Behindertenbegleithunde

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Was ist ein Behindertenbegleithund?

Servicehunde, am bekanntesten wohl der Blindenführhund, leisten Dienste für behinderte Menschen. Zu ihnen zählt auch der Behindertenbegleithund, der darauf spezialisiert ist, Menschen mit körperlichen Behinderungen, vor allem Rollstuhlfahrern, Bewegungen und Handgriffe, die sie nicht alleine ausführen können, abzunehmen. Statt Pflegern steht der Hund dem Behinderten helfend zur Seite. Dabei wird die Ausbildung des Hundes konkret auf die Bedürfnisse des zukünftigen Besitzers abgestimmt. Nach bisher vorliegenden Studien kann so die menschliche Hilfe im Alltag um bis zu 70% reduziert werden (vgl. Allen / Blascovich 1996).

Für wen ist ein Behindertenbegleithund geeignet?

Behindertenbegleithunde werden hauptsächlich von Rollstuhlfahrern, auch im Elektro-Rollstuhl, oder von Menschen mit Gehbehinderungen genutzt. Bei Gesundheitsstörungen wie Schlaganfall, Multipler Sklerose, Öffnet internen Link im aktuellen FensterSpina bifida , zerebralen Lähmungen und Rückgratsverletzungen kann sich der Einsatz eines Behindertenbegleithundes als sinnvoll erweisen. Eine unumgängliche Voraussetzungen ist allerdings, dass man Hunde mag und sie respektiert. Nur so entsteht eine Verbindung zwischen Mensch und Hund, die eine für beide Seiten positive Zusammenarbeit ermöglicht. Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Versorgung und Pflege des Hundes in jedem Fall gewährleistet sein muss. Ein Hund braucht regelmäßig Auslauf und genügend Zuwendung, er darf nicht ausschließlich als Hilfsmittel verstanden werden, sondern als Partner.

In jedem Fall muss der Halter fähig sein die Führungsrolle im Gespann zu übernehmen, da der Hund sich sonst nicht einordnen kann und den Menschen eher ignoriert als ihm zu helfen, denn ein Hund möchte immer seinem Rudelführer gefallen. Aus diesem Grund ist es zum Teil schwer für Kinder und Menschen mit geistiger Behinderung, einen Hund als Helfer zu bekommen, da bestimmte Kommandos eintrainiert und zum richtigen Zeitpunkt gegeben werden müssen; der Mensch muss ein gewisses Maß an Führungsstärke an den Tag legen, sonst verlernt der Hund seine Kommandos.

Welche Aufgaben erfüllt ein Behindertenbegleithund?

Die Arbeit eines Behindertenbegleithundes lässt auf den ersten Blick vor allem die praktisch- technische Seite erkennen, sie hat aber zudem eine ganz wichtige subtile psychosoziale Stützfunktion. Es eröffnen sich vier Perspektiven:

  1. der Hund als Freund: Hat ein Hund seinen Menschen als Leittier akzeptiert, ist er ihm der treueste Gefährte, sucht dessen Gemeinschaft und erwartet ihn stets freudig. Und das wichtigste in unserem Zusammenhang: dem Hund ist völlig egal, ob ein Mensch behindert ist oder nicht, ob er gut aussieht oder nicht, ob er laufen kann oder nicht. Er geht auf den Menschen zu und vermittelt positive Gefühle des Angenommenseins.
  2. der Hund als Helfer: Konkrete Hilfestellungen, die der Hund leisten kann, sind folgende: Aufheben und Bringen von Gegenständen aller Art, auch kleinste Dinge wie Münzen oder Büroklammern, Öffnen und Schließen von Türen und Schubladen, Schalter (Licht/Aufzug) drücken, Rucksäcke und Körbe tragen, beim An- und Ausziehen helfen, auf Kommando bellen und den Rollstuhl ziehen. Je nach Erfordernis lernt der Hund weitere Aufgaben, die auf das Profil seines zukünftigen Halters zugeschnitten sind, denn dies ist, anders als bei blinden Menschen, bei körperlich beeinträchtigten Menschen immer unterschiedlich. Was den Hund – im Gegensatz zu Menschen – auszeichnet, ist, dass er nie ungeduldig wird und stattdessen gutmütig seine Aufgabe als willkommenes Spiel begreift; zur Bestätigung seiner Arbeit erhält er dann auch regelmäßige Belohnungen (Leckerli) und viel Lob.
  3. der Hund als Partner: Wenn Hund und Mensch gut zusammen harmonieren, wird aus ihnen ein unzertrennliches Team, oft auf Lebenszeit und rund um die Uhr. Hunde sind die einzigen Begleiter, die uns Tag und Nacht zur Verfügung stehen und in sich absolute Freundschaft und die Eigenschaften eines Arbeitspartners vereinen können. Anders als menschliche Begleiter, die Auszeiten brauchen, ist es für einen Hund die Erfüllung, in der Nähe seines Herrchens zu sein. Partnerschaft bedeutet aber, dass keine Seite auf Kosten der anderen lebt, sondern in einem stimmigen, für beide Seiten befriedigenden Miteinander. Ein Hund darf nicht überfordert werden, auch er hat ein Recht auf Ruhepausen.
  4. der Hund als Mittler: Geht man mit einem Hund spazieren, schließt man schneller Kontakte, kommt ins Gespräch. Dies ist in vielen Studien nachgewiesen worden. Diese Tatsache trifft im Besonderen auch auf behinderte Menschen zu. Für Nicht-Behinderte ist es im Umgang mit behinderten Menschen oft schwer, sich richtig zu verhalten. Sie sind unsicher. Ein Hund kann ein guter Mittler sein, der ein neutrales Gesprächsthema bietet und von der Behinderung ablenkt. Im Park ist ein behinderter Mensch dann ein Hundebesitzer unter Hundebesitzern, der Verantwortung für seinen Hund trägt.

 

Welche Hunde sind geeignet als Behindertenbegleithund?

Neben einer tadellosen Gesundheit muss ein Hund bestimmte Charaktereigenschaften aufweisen, um sich für eine Ausbildung zum Behindertenbegleithund zu qualifizieren. Er muss menschenfreundlich sein, nicht ängstlich oder aggressiv, muss spielfreudig sein und gelehrig. Sein Schutztrieb sollte möglichst schwach ausgeprägt sein. Wegen ihrer körperlichen Statur und ihrer Wesensmerkmale sind Golden und Labrador Retriever die beliebtesten Hunderassen in der Begleithundausbildung. Sie können bei richtiger Haltung und Pflege bis zu 12 Jahre als Begleithund arbeiten.

Qualitätskontrollen und Finanzierung

In Deutschland ist der Beruf des Begleithund-Trainers noch nicht anerkannt. Es gibt deshalb noch keine einheitlichen Standards oder Qualitätskontrollen bei der Ausbildung. Will man sich einen Begleithund zulegen, sollte man sich über die Erfahrungen eines Trainers, seine Kenntnisse und Trainingsmethoden genau informieren und sich Adressen von Begleithundbesitzern geben lassen, um Erkundigungen über den Erfolg einzuholen. Während gut ausgebildete Hunde eine unendliche Bereicherung darstellen können, können schlecht ausgebildete Hunde schnell zu einer Belastung oder Gefahr für den Halter werden. Nicht selten muss der Hund dann vom Trainer zurückgenommen werden. Das ist weder für den Halter noch für den Hund eine schöne Erfahrung. Deshalb ist eine genaue Abklärung vorab über mögliche Aufgaben des Hundes, seine Ausbildung und die Kosten ratsam.

Meist sind die Trainer allgemeine Hundetrainer, die sich dann spezialisiert haben auf die Ausbildung von Servicehunden. Einige haben sich in Vereinen zusammengeschlossen, die sich für die Einführung allgemein gültiger Standards einsetzen. Die Finanzierung der Ausbildung wird jeweils individuell geklärt. Im Gegensatz zu den Blindenführhunden, die meist von Krankenkassen als anerkanntes Hilfsmittel finanziert werden, werden Behindertenbegleithunde bis jetzt von keinem öffentlichen Kostenträger bezahlt. Die Ausbildung kostet ca. zwischen 7000 und 15000 Euro. Engagierte Vereine sind immer auf der Suche nach Sponsoren, so dass auch für Menschen, denen die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung stehen, die Anschaffung eines Hundes ermöglicht werden kann.

Wo erhält man Informationen?

Literatur zu Behindertenbegleithunden ist in Deutschland rar. Über die Ausbildung von Behindertenbegleithunden informiert das Buch “Prima Partner – Ausbildungswege zum Behindertenbegleithund” von Heidi Scherr und Marion Kawohl, erschienen bei Books on Demand GmbH, Norderstedt.

Weitere Informationen und Erfahrungsberichte über die Anschaffung eines Begleithundes kann man am besten im Internet auf den Seiten der folgenden Vereine und Institutionen einholen: