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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bekommt ihr weniger notwendige Verordnungen?


Holger
23.01.2008, 12:49
Hallo zusammen,

hatte eben ein Gespräch mit einem sehr engagierten Arzt, der eine Beschwerde anstrengen möchte. Es geht darum, dass Ärzte ja in gewisser Weise nur beschränkt Verordnungen z.B. für Krankengymnastik oder Logopädie ausgeben dürfen, auch wenn sie diese für medizinisch erforderlich halten. Das führt natürlich dazu, dass Ärzte gerade chronisch kranken und behinderten Kindern, die ja häufiger Verordnungen benötigen, nicht alles verschreiben können, was sie möchten oder für wichtig halten würden. So geht es eben auch diesem Arzt, der z.B. einige Patienten mit Down-Syndrom behandelt und hier mittlerweile ziemliche Abstriche machen muss.
Eine Folge daraus könnte z.B. sein, dass Ärzte behinderte Patienten nicht gerne als Patienten annehmen, damit nicht schon frühzeitig ihr Budget ausgeschöpft ist.

Für diese Beschwerde wäre es wichtig, möglichst viele Stimmen von Betroffenen zu haben, die aus ihrer Sicht beschreiben, wie sich diese Entwicklung aus ihrer Sicht darstellt. Wie ist das bei euch? Bekommt ihr weniger Verordnungen für Physiotherapie oder Sprachtherapie als noch vor einigen Jahren?

Ich wäre euch dankbar, wenn ihr mit eurer Beschreibung diese Aktion unterstützen würdet, die bei Erfolg letztlich allen zu Gute kommt!

Viele Grüße,
Holger

Carmen62
23.01.2008, 13:09
Hallo Holger
Ich bekomme alles vom SPZ ,dort finden auch alle Therapien statt,
ich habe solche Probleme nicht.
Noah bekommt 3 mal Therapie die Woche
LG Carmen

bianka018
23.01.2008, 14:09
Als unsere erste Ärztin geschlossen hatte habe ich mir eine andere Ärztin aus meinem Stadtgebiet gesucht und der Sprechstundenschwester von Manuels Autismus berichtet. Nach einer Woche kam plötzlich der Anruf, dass sie manuel nicht mehr aufnehmen könne, da zu viele Neugeburten da sind :grantel:. SELTSAM!!!

Dann zur nächsten Ärztin, die verweigerte mir nach dem 1. Rezept eine neue Austellung eines solchen, mit der Begründung dass sie keine Info bekäme welche Fortschritte Manuel dadurch gemacht hat. Nun denn.

Ab zur nächsten Ärztin außerhalb meines Wohngebietes. Hab mich dort regelrecht ausgeheult. Ich konnte einfach nicht mehr. Er war doch grad mal 4 Jahre alt und schon solche Probleme. Schlechte Erfahrungen mit Manuels Zahnärztin waren da ja auch noch da. Ich hatte Angst vor der Zukunft. Es kann nicht sein dass man sich so durchs Leben schlagen muß.

Das Ende vom Lied war, dass ich mir das alles hätte ersparen können, da die Integrative Einrichtung diese Rezepte gar nicht in meiner Krankenkasse abrechnen durfte. Die Bezahlung der Therapien hätten von dieser Einrichtung übernommen werden müssen. Sie bekommen dafür ja die Förderung vom Sozialamt in Höhe von Monatlich 880 €. Und wer mußte sich darum kümmern dass das jetzt auch so gemacht wird? Ratet mal!! :grins:

Müssen die Ärzte wirklich zu viel verschreiben??? Werden Dauerbehinderte nicht durch Ämter gefördert, so wie es jetzt bei Manuel läuft? Sind die Ärzte im Einzelfall überhaupt richtig über solche Förderungen informiert?

Eure Bianka

Holger
29.01.2008, 11:44
Hallo ihr beiden,

und danke für eure Antworten!

Drucke euch hier noch einmal einen Auszug aus der Mail des Arztes ab:

Wir Ärzte in Westfalen Lippe, wie auch andere Kollegen in vielen anderen Bundesländern, haben schon längere Zeit Probleme, unsere insbesondere chronisch kranken Patienten mit den notwendigen Heil- aber auch Arzneimitteln zu versorgen, weil die Prüfgremien eine Regresswelle in Gang gesetzt haben, die dazu geführt hat, daß immer mehr Kollegen aus Angst vor dem finanziellen Ruin notwendige Verordnungen ihren Patienten verweigern. Gegen mich laufen z.B. Wirtschaftlichkeitsprüfungen mit einer Überschreitungssumme von 118.000 €. Sollten diese Prüfungen realisiert werden kann ich nur noch Privatinsolvenz anmelden.

Selbst Eltern von behinderten Kindern müssen bei Ärzten für die notwendigen Rezepte für Krankengymnastik und Logopädie betteln gehen. Wenn diese Eltern dann einen Arzt gefunden haben, der ihnen ein Rezept über sechs Behandlungen ausstellt, wird dann sofort gesagt, daß aufgrund der Budgetierung eine weitere Verordnung nicht möglich ist.

Wenn ich das richtig sehe, habt ihr beiden insofern Glück, da ihr die Kinder in einer großen Einrichtung habt, wo alle Therapien als "Komplexleistung" übernommen werden. Das ist etwas anderes. Die Probleme, die der Arzt anspricht entstehen, wenn man Therapien einfach beim Hausarzt verschrieben bekommt. Hausärzte haben eben nur ein bestimmtes Budget für ihre Patienten für ein Quartal (oder Jahr?). Wenn eine solche Wirtschaftlichkeitsprüfung stattfindet und man merkt, dass sie ihr Budget überschreiten, dann müssen sie sozusagen, den Rest aus eigener Tasche drauf zahlen, wie eben hier oben beschrieben angehäuft bis zu einer Summe von 118.000 Euro. Dass man da dann auf die Idee kommt, vielleicht keine behinderten Patienten mehr zu behandeln, um weniger verschreiben zu müssen, ist nur zu deutlich.

Deshalb geht es jetzt darum, Stimmen von den Eltern zu sammeln, die auch von der Budgetierung betroffen sind und z.B. nicht mehr genug Therapien vom Haus- oder Kinderarzt verschrieben bekommen. Wäre schön, wenn sich noch der ein oder andere melden würde.

Liebe Grüße,

Holger

amai
29.01.2008, 14:22
Hallo Holger,
persönlich sind wir zum Glück nicht betroffen, bekamen Therapien immer über ein SPZ bzw. jetzt in der Schule (noch, leider soll da auch gespart werden).

Würde es dir helfen, wenn ich deine Anfrage mal in der DS-mailingliste poste?

Noch eine Anmerkung zu der Mail des Arztes: ich kenne es so, dass Ärzte bei der KV anmelden können, wenn sie besonders viele chronisch kranke/behinderte/ältere Patienten als sogenannte *Praxisbesonderheit*.
Die werden dann aus dem allgemeinen Budget herausgerechnet.

Ist das hier nicht geschehen oder aber weigert sich die KV solche Besonderheiten anzuerkennen?

Ich habe schon öfter davon gehört, dass Patienten mit chronischen Erkrankungen/Behinderungen grosse Schwierigkeiten haben regelmässige Verordnungen ausserhalb bestimmter *Richtgrössen* zu bekommen. Oder nach einem Block von 6-10 Behandlungen gesagt bekommen es müsse eine *Pause* eingehalten werden.

Ich finde so etwas äusserst kontraproduktiv den Therapieerfolg betreffend und entwürdigend für beide Seiten, sowohl die Patienten, die sich wie Bittsteller fühlen als auch die Ärzte die gezwungen werden den *Buhmann* zu spielen oder eine Existenz (bzw. mehrere, denn die meisten Ärzte haben Familie und Angestellte) zu gefährden.

Ich finde, da muss es klare Änderungen/Ausnahmen in den Heilmittelrichtlinien geben, die dann auch bei den KVen ohne Wenn und Aber akzeptiert werden müssen.

LG, amai

Holger
29.01.2008, 16:33
Hallo amai,

klar, kannst du die Anfrage gerne mal in der DS-Mailingliste posten und am besten auf den Thread hier verweisen, wenn das geht. Dann könnten wir hier Statements sammeln, die er dann gesammelt mit seiner Beschwerde weiterleiten kann. Dazu muss sich ja keiner aus der Liste registrieren, wenn er nicht mag. Geht ja auch ohne.

Wie das mit dem Status "Praxisbesonderheit" ist, weiß ich nun nicht genau. Ich gehe aber einfach mal davon aus, dass er um diese Möglichkeit weiß. Vielleicht geht es ja dann tatsächlich um die Anerkennung derselben.

Ich dank dir schon mal für das Weiterleiten!!

LG
Holger

Pauline
29.01.2008, 17:01
Hallo Holger,
nur ganz kurz. Hab das in meinem Bekanntenkreis schon ab und zu mal gehört.
Bin mir aber nicht sicher, ob das nicht auch an den Ärzten liegt.

Wir haben für Emma immer alles verschrieben bekommen, so z.B. beim Kinderarzt seit 6 Jahren durchgehend Logo, beim Kinderpsychologen das teure Strattera, obwohl sie es bei Emma als Einzelfall begründen müssen.
Natürlich war ich aber auch immer bereit, wenn es billigere Präperate mit gleichem Wirkstoff gab, diese zu nehmen anstatt der teuren Marktführer (z. B. "Methylphenitat" anstatt "Riatlin")

Unsere Ärzte scheinen keine Probleme mit ihren Budgets zu haben. Vielleicht ligts daran, daß sie die Notwendigkeit der Verordnungen einsehen und dies dann auch der Kasse gegenüber begründen? (Ist natürlich mit mehr Arbeit verbunden).

lg pauline

kleopatra
29.01.2008, 18:02
Hallo Holger,

ich empfehle zum Thema folgenden Link: www.elterninitiative-wespe.de

Die Elterninitiative WESPE aus Paderborn beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Thema, hat bereits (relativ erfolgreich) eine Petition eingereicht, viele tausende Unterschriften gesammelt und ganz viele Erfahrungen zusammengetragen.

Viel Glück,

lieben Gruß !

Simone

kleopatra
29.01.2008, 18:06
Kleiner Nachtrag: Lese gerade, dass der Arzt ja auch aus Westfalen-Lippe kommt - die WESPE macht sich genau für diesen Bereich stark !

Simone

Holger
29.01.2008, 18:09
Hallo Simone,

vielen Dank für diesen Tipp! Werde das an ihn weiterleiten!!

LG
Holger

Holger
30.01.2008, 10:04
Nachtrag: Der Arzt kennt die Aktionen dieser Initiative bestens, doch sie blieb bislang leider erfolglos, da hier eine Regelung auf Bundesebene herbeigeführt werden muss. Und dafür benötigt er die Informationen von euch Eltern!

kleopatra
30.01.2008, 23:47
Hallo Holger,

schade, dass der Tip mit der Elterninitiative nicht weitergeholfen hat.

Dann werde ich mal von meinen Erfahrungen berichten:

Ich habe einen 11jährigen Sohn mit Down-Syndrom, der im Vergleich zu den meisten anderen DS-Kindern -die ich kenne- eher langsam in seiner Entwicklung ist. Er besucht eine Förderschule.

Bis vor ca. einem Jahr habe ich problemlos Verordnungen für KG und ggf. Ergotherapie von unserer Kinderärztin und eine VO f. Logopädie vom HNO-Arzt bekommen. Auf einmal war das vorbei - die Kinderärztin stellt mir gar keine VO'en mehr aus. Sie argumentierte damals damit, dass die Ärzte das Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung zu dem Thema jetzt rigoros durchsetzen wollen. Unter den Eltern machte es die Runde, dass wohl ein Kinderarzt ein Rundschreiben an seine Kollegen geschickt hatte, dies zukünftig so zu handhaben. Beim HNO-Arzt stand zur selben Zeit plötzlich der farblich kenntlich gemachte Zusatz auf der VO, dass das Kind eine Fördereinrichtung besuche und die VO von der KK genehmigt werden müsse. Das besagte Schreiben der KV'en, wo ja eindeutig drinsteht, dass Kinder, die eine Fördereinrichtung besuchen, keine VO'en f. Therapien außerhalb der Schule mehr bekommen sollen, war an die VO getackert. Natürlich sieht sich die KK somit nicht in der Lage, diese VO zu genehmigen.

Es ist also tatsächlich so, dass mein Sohn seit einem guten Jahr keine Therapien mehr bekommt. Ich hatte mich mit einer anderen Mutter zusammen getan und wir haben überlegt, was wir unternehmen können. Dadurch sind wir auch an die Elterninitiative WESPE geraten. Leider mußten wir beiden Mütter in unserer Stadt feststellen, dass zwar ganz viele Eltern jammern, aber letztendlich dann doch nicht bereit sind, sich zu engagieren. Somit ist das ganze jetzt im Sande verlaufen und ich habe die Situation für mich und meinen Sohn momentan so akzeptiert.

Lieben Gruß,
Simone

Holger
31.01.2008, 13:02
Hallo Simone,

danke für deine Schilderung! Genau so etwas brauchen wir, um die Situation der Eltern darzustellen. Vielleicht tut sich ja was, und ihr könnte irgendwann auch davon profitieren.

LG
Holger

anita.
31.01.2008, 15:32
HALLO mein name ist Anita ich habe auch ein kind mit DS grüße Danny +Mama Anita

mutti
02.02.2008, 12:30
Hallo, habe zu dem Thema auch was zu sagen.
Wir habe die Rezepte für KG und Ergo immer von unserem Hausarzt verschrieben bekommen.
Seit ein paar Monaten darf er mir auf einmal keine Rezepte mehr aufschreiben und ich durfte mir einen anderen Arzt in einem anderen Bundesland suchen, der mir jetzt wieder problemlos
alle
Rezepte ausstellt, wenn ich das hier aber alles lese frag ich mich , wie lange noch????

Dann muß ich wohl auch ins SPZ das würde bedeuten jede Woche über 200 km zusätzlich zu fahren, die vertrauten Therapeuten aufzugeben.
Und wer trägt die eh zu teuren Sprit kosten?????? Wir natürlich!!!!!!!!!!!!!!!!
Ist ja klasse.

LG Sandra

anita.
02.02.2008, 12:51
HALLO mein name ist Anita ich bekomme KG 10mal aufgeschrieben für meine tochter bei ihrem Hausarzt allgemein mediziner wir wohnen in hessen wiesbaden bei uns geht es anscheint, ich finde das so wie so unmöglich ,das muß doch vom gesetzgeber bundesweit gleich geregelt sein ich verstehe das oft nicht Grüße ANITA P:S TOCHTER wird 19jahre darum Allgemein Mediziner früher sagte man Hausarzt aber ergall.wir dürfen ja auch nicht mehr beim Kinderarzt bleiben obwohl er danny so viele Jahre kennt nur bis 18 sagte unser kinderarzt würde die KV sagen obwohl Danny schwermehrfach behindert ist aber das intressiert die KV nicht wir mußten gehen, wir waren bei 2 allgemein mediziner die können nicht mit ihr umgehen ,danny ist nicht kooperativ wird agressiv wenn der fremde arzt sie aber zu untersuchung zwingt, dann petzt sie ihn aber richtig mit viel kraft danny hat unheimlich viel kraft der eine Arzt sagte die wird ja agressiv und behandelt sie nicht die bekommen das nicht hin darum gehe ich lieber ihn große Kliniken die sich mit so schwergeistigbehinderten menschen geduld unnnnndddddd vielllllllllll zeit haben durch ihr verhalten ist sie sehr Zeit intensiv ,aber zum Rezepte und verordungen schreiben das geht das machen sie weil da kommt sie ja nicht mit nicht zur Untersuchung Alles klar liebe leute mit der danny habe ich sehr viele probleme auf grund ihres negativen verhaltens ,ich bin sehr oft so fertig dieses kleine biest warum um gottes willen macht aie nicht ein bisschen mit .DANKE

MichaelK
02.02.2008, 17:24
Hallo Holger,

da haben wir ja hier wirklich das Therapieparadies.

Lars bekommt 2 mal wöchentlich KG ZNS Kinder, 1 mal wöchentlich Ergotherapie und 1 mal wöchentlich Logotherapie anstandslos verordnet. Es ist immer eine Frage der Begründung.

Muß dazu sagen, dass er auch ein "ideales Therapiekind" ist.

LG Michael

Pauline
02.02.2008, 18:36
Hi Holger (und andere),

kurze aktuelle Ergänzung:
Emma erhält seit ca. 7 Monaten Strattera. Dieses ist an und für sich schon extrem teuer und da es bei AD(H)S eingesetzt wird und bei Emma aufgrund ihrer geistigen Behinderung derzeit kein klassisches ADHS diagnostiziert werden darf, muß unser KJP dies schon gesondert der Kasse gegenüber begründen.

Nun haben wir im Try- and Errorverfahren festgestellt, daß Emma es besser verträgt, wenn sie es in 2 Einmalgaben bekommt, statt in einer, obwohl es ein 24h-Präperat ist. Das ist medizinisch nicht begründbar, aber unser KJP meinte, manche Kinder würden einfach so darauf reagieren.

Letzte Woche bat er uns, mal wieder Einmalgaben zu probieren. Er muß für JEDE PACKUNG eine Einzelverordnung ausstellen. D.h. bei 2 mal 18mg wird das Ganze doppelt so teuer wie bei 1 mal 40mg. Irrsinn!

Natürlich haben wir´s versucht. Die Woche war leider katastrophal. Der KJP hat uns ohne Diskussion wieder 2mal 18 verordnet und meinte: "Naja, und wenn die Kasse sich querstellt, dann müssen wir halt mit denen streiten."

Also, solche Ärzte gibts auch!!!!!!!!!

lg pauline

Holger
03.02.2008, 11:40
Vielen Dank für eure Infos!

@Michael: Was meinst du mit "ideales Therapiekind"?

LG
Holger

MichaelK
03.02.2008, 12:44
Hallo Holger,

mit "ideales Therapiekind" meine ich, dass er weitgehend alle erdenklichen Indikationen für alle möglichen Therapien erfüllt.

LG Michael

mutti
04.02.2008, 14:26
Hallo Michael,
soll das heißen, das andere Kinder nicht die nötigen Indikationen für die Therapien erfüllen und wir einfach nur zum Spass die Therapien machen wollen?


G Sandra

MichaelK
04.02.2008, 20:00
Hallo Sandra,

es liegt mir fern, so etwas zu denken oder zu sagen. Wie käme ich dazu? Ich kann das doch überhaupt nicht beurteilen.
Ich hatte lediglich geschrieben, dass Lars meiner Meinung nach die med. Indikation für die genannten Therapien erfüllt und diese Meinung hat offensichtlich auch seine Ärztin.

Hier noch eine Anmerkung zu Holgers Zitat aus der Mail des Arztes:

Drucke euch hier noch einmal einen Auszug aus der Mail des Arztes ab:.... Wenn eine solche Wirtschaftlichkeitsprüfung stattfindet und man merkt, dass sie ihr Budget überschreiten, dann müssen sie sozusagen, den Rest aus eigener Tasche drauf zahlen, wie eben hier oben beschrieben angehäuft bis zu einer Summe von 118.000 Euro. Dass man da dann auf die Idee kommt, vielleicht keine behinderten Patienten mehr zu behandeln, um weniger verschreiben zu müssen, ist nur zu deutlich.


für mich wird da nicht ganz deutlich, wo der Arzt eigentlich das Problem sieht. Soll es nun an den Wirtschaftlichkeitsprüfungen liegen oder an der Art und Weise, wie die Ärzte damit umgehen. Zumindest kann ich bisher diese Erfahrung nicht bestätigen. Unsere Ärztin unterliegt ja genauso den genannten Prüfungen und offensichtlich kann sie im Falle meines Sohnes die Therapieverordnungen trotzdem gut begründen. Nach den Heilmittel-Richtlinien des GBA sind Voraussetzung für eine Verordnung u.a. eine belastbare Indikation, ein belastbares Therapieziel und es muß ausgeschlossen werden, dass es unter den konkreten Umständen andere "Maßnahmen" gibt, die den Sinn und Zweck der Therapie genauso erfüllen würden. Ich sehe da keine unüberwindlichen Probleme.


LG Michael

Geja
04.02.2008, 20:24
Hallo,
meine Tochter ist entwicklungsverzögert und kann nicht selbstständig laufen. Seit über einem Jahr versuche ich für sie Sprachtherapie zu bekommen. Meine Kinderärztin darf nicht, der Hno -Artz will nicht. Im SPZ wird sie ständig getestet und da würde ich eins bekommen aber nur wenn ich die Therapie auch dort machen würde. Ich will das aber nicht im SPZ sondern im Kindergarten. Da ich auch so in der Woche viel fahren muss. Der Kindergarten, die KG und auch der Kinderarzt sind der Meinung, dass sie schon längst Sprachtherapie haben müsste. Wieso kann ich mir meine Sprachtherpeutin nicht selber aussuchen, sondern bekomme die Wahl entweder im SPZ oder gar nicht. Bei der Ergo und KG konnte ich sie mir doch auch aussuchen.

LG
Ester

MichaelK
04.02.2008, 22:03
Hallo Ester,

also möglicherweise liegt es daran, dass die Therapie im Kiga durchgeführt werden soll (als Hausbesuchsverordnung) Das ist aber nach den Heilmittelrichtlinien kein ausreichender Grund für die Verordnung eines Hausbesuches.
"Die Verordnung der Heilmittelerbringung außerhalb der Praxis des Therapeuten ist nur dann zulässig, wenn der Patient aus medizinischen Gründen den Therapeuten nicht aufsuchen kann oder wenn sie aus medizinischen Gründen zwingend notwendig ist."

Bei uns ist das Problem so gelöst, dass die Ergo und Logo in unmittelbarer Nähe des Kiga eine Praxis eingerichtet haben und sich die Kinder selbst zur Therapie in die Praxis holen, in Absprache mit den Eltern und den Erzieherinnen.

LG Michael

Pauline
04.02.2008, 22:10
Hi Michael,
Du schreibst:


für mich wird da nicht ganz deutlich, wo der Arzt eigentlich das Problem sieht. Soll es nun an den Wirtschaftlichkeitsprüfungen liegen oder an der Art und Weise, wie die Ärzte damit umgehen. Zumindest kann ich bisher diese Erfahrung nicht bestätigen. Unsere Ärztin unterliegt ja genauso den genannten Prüfungen und offensichtlich kann sie im Falle meines Sohnes die Therapieverordnungen trotzdem gut begründen.

Kann mich Dir da nur anschließen. Unsere Ärzte scheinen (wie man aus meinen obigen Beiträgen ablesen kann) auch nicht vor dem Ruin zu stehen und aus iher eigenen Tasche bezahlen sie die Medikation/ Therapien bestimmt auch nicht. Da sie ja bestimmt derselben Rechtslage unterliegen, machen sie offensichtlich etwas anders.

lg pauline

amai
04.02.2008, 22:50
Hallo zusammen,
vielleicht ist es auch wirklich ein Problem mit den einzelnen regionalen kassenärztlichen Vereinigungen, die da besonders penibel oder restriktiv sind , Paxisbesonderheiten evtl. nicht anerkennen wollen und vorschnell mit Regreß sind.

Ich wüsste nicht, wo betroffene Ärzte die quasi *unschuldig* in Regreß genommen werden sich beschweren könnten bzw. Klage einlegen könnten, ist die KV doch m. Wissens sozusagen die oberste Stelle, die das Sagen hat und das Geld verteilt.

LG, amai

Holger
05.02.2008, 10:56
Hallo zusammen,

so genau steig ich durch dieses System auch nicht durch. Was ich aber durch die Diskussionen in den Medien in den letzten Tagen mitbekommen habe, gibt es wesentliche Unterschiede schon allein zwischen den Bundesländern. So bekommen die Hausärzte in Bayern wohl momentan ca. 20% mehr Geld als im Bundesschnitt. Grund dafür ist wohl das System mit den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), das die Hausärzte nicht mehr wollen (sh. die Demo letzte Woche in Nürnberg). Sie bekommen für den Patienten und dessen Behandlung "Punkte", die sie dann bei der KV einreichen und dafür Geld bekommen. Das ist aber nicht immer gleich, denn die KV verteilt das Geld, das von den Kassen kommt, immer anders. So weiß der Arzt nicht, was er für die Behandlungspunkte, also seine Arbeit, hinterher bekommt.

Auch nach Bundesländern unterschiedlich ist das, was der Arzt hier konkret anspricht: Die Richtgrößenprüfung für Heilmittel. Das Vorgehen ist ganz gut auf einer Seite (http://www7.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=5710&key=standard_document_33372946) des Hessischen Rundfunks beschrieben. Dort steht auch, dass es diese Prüfung nur in manchen Bundesländern gibt. Das wäre zumindest eine Erklärung dafür, dass manche hier keine Probleme haben und manche schon. Dann hängt es sicher eben auch davon ab, wie viele "besondere Patienten" in der Praxis behandelt werden. Man kann sich zwar aufgrund bestimmter Krankheiten dies als "Praxisbesonderheit" anrechnen lassen , z.B. bei Autismus, Mehrfachbehinderung, u.a., aber das entscheidet wohl auch wieder die jeweilige KV, was sie anerkennt und was nicht.

So musste Sandra wohl einfach über die Grenze fahren:

Seit ein paar Monaten darf er mir auf einmal keine Rezepte mehr aufschreiben und ich durfte mir einen anderen Arzt in einem anderen Bundesland suchen, der mir jetzt wieder problemlos alle Rezepte ausstellt

Wäre interessant zu wissen, von welchem Bundesland in welches ihr "gewechselt" seid. Wahrscheinlich gibt es in eurem Wohn-Bundesland diese Prüfungen und im anderen nicht.

Viele Grüße,

Holger

Geja
05.02.2008, 14:15
Hallo Michael,

die Sprachtherapie soll so wie die KG und die Ergo im Kindergarten durchgeführt werden. Der Kindergarten hat dafür keine eigenen Therapeuten sondern die Therapeuten kommen aus ihrer Praxis in den Kindergarten und behandeln dann alle fünf I - Kinder nacheinander ( wir fünf I -Kinder haben aber alle die gleichen Therapeuten ). Also Montags ist KG, Dienstags Ergo und Donnerstags Logo.Ich brauche aber für jede Therapie ein Rezept, welches ich dann im Kindergarten abgebe und die Erzieherinen geben es dann weiter. Die anderen beiden Rezepte bekomme ich ja ohne Probleme vom Kinderarzt.

LG
Ester

MichaelK
05.02.2008, 14:18
Hallo Holger,

es steht doch auch eindeutig auf der von dir verlinkten Seite:

"Zimmermann verwies auf die 2004 erlassenen Heilmittel-Richtlinien. Darin sei verbindlich festgelegt, bei welchen Krankheiten Heilmittel in welchem Umfang wie lange verordnet werden können und müssen – zum Beispiel Massagen, Gymnastik oder Sprachtherapie. Wenn ein Arzt nach diesen Richtlinien verordne, könne er gar nicht unwirtschaftlich handeln.

das Gesetz schreibt vor, dass Heilmittel eine Pflichtleistung der KK sind (§ 32 SGB V). Die Einzelheiten regelt ebenfalls nach dem Gesetz der GBA durch Festlegung von Richtlinien (§ 92 SGB V).

In diesen Richtlinien ist genau festgelegt, bei welcher Indikation welche Therapie wie lange und wie oft verordnet werden darf.
Außerdem ist festgelegt:

"Die Richtlinien sind für die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte (im folgenden Vertragsärzte genannt), Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenkassen und deren Verbände verbindlich." und:

"Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Spitzenverbände der Krankenkassen wirken auf eine einheitliche Anwendung dieser Richtlinien und auf eine enge Zusammenarbeit zwischen verordnendem Vertragsarzt und ausführendem Therapeuten hin."

LG Michael

mutti
05.02.2008, 14:28
Hallo Holger,
ich mußte von Hessen nach NRW wechseln.

LG Sandra

Holger
12.02.2008, 18:45
Hallo Michael,

klar ist das die Meinung von Herrn Zimmermann und klar gibt es die entsprechenden Gesetze, die dem in gewisser Weise entgegenstehen. Das Problem scheint es nun ja offenbar trotzdem in manchen KVen zu geben...

Hab noch mal gekuckt, nachdem Sandra von Hessen nach NRW wechseln musste: In Hessen gibt es diese Prüfung und da ist auch gerade eine Unterschriftenaktion gestartet, die gegen die Prüfung vorgeht. Sh. die Presseinfo der KV Hessen (http://www.kvhessen.de/Presse/Presseinformationen/Pressemeldungen+2008+%E2%80%93+die+%C3%9Cbersicht/Heilmittel+f%C3%BCr+Hessen_+Wartezimmerkampagne+mi t+Unterschriftensammlung+gestartet.html).
In NRW hab ich auf die Schnelle nichts über die Richtgrößenprüfung gefunden, nur, dass die KV Nordrhein wohl ebenfalls eine entsprechende Prüfvereinbarung (PDF-Dokument) (http://www.arzt-nordrhein.de/archiv/2007/12/062.pdf) unterzeichnet hat, die zum 01.01.08 in Kraft getreten ist. Ich möchte es dir Sandra natürlich nicht wünschen, aber so kann es evtl. sein, dass du bald wieder die gleichen Probleme hast... :unsicher:

Es ist einfach wichtig, etwas dagegen zu machen, und deshalb unterstütze ich gerne die Initiative des Arztes und werde eure Statements an ihn weiterleiten.

Liebe Grüße,
Holger