Ausziehen von zu Hause

Inhaltsverzeichnis:

Was ist schwer, wenn Kinder mit Behinderung ausziehen?

Was spricht für einen Auszug?

Was macht die Entscheidung in der Praxis schwierig?

Wer bietet was an?

Was ist schwer, wenn Kinder mit Behinderung ausziehen?

Ähnlich ist es bei Kindern mit Behinderung, nur mit einigen gewichtigen Unterschieden. Häufig kümmert man sich um diese zwangsläufig viel mehr, als um Kinder, die keine Behinderung haben und vielleicht schon mit 15 Jahren weitgehend eigene Wege gehen. Umso schwieriger fällt es natürlich auch loszulassen, weil man in gewisser Weise fester zusammen gewachsen ist.

Dann ist es vielleicht das Wissen, dass dieser Auszug für das Kind sowieso kein Schritt in die Selbständigkeit sein kann, weil es sich nicht alleine versorgen kann. Das ist bei vielen Kindern mit Behinderung Realität. Aber dennoch kann das Ausziehen ein Schritt in “ein eigenes Leben” unabhängig von den Eltern sein, auch wenn dafür Hilfen notwendig sind. Dieser Schritt ist in vielerlei Hinsicht für alle Heranwachsenden wichtig, egal ob sie körperlich oder geistig in der Lage sind, sich selbständig zu versorgen. Einfach das Gefühl, jetzt auch “erwachsen” zu sein und “etwas Eigenes” zu haben, ist eine wertvolle Erfahrung, die dazu gehört und zum Teil auch Grundlage für weitere Entwicklungsschritte ist, die man vielleicht gar nicht für möglich gehalten hätte.

Entscheidend ist oft die brennende Frage, ob es dem Kind dort dann auch geht, weil man doch selbst nach vielen Jahren am besten weiß, was ihm gut tut. Doch auch für Kinder mit Behinderung ist es wichtig zu lernen, Kompromisse einzugehen und sich in eine Gruppe einzuordnen, wo man selbst nicht immer an erster Stelle steht, wie es in der Familie häufiger ist. Auch insofern bedeutet Ausziehen eine Entwicklung.

So wie man zu anderen Kindern, die von zu Hause ausziehen, noch mehr oder weniger intensiven Kontakt hält, so kann man das mit Kindern mit Behinderung genauso. Gemeinsame Unternehmungen, Einladungen zum Abendessen, Telefonate und all das lässt die Verbindung zu Ihrem Kind bestehen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten weiterhin ein Miteinander zu gestalten, nur eben in einem geringeren Umfang.

Was spricht für einen Auszug?

Natürlich gibt es auch Kinder, die nie von zu Hause ausziehen und das ist und bleibt natürlich die Entscheidung eines jeden Einzelnen. Und wenn alle damit zufrieden sind, ist das natürlich eine Alternative. Einige Dinge sprechen jedoch dafür, dass man nach passenden Möglichkeiten sucht

Man kann ein Kind nicht ewig pflegen

Denken Sie auch an die Zukunft und daran, was passiert, wenn Sie einmal “nicht mehr so können” und Ihnen die Pflege körperlich zu anstrengend wird. Wenn Ihr Kind dann vielleicht selbst schon 50 Jahre alt ist und Sie es zu Hause nicht mehr pflegen können, dann wird es in diesem hohen Alter auch für Ihr Kind sehr schwierig, sich noch einmal auf eine andere Wohnform als im Kreise der Familie einzustellen.

Sie haben ein Recht auf Freizeit

Auch Sie haben ein Recht darauf, ein wenig mehr Freizeit und Erholung zu bekommen, gerade wenn das für Sie vielleicht im Laufe der Jahre zu einem Fremdwort geworden ist, weil Sie mit einem behinderten Kind einigen zusätzlichen Anstrengungen ausgesetzt waren. Natürlich haben Sie diese für Ihr Kind gerne auf sich genommen, aber auch Sie sind nicht unbegrenzt belastbar. Zwar können Öffnet internen Link im aktuellen FensterOffene Hilfen punktuell entlasten, doch das sind einfach nur kurze Verschnaufpausen.

Die entstehende Leere kann gefüllt werden

Wenn erwachsene Kinder von zu Hause ausziehen, eröffnet sich für die Eltern häufig erst einmal eine Leere, die gefüllt werden will. Doch in diesem entstehenden Freiraum eröffnet sich auch wieder viel Platz für die Partnerschaft, die vielleicht lange zurückstecken musste, für die anderen Kinder und vielleicht Enkelkinder, um die man sich kümmern möchte, oder für Reisen, für die man jetzt Zeit hat, und und und …

Wohnen ist nicht mehr Verwahren

Moderne Wohnangebote, welche die notwendige Betreuung individuell abgestuft Öffnet internen Link im aktuellen Fensterauf verschiedene Arten anbieten können, haben meist nichts mehr mit früheren Verwahranstalten gemeinsam. Heute finden sich vielerorts Orte zum Leben, in denen sich Menschen mit Behinderung sehr wohl fühlen und an sich und anderen ganz neue Seiten entdecken können.

Die Finanzierung ist in vielen Fällen weitgehend gesichert

Die Finanzierung wird je nach Wohnart (lesen Sie dazu auf unseren Seiten zur Öffnet internen Link im aktuellen Fenstervollstationären Unterbringung und Öffnet internen Link im aktuellen FensterWohnform von unterschiedlichen Stellen der öffentlichen Hand übernommen. Dennoch erhalten Sie unter Umständen weiterhin das Öffnet internen Link im aktuellen Fenster Kindergeld, um Ihr Kind davon entsprechend unterstützen zu können und können Öffnet internen Link im aktuellen FensterAufwendungen steuerlich geltend machen.

Was macht die Entscheidung in der Praxis schwierig?

Im Moment entwickelt sich einiges in diesem Bereich, was die Entscheidung gerade für die richtige Wohnform vielen Eltern wesentlich erschwert und eine klare Empfehlung für die eine oder die andere Lösung schwierig macht. Es gibt viele Wege, die beschritten werden können und für jedes Kind ist ein anderer der Richtige.

Veränderte Konzeptionen

Früher gab es für viele Menschen mit Behinderung nicht viele Wahlmöglichkeiten. In vielen Fällen hieß es “Wohnheim oder zu Hause”. Heute verändern die Trägervereine wie Lebenshilfe, Caritas und Diakonie zunehmend ihre Konzeptionen. Man gestaltet Wohnheime anders, man richtet Wohngruppen in Wohnhäusern ein, man sorgt für Unterstützungssysteme, die ein Wohnen allein ermöglichen sollen und bietet Wohntraining an. Das alles ist noch nicht flächendeckend vorhanden und jeder Verein hat eine gewisse Linie. So verändern sich die Angebote sehr schnell, so dass Eltern häufig Schwierigkeiten haben abzuwägen, welches für ihr Kind das Richtige ist.

Veränderte finanzielle Rahmenbedingungen und Persönliches Budget

Früher war ebenso klar: Wenn jemand im Wohnheim wohnt, zahlt das der Kostenträger in der überwiegenden Anzahl der Fälle. Eltern müssen allenfalls eine geringe Zuzahlung leisten. Bei all den neuen Konzeptionen sind finanzielle Entscheidungen zum Teil individuell und regional verschieden.

Zusätzlich gibt es das Öffnet internen Link im aktuellen FensterPersönliche Budget. Das ist ein pauschaler Geldbetrag, den Menschen mit Behinderung abhängig von ihrem individuellen Hilfebedarf erhalten. Mit diesem können sie eigenverantwortlich Unterstützungsleistungen “einkaufen”, die sie für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben benötigen. So kann man über den Einsatz des Geldes selbst entscheiden.

Diese Vielfalt an Finanzierungsformen erschwert die auswahl, aber trotzdem gilt, dass die Finanzierung in vielen Fällen gesichert ist.

Wer bietet was an?

Um überhaupt eine Wahl zu haben, über die man nachdenken kann, ist das Angebot vor Ort ein entscheidendes Kriterium. Wo können Sie näheres über darüber erfahren?

  • Fragen Sie direkt bei den Trägervereinen der Behindertenhilfe in Ihrer Umgebung an, welche Angebote dort gemacht werden. Das sind zum Beispiel Lebenshilfe, Caritas, Diakonie oder Mitgliedsvereine des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.
  • Fragen Sie die Fachkräfte in den Einrichtungen, zu denen Ihr Kind bereits Kontakt hat. Diese sind meist sehr gut über die Möglichkeiten in der Region informiert.
  • Fragen Sie bei Ihrem örtlichen Behindertenbeauftragten, ob es eine Übersicht über Wohnangebote für behinderte Menschen gibt.