Ankündigung

Einklappen
Keine Ankündigung bisher.

Inklusion (?)

Einklappen
X
  • Filter
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

    Inklusion (?)

    heute erschien in der mainpost ein Leserbrief, den ich nun zitieren möchte:

    So kann Inklusion nicht gelingen
    So kann Inklusion nicht gelingen Zum Artikel Experten fordern mehr Engagement für Behinderte (19.3.): Das Hauptproblem sind die Sondereinrichtungen. Solange diese existieren, wird die angestrebte Inklusion nicht gelingen. Da diese weiterhin unterhalten werden, haben sowohl die Eltern als auch Kindergärten und Schulen die bequeme Möglichkeit, dieses Angebot gerne anzunehmen. Ohne Existenz dieser letztlich als Abschiebe-Einrichtungen einzustufenden Unterbringungsmöglichkeiten wären ...
    Der link dazu ist:
    http://www.mainpost.de/archiv/#/Suche=1/
    (den Gesamtartikel bekomme ich nicht angezeigt, den müsste ich abschreiben, falls es jemand interessiert)

    http://www.mainpost.de/regional/baye...t16683,8036757

    lg Micha

    #2
    AW: Inklusion (?)

    Hallo Micha,

    danke für die Info! Ich kann diesen Artikel seltsamerweise komplett lesen

    Derzeit gibt es von den Politikern, den Sozialbehörden, den Wohlfahrtsverbänden, den Einrichtungsträgern wunderbare Sonntagsreden zur Inklusion, zur UN-Konvention und auch zur Auflösung von Sondereinrichtungen. Es gibt von dieser Seite auch gegenseitiges Schulterklopfen, und die immer wiederkehrende Bestätigung, dass doch alles bestens läuft und optimal geregelt ist.
    Dann gibt es die Seite der "Inklusions-Eltern", die sehr lautstark Forderungen für das Wohl(?) ihrer Kinder stellen und die angestrebten Bedingungen "wohlmeinend" auf alle anderen übertragen wollen.

    Ich kann diese Manipulation wirklich nicht mehr ertragen, mit der suggeriert wird, mit der schnellen und kompletten Abschaffung der "Abschiebe-Einrichtungen" käme die Inklusion besser voran.
    Denn gleichzeitig wird der Begriff "Inklusion" immer häufiger instrumentalisiert, um bereits umgesetzte und angestrebte Sparmaßnahmen schönzureden – Sparmaßnahmen, die mit steigender Tendenz eine Aufteilung der behinderten Menschen in die „Brauchbaren“ und die „Unbrauchbaren“ bewirken.

    Nein, ich will garantiert nicht die separierende Massenhaltung von behinderten Menschen in nach Art und Schwere der Behinderung eingeteilten Ghettos verteidigen! Aber mir fehlt hier – wie das so oft der Fall ist – die Alternative für Menschen mit schwersten Behinderungen. Eine Unterstützung für Menschen, die nicht für sich selbst sprechen können und ihre Rechte nicht selbst einfordern können. Wer kümmert sich dann um diese Menschen?

    Viele Grüße von Zippe

    * * * * *


    Wer glaubt, dass das Sozialamt sozial ist,
    glaubt auch, dass das Ordnungsamt ihm die Küche aufräumt.

    Kommentar


      #3
      AW: Inklusion (?)

      Seltsam, ich sehe nur eine leere Seite.

      @Zippe - eine gute Frage. Aber weißt du, es gibt da feste Regeln, wie viel die Kosten dürfen. Und da ist nun mal nix zu machen. Und wenn man mal ehrlich ist, ich frage mich allmählich, wo die Eltern und Lebenshilfen und was weiß ich für christliche Verbände sind und den Mund aufmachen? Es geht doch allmählich jedem scheinbar der Mut und die Lust aus, was dagegen, oder auch dafür zu tun. Die paar einzelnen Kämpfer werden auch noch klein gemacht. Das Schlimme daran.......von ihren eigenen Verbänden. Früher war alles anders. Da wurden keine Kosten immer nur gegen gerechnet und trotzdem hat es geklappt. Heute müssen soviele Kostenstellen vorhanden sein und jeder Radiergummi und jeder Heftklammer hat ihre eigene davon. Die geringsten Kosten fallen am Ende auf unsere Betroffenen. Weil für sie gar keine Zeit mehr übrig bleibt.

      Dokumentationen, Krankheit, Sozialversicherung, Freistellungen, Fortbildungskosten, Arbeitsmittel, Versicherungen, Verwaltung, usw. alles muss bezahlt werden. Und diesen riesen Apparat können die Deutschen so perfekt bis ins kleinste Detail ausgestalten. Und wenn dann doch noch eine kleine Hintertür aufgeht, kommt der nächste Beamte mit erhobenen Zeigefinger und droht. Ist doch alles zermürbend.

      Ich warte auf den ersten verzweifelten Elternteil der in Unterfranken sein Kind umbringt, damit er es gut versorgt weiß. Es wird nicht mehr lange dauern. Ich wünsche es keinem und ich hoffe immer noch auf vertretbare Lösungsvorschläge für alle Menschen in der Inklusion.
      Du selbst zu sein in einer Welt, die dich ständig anders haben will, ist die größte Errungenschaft.
      Ralph Waldo Emerson

      Kommentar


        #4
        AW: Inklusion (?)

        Hallo,

        ist schon richtig, einerseits gibt es die Eltern, die durch die Inklusion meinen ihrem Kind etwas Gutes zu tun. Bisher sind sie mir nur im schulischen Bereich begegnet. Danach kommen dann die Zuweisungen zu den Einrichtungen.

        Ich sehe gerade, dass es in dem Leserbrief um die "komplette Auflösung von Sondereinrichtungen" geht. Das hatte ich in meiner Euphorie überlesen. Es ging dann auch um die "Menschenwürde" die ein behinderter Mensch wohl nicht hat.

        Ich merke es an mir, dass ich oft an meine Grenzen stoße, wenn ich meine behinderte Tochter dabei habe. Trotzdem mache ich so weiter. Ich habe aber kaum Kraft übrig noch mehr zu tun. Denn die Unterstützung, die ich bisher erhielt, machte alles noch schlimmer.

        Oft kann ich das Wort "Inklusion" gar nicht mehr hören. Es betreibt irgendwie eine Zwei-Klassen-Gesellschaft voran. Früher waren alte, junge, fitte, schwerer behinderte Menschen in einer Wohngruppe zusammengefasst. Heute gibt es nur noch die alten und kranken und die fitten, jungen und arbeitsfähigen. Wohin soll das noch führen????

        lg Micha

        Kommentar


          #5
          AW: Inklusion (?)

          Hallo Micha,
          Zitat von miau Beitrag anzeigen
          Ich merke es an mir, dass ich oft an meine Grenzen stoße, wenn ich meine behinderte Tochter dabei habe. Trotzdem mache ich so weiter. Ich habe aber kaum Kraft übrig noch mehr zu tun.
          mir geht es ähnlich. Wir sind für so viel zuständig, dass ein "Zusammenklappen" eigentlich nur eine Frage der Zeit ist


          Denn die Unterstützung, die ich bisher erhielt, machte alles noch schlimmer.
          dann war es keine echte Unterstützung, sondern vermutlich die Besserwisserei einiger ignoranter Fachleute, die Dir alles aus der Hand genommen haben, weil sie der Meinung waren, alles besser als Du zu wissen und zu machen. Bei Menschen, die nicht für sich selbst sprechen können, kann Unterstützung durch Fachleute nur bei einer guten Zusammenarbeit mit den Angehörigen funktionieren.


          Oft kann ich das Wort "Inklusion" gar nicht mehr hören. Es betreibt irgendwie eine Zwei-Klassen-Gesellschaft voran. Früher waren alte, junge, fitte, schwerer behinderte Menschen in einer Wohngruppe zusammengefasst. Heute gibt es nur noch die alten und kranken und die fitten, jungen und arbeitsfähigen. Wohin soll das noch führen????
          Ja, es ist schon sehr aussagekräftig, dass unseren Töchtern und Söhnen spätestens nach Abschluss aller Bildungsmaßnahmen (egal ob ex- oder inklusiv) die weitere Teilhabe am Leben erschwert oder unmöglich gemacht wird.
          Nach wie vor werden die gesamten Lebensbedingungen unserer erwachsenen Kinder ausschließlich an der fehlenden wirtschaftlichen Verwertbarkeit ihrer Fähigkeiten festgemacht, und es sollen jetzt und anscheinend auch in Zukunft andere, restriktivere Gesetze für sie gelten.
          Im Moment geht die Diskussion um die Inklusion in allen Bereichen weit an den Menschen vorbei, die durch die Art und Schwere ihrer Behinderung nicht für sich selbst sprechen können.

          Viele Grüße von Zippe

          * * * * *


          Wer glaubt, dass das Sozialamt sozial ist,
          glaubt auch, dass das Ordnungsamt ihm die Küche aufräumt.

          Kommentar


            #6
            AW: Inklusion (?)

            Hallo zippe,

            überall werden die Betroffenen selbst befragt. Ist dies bei den behinderten Menschen auch schon mal erfolgt? Es gibt ja auch Volljährige unter ihnen.

            fragt sich Micha

            Kommentar


              #7
              AW: Inklusion (?)

              Hallo,

              Zitat von Till Beitrag anzeigen
              ..
              Ich warte auf den ersten verzweifelten Elternteil der in Unterfranken sein Kind umbringt, damit er es gut versorgt weiß. Es wird nicht mehr lange dauern. ....
              vielleicht nicht nur in Unterfranken.
              Grüße
              Zuletzt geändert von lexa; 30.03.2014, 09:00.

              Kommentar


                #8
                AW: Inklusion (?)

                Hallo Micha,

                Zitat von miau Beitrag anzeigen
                überall werden die Betroffenen selbst befragt. Ist dies bei den behinderten Menschen auch schon mal erfolgt? Es gibt ja auch Volljährige unter ihnen.
                die "fitten" unter den behinderten Menschen werden inzwischen schon öfters einbezogen. Auch in der neuen Lebenshilfe-Zeitung wird betont, dass die "Selbstvertreter" gestärkt werden sollen. Aber wie soll ein Mensch mit einer geistigen Behinderung die Bedürfnisse und Interessen meiner Tochter kennen und sich für sie einsetzen?

                Und auf der anderen Seite wird in den Stellenanzeigen der LH-Zeitung ein "Allein-Vorstand" gesucht (eigenverantwortliche Leitung und Strategieentwicklung des Vereins)! Ich dachte immer, die Lebenshilfe wäre ein Selbsthilfeverband der Eltern??

                So unterschiedliche Tendenzen, aber Menschen mit sehr hohem Hilfe- und Betreuungsbedarf finden kaum oder keine Erwähnung. Sie fallen wirklich aus allen Systemen

                Viele Grüße von Zippe

                * * * * *


                Wer glaubt, dass das Sozialamt sozial ist,
                glaubt auch, dass das Ordnungsamt ihm die Küche aufräumt.

                Kommentar


                  #9
                  AW: Inklusion (?)

                  Beinhaltet das Thema Inklusion eigentlich nur den schulischen Bereich? Wie sieht es denn im Freizeit- und Wohnbereich aus? Wer sondert sich von Menschen mit schwerer Behinderung eigentlich alles ab?

                  Findet das Sortieren nicht schon unter den Betroffenen selbst statt?

                  was meint Ihr dazu?
                  Viele Grüße
                  Kirsten
                  Forumadministrator - Team-Intakt



                  Wir freuen uns über Leute, die bei INTAKT mitmachen möchten. Schreib mir und erfahre mehr.

                  Kommentar


                    #10
                    AW: Inklusion (?)

                    Hallo zuammen,

                    Kirsten, wenn man den öffentlichen Diskussionen zur Inklusion zuhört, besteht diese ausschließlich aus Bildung (Schule) und Arbeit (aber nur die "echte" Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt).

                    Auch in Bezug auf das geplante Teilhabegesetz sind die bisherigen Äußerungen von Seiten der so genannten Selbstvertreter bei mir größtenteils als beschwichtigende Worthülsen angekommen. Ich warte nach wie vor auf eine deutliche öffentliche Stellungnahme - leider vergeblich. Unsere schwerstbehinderten erwachsenen Töchter und Söhne kommen weder in den Gedanken und Plänen der Entscheidungsträger (Politik, Wohlfahrtsverbände, Selbstvertreter etc) vor - und schon gar nicht in den Schriftsätzen zum geplanten Teilhabegesetz.
                    Mit welchem Recht werden meiner Tochter eigentlich Leistungen verweigert, die leistungsfähige Menschen mit Behinderung für sich selbst als völlig selbstverständlich ansehen? Ich befürchte, dass die Gefahr der Exklusion in dieser Pseudo-Inklusion mit der Umsetzung des Teilhabegesetzes rapide ansteigen wird.
                    Zusätzlich wird die Zwei-Klassen-Gesellschaft unter behinderten Menschen noch durch die massive (unbewusste?) Abgrenzung gegenüber Menschen mit geistigen Behinderungen unterstützt. Ein deutliches Beispiel ist die Aussage des bei "Wetten dass" verunglückten jungen Mannes: „Es gibt Leute, die von einer körperlichen Behinderung ganz schnell auf eine geistige Behinderung schließen.“ Die Kommentare zu dem Bericht finde ich größtenteils sehr passend!

                    Viele Grüße von Zippe

                    * * * * *


                    Wer glaubt, dass das Sozialamt sozial ist,
                    glaubt auch, dass das Ordnungsamt ihm die Küche aufräumt.

                    Kommentar


                      #11
                      AW: Inklusion (?)

                      Hallo an alle,

                      ich finde den von "Inge" am 3.7.2014 verlinkten Beitrag dazu sehr gut-

                      Vorfahrt für Partikularinteressen-

                      http://www.intakt.info/forum/showthr...9039#post59039

                      Komischerweise kann ich den Beitrag hier im Forum nicht öffnen aber man findet ihn auch im Internet.

                      Liebe Grüße
                      Monika

                      Kommentar


                        #12
                        AW: Inklusion (?)

                        Hallo Monika,

                        die Anhänge hier im Forum kann man nur öffnen, wenn man angemeldet ist. Vielleicht lag es bei Dir daran??

                        Einen sehr guten Kommentar von Gisela Maubach zum gleichen Thema gibt es heute bei kobinet
                        Diesen absolut treffenden Aussagen kann ich mich nur anschließen.

                        Sie ist anders als die Andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei
                        Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei

                        "Sommerkind" von Wortfront

                        Kommentar


                          #13
                          AW: Inklusion (?)

                          Hallo Inge,

                          auch wenn ich angemeldet bin kann ich Deinen Anhang nicht öffnen.

                          Kommentare von Gisela Maubach liest man ja oft bei Kobinet und sie sind immer sehr gut.

                          So engagierte Menschen wie sie und natürlich auch Dich müsste es öfters geben...

                          Liebe Grüße
                          Monika

                          Kommentar


                            #14
                            AW: Inklusion (?)

                            Hallo Monika,

                            danke für deinen Hinweis.
                            Da hat sich unbemerkt ein Fehler eingeschlichen, der nach derzeitiger Erkenntnis nur den firefox Browser betrifft.
                            Mit dem Internet-Explorer und dem Chrome-Browser treten bei mir die Probleme nicht auf.
                            Wir sind dabei das Problem mit dem firefox zu beheben.
                            Sollte es auch mit dem Internet-Explorer oder Chrome zu Problemen kommen, bitte ich um eine Nachricht z.B. an kontakt@intakt.info
                            Bitte gebt damit auch die Internetseite (URL aus der Adresszeile des Browsers) an, auf die sich euer Hinweis bezieht.

                            Danke fürs Verständnis!
                            Ich teile hier auch wieder mit, wenn es behoben ist.

                            Viele Grüße
                            Volker
                            Volker
                            Ehemaliger Forumadministrator , INTAKT-Referent

                            Kennst du schon die gesetzlichen Leistungen der Pflegeversicherung? Hier findest du einen Überblick und Infos: Leistungen der Pflegeversicherung

                            Wir freuen uns über Leute, die bei INTAKT mitmachen möchten. Schreib mir und erfahre mehr.

                            Kommentar


                              #15
                              AW: Inklusion (?)

                              Hallo zusammen,

                              Zitat von miau Beitrag anzeigen
                              überall werden die Betroffenen selbst befragt. Ist dies bei den behinderten Menschen auch schon mal erfolgt?
                              Aus einem Newsletter:

                              nicht über uns ohne uns – Dieser Grundsatz im Umgang mit behinderten Menschen wurde offenkundig von einem Gremium verletzt, von dem man dies am wenigsten vermuten sollte: Vom UN-Komitee, das die Fortschritte in der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention bewertet. Bei seiner Beurteilung der Situation in Deutschland vom März dieses Jahres fordert es die "schrittweise Abschaffung der Werkstätten für behinderte Menschen durch sofort durchsetzbare Ausstiegsstrategien und Zeitpläne sowie durch Anreize für die Beschäftigung bei öffentlichen und privaten Arbeitgebern im allgemeinen Arbeitsmarkt". [...]
                              Eine schrittweise Abschaffung der Werkstätten? Das wäre ein gravierender Eingriff in das Leben derjenigen, die in einer WfbM arbeiten, und das sind in Deutschland immerhin 300.000 Menschen. Eine solche Forderung kann ein offiziell eingesetztes UN-Prüfungsgremium doch nur nach ausführlicher Untersuchung der nationalen Besonderheiten und nach gründlicher Rücksprache mit den Betroffenen formulieren, oder etwa nicht? [...]
                              Dabei stellte sich heraus, dass Mrs. Kingston keine deutsche Werkstatt aus eigener Anschauung kennt, für ihren Bericht keine Einrichtungen in Deutschland besuchte und nicht mit Werkstattbeschäftigten über die Schließungsempfehlung gesprochen hat. [...]
                              Das komplette Interview: 53GradNord

                              Sie ist anders als die Andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei
                              Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei

                              "Sommerkind" von Wortfront

                              Kommentar


                                #16
                                AW: Inklusion (?)

                                Hallo zusammen,

                                hier heute ein Bericht bei Kobinet:
                                -------------------------------------------------------------------------------------
                                Schrittweiser Abbau von Werkstätten empfohlen
                                Veröffentlicht am Donnerstag, 10. Dezember 2015 von Ottmar Miles-Paul

                                ..."Die unter b formulierte eindeutige Empfehlung für eine "schrittweise Abschaffung der Werkstätten für behinderte Menschen durch sofort durchsetzbare Ausstiegsstrategien und Zeitpläne" des Fachausschusses der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wird in Baden-Württemberg so interpretiert, dass Investitionen in Erweiterungen und die Modernisierung von Werkstätten für behinderte Menschen weiter kräftig gefördert werden. Die Werkstatt für behinderte Menschen des Bruderhaus Diakonie in Ravensburg erhält beispielsweise 295.104 Euro aus Mitteln der Ausgleichsabgabe für die Modernisierung und Erweiterung der Werkstatt. Die Werkstatt für behinderte Menschen der Lebenshilfe Villingen-Schwenningen bekommt für ihre Erweiterung 246.800 Euro aus Mitteln der Ausgleichsabgabe. (siehe kobinet-Artikel über das Förderprogramm)

                                Aus den Reihen der Behindertenbewegung wird bereits gescherzt, dass man die Übersetzung der Abschließenden Empfehlungen des UN-Ausschusses wohl auch in schwäbisch übersetzen müsste, in anderen Bundesländern dürfte die Praxis der derzeitigen Prioritätensetzung jedoch derzeit nicht viel anders sein, während es enorm schwer ist, Fördermittel für alternative Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu bekommen."...

                                Kompletter Beitrag:
                                http://www.kobinet-nachrichten.org/d...n.htm#comments
                                ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------
                                Alle behinderten Menschen müssen die Möglichkeit haben über ihre Tagesstrukturierung selbst/frei entscheiden zu können und zB bei einer Abschaffung der WfbM würden viele behinderte Menschen auf der Strecke bleiben.

                                Wo sollen die schwerstbehinderten Menschen unterkommen die einfach "zu schwer behindert sind" um alternative Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu bekommen?
                                Meine schwerbehinderte Tochter gehört auch zu diesen Menschen.
                                Werden diese Menschen dann einfach "arbeitslos", weil keiner sie gebrauchen kann?
                                Sollen diese Menschen dann wie früher zu Hause von ihren oft schon alten Eltern inklusiv betreut werden?

                                In NRW, wo die Tagesförderstätten ja schon abgeschafft wurden und schwerstbehinderte Menschen von der WfbM eine Kündigung bekommen können, haben viele Eltern schon massive Probleme eine angemessene Tagesstrukturierung finanziert zu bekommen.



                                Liebe Grüße
                                Monika
                                Zuletzt geändert von werner62; 10.12.2015, 12:37.

                                Kommentar


                                  #17
                                  AW: Inklusion (?)

                                  Hallo Monika,
                                  ja, mich beschleicht auch ein ganz komisches Gefühl von Ohnmacht, Wut und manchmal Fassungslosigkeit wie wenig die Forderungen mit meiner Lebensrealität zu tun haben. Wer fragt eigentlich die Eltern die jetzt schon mit ihren schwerbehinderten Kindern "rausfallen", wer fragt sie nach ihren Lebenserfahrungen und Wünschen, nach ihren Sorgen. Stop, ich muss ja eigentlich zurücktreten und meine Tochter sprechen lassen (sie kann aber nicht sprechen), ich muss so tun als ob sie plötzlich für sich selbst Forderungen stellen kann und erfüllen kann was da so in der" schönen neuen Welt der Inklusion" gefordert wird. Jetzt sind wir also im Bereich der Arbeit gelandet nach Kindergarten, Schule, Freizeit und Wohnen müssen wir jetzt mal die Arbeitswelt für Menschen mit Behinderung ,vorallem für Menschen mit hohem Hilfebedarf aus dem "inklusiven Blickwinkel" betrachten. Wer sagt uns eigentlich ob Menschen mit schweren Behinderungen die "schöne neue Welt" wirklich so schön finden? Wer kann sie fragen, wer schaut genau hin wie es ihnen geht? Wer hinterfragt und verfolgt Lebensgeschichten die scheitern, wo Eltern mit ihren Töchtern und Söhnen alleingelassen werden weil es nicht funktioniert was das System grad hergibt? Oh Entschuldigung, ich vergaß, es gibt ja ganz viele Fachleute die uns Eltern die Augen öffnen und unseren Kindern endlich die Befreiung ermöglichen. Wir müssen da ganz hellwach bleiben und von den Eltern lernen die jetzt schon von dieser "Befreiung" erzählen können, die jetzt schon erfahren wie diese inklusive Arbeitswelt für Menschen mit schweren Behinderungen ausschauen soll.
                                  Lieben Gruß
                                  Hildegard

                                  Kommentar


                                    #18
                                    AW: Inklusion (?)

                                    Zitat von Hildegard Beitrag anzeigen

                                    Oh Entschuldigung, ich vergaß, es gibt ja ganz viele Fachleute die uns Eltern die Augen öffnen und unseren Kindern endlich die Befreiung ermöglichen.


                                    Lieben Gruß
                                    Hildegard



                                    Hallo Hildegard,

                                    solche sogenannten "Fachleute" kennen wir auch...es ist für diese Menschen ganz einfach....wenn ihre sogenannte "Inklusion" nicht funktioniert kann es ja nur an uns Eltern liegen....sie machen aus uns Eltern dann eben:

                                    "ELTERN DIE IHR BEHINDERTES KIND NICHT LOSLASSEN KÖNNEN"

                                    Sie sind ja schließlich die Fachleute........


                                    Nachdenkliche Grüße
                                    Monika
                                    Zuletzt geändert von werner62; 11.12.2015, 08:55.

                                    Kommentar


                                      #19
                                      AW: Inklusion (?)

                                      Zitat von werner62 Beitrag anzeigen
                                      "ELTERN DIE IHR BEHINDERTES KIND NICHT LOSLASSEN KÖNNEN"
                                      Am Rande sei da doch bemerkt, dass es tatsächlich Eltern gibt, die ihr "behindertes Kind nicht loslassen können". Und es sei ebenso bemerkt, dass das für die Kinder nicht gerade Ponyhof ist.

                                      Aber was weiß ich schon - ich gehöre "schließlich" ja nur zu diesen "Fachleuten"...
                                      Das Leben ist zu kurz für schlechten Kaffee.

                                      Kommentar


                                        #20
                                        AW: Inklusion (?)

                                        Es ist gut zu wissen, dass "andere" steht's besser wissen, was für unsere Kinder gut ist. Das beruhigt mich ungemein <ironieaus>
                                        _____________________________________________

                                        Zustand nach Hämophilus Influenzae-Meningitis, die vom aufgenommenen Krankenhaus trotz Vermutung NICHT behandelt wurde und aus denen sich nach etlichen Stunden des Verweilens im Krankenhaus Lebensbedrohliche Komplikationen ergaben. Vom Kreislaufzusammenbruch über Atemnot, Herzstillstand und Sepsis! Das Leid trägt mein Kind das gesamtes Leben lang!

                                        Kommentar


                                          #21
                                          AW: Inklusion (?)

                                          Hallo zusammen,

                                          irgendwie habe ich den Eindruck, dass sich hier Menschen "streiten", die vom Grundsatz her einer Meinung sind
                                          Ich kenne zwar auch Fachleute, die immer alles besser wissen, aber ich kenne auch Eltern, die ihre relativ selbständigen "Kinder" nicht erwachsen werden lassen. Und ich glaube, dass weder wir Eltern noch die Fachleute für die Engstirnigkeit der anderen in "Sippenhaft" genommen werden wollen.

                                          Für mich liegt der Schlüssel nach wie vor in den Wahlmöglichkeiten, die anscheinend weiter reduziert werden sollen und in der Wahlfreiheit.
                                          Für jeden Menschen mit Behinderung muss es ein gesetzlich verankertes Anrecht und eine Wahlmöglichkeit für eine geeignete Tagesstruktur mit einem personengebundenen Budget ermöglicht werden. Dies kann in den bereits vorhandenen Einrichtungen der Eingliederungshilfe (WfbM oder Tagesförderstätte) geschehen, am so genannten freien Arbeitsmarkt oder auch in Eigenregie. Eine solche Wahlfreiheit würde auch bewirken, dass die Angebote sich entweder nach den Wünschen und den Bedarfen der behinderten Menschen ausrichten oder überflüssig würden.

                                          Sie ist anders als die Andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei
                                          Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei

                                          "Sommerkind" von Wortfront

                                          Kommentar


                                            #22
                                            AW: Inklusion (?)

                                            Hallo zusammen,
                                            klar Inge, es gibt nicht "die Eltern" und "die Fachleute" so wie es nicht "die Behinderten" gibt. Ich wehre mich ständig gegen Verallgemeinerungen und neige offensichtlich selbst dazu. Mich nervt ungemein die "Schwarz-Weiß- Diskussion, mich nervt das ich mich immer häufiger erklären muss wenn ich nachdenkliche Anfragen stelle und nicht in die allgemeine Inklusionseuphorie die sich bei manchen breitmacht (auch hier keine Verallgemeinerungen) einstimme. Wenn es um Menschen mit hohem Hilfebedarf geht wird deutlich wie konsequent und ehrlich die Lebensbedingungen geschaffen werden um diesen Menschen gerecht zu werden.
                                            Lieben und nachdenklichen Gruß
                                            Hildegard

                                            Kommentar


                                              #23
                                              AW: Inklusion (?)

                                              Liebe Inge, liebe Hildegard,

                                              Wahlfreiheit ist eine schöne Forderung. Nur wir haben keine. Wenn ich als Mutter für mein Kind entscheide, dass es auf dem ersten Arbeitsmarkt eine passende Beschäftigung bekommen soll (die den Bedürfnissen und Wünschen des Kindes wirklich entspricht) wird mein Kind bzw. wir Eltern mit massiven Benachteiligungen bei den finanziellen Zuschüssen bestraft. Für den Werkstättenarbeitsplatz wird bestimmt dreimal soviel Geld eingesetzt wie für eine unterstützte Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Das hat mit Wahlfreiheit nichts zu tun, sondern ist spätestens seit der UN-Behindertenrechtskonvention eine gegen das Gesetz verstoßende Bevorteilung der Eigeninteressen der Werkstattträger. Es geht nicht darum, die Werkstätten abzuschaffen, sondern den Mitarbeitern der Werkstätten endlich Arbeitnehmerrechte zu geben und den inklusiven Weg auf den ersten Arbeitsmarkt genauso gut zu bezuschussen!!! Alles andere regelt Angebot und Nachfrage! Dafür müssen wir betroffenen Eltern alle gemeinsam kämpfen.

                                              Christine

                                              Kommentar


                                                #24
                                                AW: Inklusion (?)

                                                Hallo Christina,
                                                natürlich hast du recht wenn du Wahlfreiheit einforderst. Wir sprechen aber von Menschen mit hohen Hilfebedarf, Mensch die z.B. nicht sprechen können,Menschen mit schweren epileptische Anfällen, Menschen die geräuschempfindlich sind, die manchmal ausrasten wenn zu viele Menschen im Raum sind, Menschen mit hohem Pflegeaufwand, Menschen die ständige Beaufsichtigung und Unterstützung brauchen, die fremd- oder selbstgefährdend sind, die gefüttert werden müssen, die gewickelt werden........Wir sprechen von Menschen die wirklich auch ein Recht auf Schutz und Geborgenheit haben und ob da die große "Befreiung" über die Arbeitswelt läuft? Ich lehne auch jede Form von Ghettoisierung ab aber Gleichmacherei hilft uns (bzw. den Menschen von denen wir sprechen) auch nicht weiter.
                                                Nachdenkliche Grüße
                                                Hildegard

                                                Kommentar


                                                  #25
                                                  AW: Inklusion (?)

                                                  Hallo zusammen,

                                                  eine Wahlfreiheit kann es nur geben, wenn alle Betroffenen mehrer Möglichkeiten zur freien Auswahl haben. Das heißt dann nicht, dass es nur eine bestimmte WfbM für einen bestimmten Einzugsbereich oder nur die eine bestimmte Tagesförderstätte für einen bestimmten Einzugsbereich gibt.
                                                  Wahlfreiheit bedeutet, dass die Betroffenen, bzw. wir Eltern im Sinne unserer behinderten Töchter und Söhne unter mehreren Alternativen eine geeignete Tagesstruktur mit einem personengebundenen Budget wählen können. Wo dieses Budget eingesetzt wird, müsste dann eine Entscheidung der Betroffenen bleiben!
                                                  Ich weiß, dass meine Tochter in ihrer aktuellen Einrichtung bleiben würde. Dort sind ihr die Räume und die Menschen vertraut. Sie hat ihre Freiräume, die sie woanders nie so gut ausleben könnte. Das ist ihre Art der Selbstbestimmung.

                                                  Sie ist anders als die Andern, und ihre Sprache geht weit an uns vorbei
                                                  Doch wenn sie lächelt, lächelt sie mit Leichtigkeit dir dein ganzes Herz entzwei

                                                  "Sommerkind" von Wortfront

                                                  Kommentar

                                                  Online-Benutzer

                                                  Einklappen

                                                  10 Benutzer sind jetzt online. Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 10.

                                                  Lädt...
                                                  X