingangskl./Diagnosekl. nach diesem Schuljahr werden wir auch mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in die Inklusion gehen.
                                                Ich hab aber schon richtig Angst im Moment dies zu sagen, denn wenn ich mir überlege, das ich nochmals gegen so viel Wiederstand und böse Worte über mein Kind umgehen muss wirds mir ganz anders.
                                                Auf der einen Seite, weiss ich das es für mein Kind der richtige Weg ist auf der anderen Seite weiss ich einfach nicht ob mir die Puste reicht, dies der LB Schule beizubringen, eine Bildungswegekonferenz durchzustehen und 1000 Ausreden zu hören, warum diese und diese Schule ihn nicht inkludieren kann, am IQ liegt es nicht aber sie finden eben immer etwas.

                                                Teilweise wird man wirklich an die Grenze gebracht und ich möchte ja nichts falsch machen und niemandem auf den Schlips treten, dies hat dann ja auch nur zur Folge das es mein Kind abbekommt.
                                                Vielleicht hast du noch ein paar Tipps für mich.

                                                LG Kristina

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                                                  AW: GU in NRW

                                                  Hallo Kristina

                                                  Wenn du den Weg Inklusion gehen möchtest, wird es auf jeden Fall schwer. Du musst stark sein, sie werden alles versuchen um dich davon abzubringen. Wir würden diesen Weg immer wieder gehen, es lohnt sich immer sich für sein Kind einzusetzten. Leiden wird dein Kind, sie werden deine Entscheidung unter Umständen deinem Kind fühlen lassen. Kommt ganz darauf an. Es wird aber auch leiden wenn es dableibt, Bildungsmäßig auf jeden Fall. Mein Sohn hat in der Regelschule sehr viel gelernt. In der KB-Schule lernte er doch tatsächlich bis 10 zu zählen. Auf Grund eines Vorkommnisses wurde er in der KB Schule auf GB eingestuft. In den ersten drei Monaten. Wie können Sonderpädagogen in den ersten drei Monaten ein Schulversagen feststellen ? Das ist eine schwerwiegende Angelegenheit, und was diese S.Pädagogin geschrieben hat, ist nicht wahr. Wir Kämpften für GU, auf eine GB Schule sahen ihn wir nicht. Die Schulrätin las das Gutachten im Schulamt vor, das war schlimm. Ruhig bleiben war nicht möglich. Das brachte mich auf die Palme. Wenn du zum Schulamt musst, dann gehe nicht alleine hin. Du darfst dir eine Person deines Vertauens mitnehmen. Es ist immer leichter sich für jemanden anderes einzusetzten, als für sich selbst. Nun wohnst du in einem anderen Bundesland, ich wohne in NRW. Warte nicht zu lange, auf eine Regelschule wird dein Kind auf jeden Fall mehr lernen. WWW. Hans Wocken . de Das musst du anklicken, wir haben uns Literatur von diesem Professor für Lernbehindertenpäd. angeschafft und gelesen. Seine Worte waren und sind uns heute noch hilfreich. Ohne ihn , seine Literatur hätten wir es nie geschafft. Wir haben einen Förderortwechsel und Förderschwerpunktwechsel angestrebt, und es geschafft. Aber was hat das Nerven gekostet, und was muss man sich alles sagen lassen. Damit kann ich jetzt gut umgehen. Auch Schulräte sind nur Menschen, und die glaube mal, kochen auch nur mit Wasser. Inklusion ist da, die Anfänge schwierig, ich bin mir sicher alle lernen aus Fehler, Eltern wie auch Pädagogen. Es fehlt die Gewohnheit, wird aber noch kommen. Unsere Landesregierung in NRW ist auf einem guten Weg.
                                                  Widersacher wird es immer geben, aber vielleicht verstummen sie eines Tages.

                                                  Wir Eltern entscheiden wie schnell Inklusion umgesetzt wird.

                                                  Was würden unsere Politiker wohl sagen, wenn alle Eltern mit ihren Kindern die Sonderpädagogisch gefördert werden, ein Antrag für Gemeinsamen Unterricht stellen würden.
                                                  http://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion

                                                  Ich wünsche dir für dein Vorhaben viel Kraft und Mut.

                                                  Liebe Grüße Elfriede B.
                                                  Zuletzt geändert von Elfriede B; 16.01.2013, 21:37.

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                                                    Wir haben fast 2 Jahre kämpfen müssen das er von einem Förderzweig in den anderen kann. Nach dem 1. Jahr 2011 kam es zur Rückstellung wg. der Umstellungs OP , davor hatten wir auch das Problem mit der Sonderpäd. der KB Schule die ihn natürlich gerne an ihrer Schule gehabt hätte (Schülerzahlen, sprechendes, fitteres Kind u.s.w) was für uns Anfangs auch keine Frage war, bis wir dort waren und die Zustände dort gesehen und gehört haben. Nach der Mitteilung, das wir unser Kind lieber in die Diagnoseklasse schicken würden, hatte er auf einmal ihrer Ansicht nach auch eine GB. Was schon durch IQ und Entwicklungstest wiederlegt war. Ich denke, das ist dann das Druckmittel erster Wahl mit der GB wenn es am gezerre der Kinder los geht.
                                                    Nach der Rückstellung brauchten wir das Regierungspräsidium zur Unterstützung um unseren Wunsch der Diagnoseklasse durch zu bekommen, war auch von Seiten der LB Schule anfangs nicht leicht, danach funktionierte die Zusammenarbeit sehr gut.
                                                    Wir wollten für ihn diese Eingangskl. da er aus einem Schulkindi kam und eben durch die Gruppenstärke mit 6 Kindern und den ganzen OP´s. Die Klasse ist an einer Regelschule als Aussenkl. er macht sich da echt gut, nach diesem Schuljahr gehen dann die meisten Kinder in die Regelschule oder in das Gebäude der FS LB.
                                                    Ich denke wir sind jetzt so weit das wir uns von der Förderschule verabschieden können und mit Begleitung in die Inklusion können. Ich kann aber gar nichts machen nicht einmal nach einer GS schauen , mir wurde ganz klar gesagt das ich keine Alleingänge zu tätigen hätte und das sich um alle Belange bzw. Schulleitungsgespräche über die FS laufen. Ich weiss nicht was ich im Moment tun soll u wie ich mich verhalten soll.
                                                    Wie du dir vorstellen kannst war die Nummer mit dem Regierungspräsidium nicht gerne gesehen..........Ich weiss auch nicht.........
                                                    Auf der einen Seite bin ich zufrieden das es im Moment sehr gut läuft auch mit den Lehrern.
                                                    Auf der anderen Seite weiss ich das ich Druck bekommen werde. Aber was soll ich tun, lasse ich ihn da lernt er wie du schon sagst nicht so viel und das AMt für Rehabilitation wird mir dann auch aufs Dach steigen, wenn sie in der LB Schule eine Begleitung zahlen müssen (für die Diagnosekl. war es kein Problem wg. der Option auf Regelbeschulung) , ich hab einfach Angst das die dann kommen und sagen das er dann in die KB Schule soll...........
                                                    Es ist alles so kompliziert.

                                                    Vielen lieben Dank mal Elfriede.

                                                    LG Kristina

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