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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Jugendleiter mit Fragen zu behindertem kind


Fabian2
07.01.2008, 16:39
hallo,

ich bin Jugendleiter bei den Pfadfindern. Ich leite (mit anderen Leitern zusammen, die wie ich etwa 19-20 jahre alt sind) eine Gruppe mit Kindern (m+w) zwischen 10 und 14 Jahren. Ein 14 jähriger junge ist offensichtlich geistig behindert. Er ist knapp 14 Jahre alt, benimmt sich aber wie ein 10 jähriger. Er hat starke Probleme, sich deutlich auszudrücken. Er ist durchaus intelligent (was sich an seinen Noten in der Schule sehen lässt), aber sein Sozialverhalten ist schwierig. Grenzen, im Umgang miteinander nimmt er nicht wahr. Tut mir leid, viel genauer kann ich es nicht beschreiben.

Das ist ja noch alles kein Problem. Jetzt kommts aber:
I. Seine Eltern scheinen nicht mit seiner Behinderung umgehen zu können. Auf der einen Seite wird er sehr stark bemuttert (auch von seiner jüngeren Schwester), auf der anderen Seite versuchen sie ihn möglichst "normal" zu behandeln, ohne zu sehen, dass ihm bestimmte dinge (siehe II.) anders/deutlicher erklärt werden müssen.
II. Mit knapp 14 Jahren kommt er (oder ist) in die (/der) Pubertät. Oben angesprochene Grenzen, die er nicht wahrnimmt sind vor allem Berührungen. Wenn er mich als Gruppenleiter an der Hand festhält und nicht wieder loslässt, kann ich damit umgehen. Aber schwierig wird es, wenn er Mädchen berührt (es muss noch nicht einmal in intimen Zonen sein), da diese sich zum Teil vor ihm ekeln. Bei uns Gruppenleitern besteht die riesengroße Angst einer vergewaltigung (um es ganz klar und deutlich auszusprechen) - besonders im anstehenden Sommerlager.

Wie soll ich mit diesem Jungen umgehen? und auch mit seinen Eltern!! Worauf muss ich achten? Kann ich bestimmten Dingen vorbeugen? Wie kann ich mit ihm reden? Was kann ich ihm sagen?

Vielleicht war ja jemand schonmal in einer ähnlichen Situation oder kann sich in mich hineinversetzen. Ich bin für jeden (praktischen) Tipp/Hinweis dankbar.

Simone Eckenroth
08.01.2008, 09:49
Hallo Fabian,

puh, da hast Du ja ein nettes Kerlchen in der Gruppe! Finde es übrigens super, dass Du das Forum hier gefunden hast :-)
Da ich im "Nebenberuf" StaVo bin und wir bei uns im Stamm auch schon Kinder mit sog. geistiger Behinderung hatten/haben, ist mir in Deiner Situation einiges unklar::kopfkratz:
Wieso weißt Du als Leiter so wenig über den Jungen? Kam der plötzlich in die Gruppe oder hast Du die Gruppe noch nicht lange? Sollte er schon länger bei Euch sein, müsste es doch irgendwelche Vorerfahrungen geben.
Bzgl. Tipps wg. Umgang und Unterstützung: bei welchen Pfadfinderorganisation bist Du? Die DPSG hat da ein eigenes Referat für Behindertenarbeit, in einigen Diözesen gibt's da AKs, manchmal sogra mit hauptberuflicher Referentin (da dann gleich die nächste Frage: WO leitest Du?)

Allgemein kann ich Dir nur den Tipp geben, möglichst viel über den Jungen "herauszubekommen" (Elterngespräch, evtl. auch Schule: musst Du ja nicht allein machen, Mitleiter oder Stammesvorstand könnten da unterstützen). Sozialverhalten sollte ja auch zuhaus und in der Schule stattfinden, irgendwelche "Strategien" des Umgangs gibt's da sicher!

Die Gruppe sollte dann halt auch Bescheid wissen: was ist mit ihm, warum verhält er sich so und nicht anders ...

Soviel mal für's erste, wenn Du noch mehr Nachfragen hast, kann ich Dir auch gerne mal direkt per Mail die ein oder andre Adresse von "behinderungserfahrenen Gruppenleitern" zukommen lassen.

Schöne Grüße! :wink:
Simone

Fabian2
08.01.2008, 18:04
Danke schonmal. das hat mir schon weitergeholfen.:grins:
Ja, ich bin in der DPSG im Bezirk Münster (Diözese Münster).

Der Junge ist schon eigentlich sein ganzes Leben bei uns im Stamm (da seine Eltern auch früher aktiv waren) und ich würde auch nicht sagen, dass ich wenig über ihn weiß. ich weiß nur nicht, wie ich sein Verhalten genauer beschreiben kann.

Man muss ihm nicht zweimal, sondern fünfmal erklären, dass er sich nicht einfach das Beil nehmen soll und Feuerholz hacken darf, wenn er nicht mal einen Leiter gefragt hat. Er macht Witze, über die andere Kinder in seinem Alter schon lange nicht mehr lachen würden. Er fasst ein Mädchen am Oberschenkel an und nimmt seine Hand erst weg, als ein Leiter eingreift, obwohl das Mädchen ihm mehrmals deutlich zu verstehen gibt, dass er das sein lassen soll.

Unser Juffi-Leitungsteam hat sich auf ein Gespräch mit seinen Eltern vorbereitet. Ich bin sehr gespannt, wie sie reagieren werden, was sie sagen werden.
Ich möchte nicht viel negatives über unseren Stamm sagen, aber unser Vorstand ist nicht der jüngste, in ihren ansichten oft sehr festgefahren und offensichtlich zu unerfahren oder nicht professionell genug, um behinderte Kinder oder andere Kinder mit Problemen (und auch deren Leiter) angemessen zu "versorgen".

naja. ich denke, ich werde mich mal beim Referat für Behindertenarbeit schlau machen.

danke :-)

Pauline
08.01.2008, 18:58
Hallo Fabian,

so aus der Ferne kann man da nicht viel dazu sagen.
Es KÖNNTE eine Behinderung sein (Asperger-Autismus....)
Es KÖNNTE eine Krankheit sein (Tumorerkrankung, ADS....)
Es KÖNNTE eine Verhaltensstörung sein (ausgelöst durch Erlebnisse, Erziehung...)
Sprecht mit den Eltern, vielleicht findet sich da schon eine Erklärung.
Und holt Euch Rat !
Und natürlich: Weiter klare Grenzen setzen.

Viel Glück
Pauline

Lexi
19.01.2008, 22:29
Hallo Fabian,
habe früher eine Pfadigruppe geleitet und einen Jungen in der Gruppe gehabt an den ich bei Deiner Beschreibung sofort denken musste ;-)
Finde es auch sinnig intensiv mit den Eltern zusammenzuarbeiten, mich würde das Ergebnis interessieren. Ich halte es aber auch für wichtig mit der Gruppe offen zu sprechen. Finde es gibt nichts schlimmeres wenn so etwas zu einem Tabu-Thema wird und sich dann keiner von den Jungs und Mädels noch traut etwas zu sagen.
Bei uns hats lang gedauert aber nach einigen Wochen klappte es echt gut und der Junge war und lies sich halbwegs integrieren.
Also: Hoffnung nicht aufgeben! Drücke Dir die Daumen!

Grüße Alex