(Die Angaben in diesem Artikel und den nachfolgenden Seiten zur Pflegeversicherung beziehen sich auf die Zeit vor dem 1.1.2017 und gelten hauptsächlich für diejenigen, die vor dem 1.1.2017 schon eine Pflegestufe hatten. Die Leistungen und Beträge ab 1.1.2017  (Pflegestärkungsgesetz II) werden auf unseren Seiten derzeit eingepflegt und stehen in Kürze zur Verfügung).

Auf welche Pflegestufe hat mein Kind Anspruch? (bis 31.12.2016)

Inhaltsverzeichnis:

zum Hauptartikel Öffnet internen Link im aktuellen FensterLeistungen der Pflegeversicherung

Auf welche Pflegestufe hat mein Kind Anspruch?

Auf welche Pflegestufe hat mein Kind Anspruch?

Es gibt drei Stufen der Pflegebedürftigkeit. Welche Pflegestufe zutrifft ist bei Kindern davon abhängig, wieviel zusätzliche Hilfe Ihr Kind im Vergleich zu einem gesunden gleichaltrigen Kind benötigt. Diese setzt sich zusammen aus

  • Grundpflege (Körperpflege, Ernährung und Mobilität) und
  • hauswirtschaftlicher Versorgung.

Der Mehraufwand für die erforderlichen Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung muss nach Öffnet externen Link in neuem Fenster§ 15 Abs. 3 SGB XI wöchentlich im Tagesdurchschnitt:

  • in der Pflegestufe I mindestens 90 Minuten betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen. Zusätzlich muss bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich Hilfe nötig sein und der Betreffende zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.
  • in der Pflegestufe II mindestens drei Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen. Zusätzlich muss bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten Hilfe nötig sein und der Betreffende zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.
  • in der Pflegestufe III mindestens fünf Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen. Zusätzlich muss bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch nachts (!), Hilfe nötig sein und der Betreffende zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen.

Einstufung Grundpflege

Bei der Berechnung des Mehraufwandes pro Tag, wird der Hilfebedarf von gesunden und altersentsprechenden Kindern in Abzug gebracht. Das heißt. Man rechnet zusammen, wieviel Zeit man für die Körperpflege des Kindes pro Tag benötigt, zieht den Zeitbetrag für ein gleichaltriges gesundes Kind (siehe Tabelle) ab und bekommt so den Mehraufwand. Die Zeiten für gleichaltrige, gesunde Kinder werden einheitlich festgelegt und sind in den Öffnet externen Link in neuem FensterRichtlinien der Spitzenverbände der Pflegekassen zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches(PDF-Dokument) verzeichnet. Bis August 2006 galten hierbei wesentlich höhere Werte, die nun nach unten korrigiert wurden. Das heißt für Eltern behinderter Kinder, dass sie nun leichter eine bestimmte Pflegestufe erreichen als vorher. In Einzelfällen kann es sogar möglich sein, dass man für die zurückliegende Zeit, in der von einer falschen Grundlage (nämlich höheren Zeiten als Vergleichswert) ausgegangen wurde, im Rahmen ein Neufeststellung nach Öffnet externen Link in neuem Fenster§ 44 SGB X Leistungen für die zurückliegenden Jahre erhalten kann.

Auf jeden Fall sollten aber

  • Eltern, die bisher nicht über die Grenze gelangt sind, eine neuen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellen und
  • Eltern, deren Kind bereits in Pflegestufe 1 oder 2 eingestuft ist, die Höherstufung beantragen.

Online-Berechnung

Um Eltern die Berechnung der Pflegestufe zu erleichtern, hat Herr Nils Neumann einen Online-Rechner erstellt. Der Rechner ermittelt automatisch die jeweilige Pflegestufe nach den Zeiten, die Sie dem Rechner vorgeben.

Der funktionsfähige Rechner ist direkt bei Herrn Neumann kostenlos beziehbar.
Bitte beachten Sie die Öffnet internen Link im aktuellen FensterHinweise von Herrn Neumann in unserem Forum.

Ein Musterberechnung ist Öffnet externen Link in neuem Fensterhier einzusehen: Öffnet externen Link in neuem Fenster Öffnet externen Link in neuem Fensterdocs.google.com/spreadsheet/ccc

(Wir danken Herrn Neumann für seine Unterstützung. Eine Gewähr für die Richtigkeit übernimmt INTAKT.info nicht).

Die aktuellen Vergleichs-Zeiten für die Grundpflege seit September 2006 sind:

Alter von 0-24 Monate

Alter in Monate 0-6 6- 12 12- 18 18- 24
Körperpflege (wickeln, waschen, Nägel schneiden, Zähne putzen, auf den Topf setzen, baden…) 61 Min 62 Min 66 Min 71 Min
Ernährung (mundgerecht zubereiten, aufnehmen) 145 Min 125 Min 108 Min 88 Min
Mobilität (an- und ausziehen, Aufstehen/ zu Bett bringen, gehen, stehen und vor allem regelmäßige Arztbesuche, Therapiebesuche oder z.B. Frühförderung) 32 Min 38 Min 44 Min 49 Min
(in Klammern: Zeiten für Treppensteigen, wenn gegeben) (4 Min) (4 Min) (4 Min) (8 Min)

Alter von 2 – 6 Jahre

Alter in Jahren 2-3 3-4 4-5 5-6
Körperpflege (wickeln, waschen, Nägel schneiden, Zähne putzen, auf den Topf setzen, baden…) 81 Min 76 Min 47 Min 32 Min
Ernährung (mundgerecht zubereiten, aufnehmen 48 Min 28 Min 21 Min 10 Min
Mobilität (an- und ausziehen, Aufstehen/ zu Bett bringen, gehen, stehen und vor allem regelmäßige Arztbesuche, Therapiebesuche oder z.B. Frühförderung 40 Min 34 Min 20 Min 10 Min
(in Klammern: Zeiten für Treppensteigen, wenn gegeben) (6 Min) (4 Min)    

Alter von 6 – 10 Jahre

Alter in Jahren 6-7 7-8 8-9 9-10 ab 10
Körperpflege (wickeln, waschen, Nägel schneiden, Zähne putzen, auf den Topf setzen, baden…) 22 Min 11 Min 4 Min 2 Min 0 Min
Ernährung (mundgerecht zubereiten, aufnehmen 3 Min 2 Min 2 Min 0 Min 0 Min
Mobilität (an- und ausziehen, Aufstehen/ zu Bett bringen, gehen, stehen und vor allem regelmäßige Arztbesuche, Therapiebesuche oder z.B. Frühförderung 10 Min 8 Min 4 Min 4 Min 0 Min

 

Die Bereiche Körperpflege, Ernährung und Mobität sind noch genauer unterteilt. Die exakte Liste, sowie Erläuterungen, was genau zu den einzelnen Bereichen gehört, entnehmen Sie am besten den Öffnet externen Link in neuem FensterBegutachtungsrichtlinien. Die Tabelle mit den Vergleichszeiten finden Sie auf den Seiten 58 und 59, die Erläuterungen der Bereiche (was gehört zu “Körperpflege”?) ab Seite 65.

Wichtig : Das Bundessozialgericht hat am 17.05.2000 unter dem Az.: B 3 P 20/99 R entschieden, dass eine “Rund-um-die-Uhr-Pflege” (und somit Schwerstpflegebedürftigkeit -> Pflegestufe III) vorliegt, wenn täglich mindestens dreimal zu verschiedenen Tageszeiten (6 bis 22 Uhr) und mindestens einmal nachts (22 bis 6 Uhr) Hilfe zu leisten ist. Als Hilfe, die nachts zu leisten ist, gilt auch das Umlagern eines bettlägerigen Pflegebedürftigen.

Einstufung hauswirtschaftliche Versorgung

Beim Bedarf in der hauswirtschaftlichen Versorgung gelten folgende Regelungen:

Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr

Wenn ein hauswirtschaftlicher Mehrbedarf im Vergleich zu gleichaltrigen gesunden Kindern nachgewiesen werden kann (also z.B. mehr Aufwand beim Kochen, Spülen, Wechseln oder Waschen der Wäsche, ...), dann genügt für die Einstufung in die jeweilige Pflegestufe, wenn die Mindestzeit der Grundpflege erreicht ist.

Ein Beispiel: Bei ihrem Kind fällt ein Mehrbedarf in der Grundpflege von 55 Minuten täglich an. Damit haben Sie die Mindestzeit von 45 Minuten der Pflegestufe 1 erreicht, Sie müssen jedoch insgesamt einen Mehrbedarf von 90 Minuten nachweisen. Wenn Sie nun plausibel machen können, dass Sie im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung, z.B. durch die Zubereitung von besonderer Nahrung und das notwendige tägliche Wechseln der Wäsche einen Mehrbedarf von 15 Minuten bei der hauswirtschaftlichen Versorgung nachweisen können, dann wird Ihnen die Pflegestufe zuerkannt, obwohl Sie insgesamt nur auf 70 Minuten kommen. In diesem Fall wird also der Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung “aufgefüllt”.

Kinder ab dem 8. Lebensjahr

In diesem Alter ist grundsätzlich ein Einzelnachweis über ein Pflegetagebuch erforderlich. Zwar kann der Gutachter auch pauschal wie bei jüngeren Kindern von einem Mehrbedarf in Höhe von 45 Minuten (Stufe 1) bzw. 60 Minuten (Stufe 2 und 3) ausgehen, wenn eine zeitliche Aufstellung aus bestimmten Gründen nicht möglich ist, doch inwiefern das angewendet wird, lässt sich bei dieser neuen Regelung (ab September 2006) noch schlecht sagen.

Download: Pflegetagebuch
Leitet Herunterladen der Datei einPflegetagebuch.pdf - 8.24 KBytes

Hinweis: Zum Öffnen dieser Datei benötigen Sie den Öffnet externen Link in neuem FensterAdobe® Reader

Antragstellung

Leistungen aus der Pflegeversicherung müssen bei der jeweiligen Krankenkasse des Kindes beantragt werden. Sie sollten dies in jedem Fall auch bei kleinen Kindern bereits versuchen.

Die Pflegekassen haben durch den Öffnet internen Link im aktuellen FensterMedizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüfen zu lassen, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind und welche Stufe der Pflegebedürftigkeit vorliegt. Der MDK kommt zur Begutachtung nach Hause. Auf Basis dieses Gutachtens legt die Pflegekasse die Pflegestufe und die Stunden des Mehraufwands pro Woche fest, nach dem sich dann die Höhe des Pflegegeldes und die Höhe der Renteneinzahlung richtet.

Eltern müssen sich auf diese Begutachtung gut vorbereiten und zum Nachweis möglichst täglich ein Pflegetagebuch führen (Muster erhalten Sie hier direkt zum Download)!

Download: Titelblatt des Pflegetagebuch
Leitet Herunterladen der Datei einPflegetagebuch-Titelblatt.pdf - 2.81 KBytes

Download: Pflegetagebuch
Leitet Herunterladen der Datei einPflegetagebuch.pdf - 8.24 KBytes

Hinweis: Zum Öffnen dieser Dateien benötigen Sie den Öffnet externen Link in neuem FensterAdobe® Reader

Alle Eltern haben das Recht das Sozialmedizinische Gutachten einzusehen bzw. von der Krankenkasse anzufordern. In unserem Öffnet externen Link im aktuellen FensterForum Pflegeversicherung und Sozialrecht berichten Eltern immer wieder von Entscheidungen, die ihrer Meinung nach nicht sachlogisch gerechtfertigt sind. Sie sollten sich nicht scheuen, im Falle eines Ablehnungsbescheides im Forum bei erfahrenen Eltern nachzufragen und bei der Pflegekasse Widerspruch einzulegen. Wo Sie Rechtsbeistand erhalten, erfahren Sie auf unserer Seite zu Öffnet internen Link im aktuellen FensterRechtsbeistand und Rechtsberatung .

Sollte es zu einer Gerichtsverhandlung kommen und Sie einen Gutachter benötigen, so finden Sie eine Liste mit Pflegegutachtern auf Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.anhaltspunkte.de .

 

Anlaufstellen in unserer Adressdatenbank

Wir haben für Sie in einer Adressdatenbank für Bayern Adressen wichtige Adressen, die Ihnen weiterhelfen können, zusammengetragen.

Hier finden Sie Anlaufstellenin unserer Adressdatenbank