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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zuhause pflegen oder im Heim


Xenia
09.11.2007, 22:33
Hallo,

nachdem meine 20-jährige schwerstmehrfachbehinderte schon in 3 verschiedenen Enrichtungen war, zweifel ich langsam daran ob die Entscheidung sie in eine vollstationäre Einrichtung zu geben richtig war. Das erste Heim war gut nur zu weit weg und da es ein Heim für Kinder war und sie volljährig wurde habe ich sie in meine Nähe geholt als hier ein Platz frei wurde, da sie früher oder später eh hätte wechseln müssen. In diesem 2. Heim schien auf den ersten Blick alles wunderbar. Alles neu und aufs modernste eingerichtet, leider fehlte dort das "Menschliche". Es stellte sich heraus, dass es ein "Sauber und Satt-Heim war und nach einem Vorfall, bei dem ich von den Mitarbeitern dort ziemlich heftig belogen wurde, fehlte auch das Vertrauen.Im jetzigen Heim sind die Mitarbeiter zwar nett (bis auf wenige Ausnahmen, aber die gibts ja überall) trotzdem hat man viel zu wenig Zeit für sie aufgrund der Gruppengröße (15 Bewohner in 1 Gruppe), manchmal sind nur 3 oder 4 Betreuer zum Füttern da, wenn alle mittags im Bett liegen und frisch gemacht werden müssen manchmal sogar nur 2. Solange sie in die Schule ging hatte sie dort wenigstens den Ausgleich und Abwechslung, jetzt darf sie nicht mal in eine Förderstätte fahren weil im Heim eine Art tagesstrukturierende Maßnahme angeboten wird, die sehr zu wünschen übrig lässt. Wenn ich sie abhole, sind meist 6-8 Bewohner vor dem Fernseher "geparkt", der Rest steht auf dem Gang rum, zu Ausflügen (1 x pro Woche) wird immer nur 1 oder 2 Bewohner mitgenommen, kurzum, sie erhält einfach nicht die Betreuung oder Förderung die ich mir für sie wünsche. Wobei ich den Mitarbeitern nicht mal den Vorwurf mache, sie tun (teilweise) sicher ihr Möglichstes.
Es vergeht kaum ein Tag, wo ich mich nicht mit der Frage quäle " soll ich meinen Job kündigen und sie zu mir nachhause holen? Während andere verzweifelt versuchen für ihr erwachsenes "Kind" einen Heimplatz zu bekommen, gehen meine Überlegungen gerade in die andere Richtung., zumindest solange, bis ich ein wirklich gutes Heim gefunden habe wo ich mir nicht dauernd zuhause Sorgen machen muss. Ich weiss nicht ob ich das alleine schaffe psychisch sowie körperlich sie zuhause zu pflegen, außerdem muss ich arbeiten gehen, denn vom Pflegegeld und Kindergeld alleine kann man auch nicht leben. Evtl. kann sie in eine Förderstätte fahren, und ich doch noch arbeiten gehen, aber was ist wenn ich krank bin, oder wenn ich zuhause bleiben muss weil sie krank ist? Was gibt es da für Hilfen? Ich kann es mir wahrscheinlich nicht allzu oft erlauben in der Arbeit zu fehlen. Kommt meine andere Tochter (13 Jahre) dann zu kurz? Da ich mich gerade sowieso mit dem Gedanken trage nach Bayern zu ziehen und sich ein Wohnheimwechsel dorthin aufgrund der hiesigen Kostenträgerzuständigkeit als schwierig erweisen wird, überlege ich ernsthaft, sie zuerst mal zuhause zu pflegen. Ich bin so hin und hergerissen, auf der einen Seite hätte ich da ein gutes Heim in Bayern in Aussicht (soweit ich es einschätzen kann), dies wird aber der hiesige Kostenträger nicht zahlen wollen. Auf der anderen Seite denke ich, soll sie überhaupt nochmal in ein Heim, soll ich sie gleich bei mir zuhause lassen, aber wie lange schaffe ich das?

LG
Xenia

miau
10.11.2007, 11:11
Hallo Xenia,

meine Tochter ist 24 Jahre alt und ich pflege sie seit 2001 selbst daheim. Sie ist geistig schwerstbehindert und überaktiv. Meine Ängste waren ähnlich wie deine, ob ich das überhaupt alleine daheim schaffen kann. Ja, es geht. Egel mit welchen Betreuern ich sprach, sie sprachen gegen diesen Schritt.

Manchmal ärgere ich mich schon darüber, weil ich mich so alleingelassen und ausgeschlossen empfinde, wo doch sooooo viel für Behinderte in D getan wird. (angeblich, jedoch nur für leichter Behinderte oder wenn man gut "schmieren" kann :-( ).

Meine Tochter war auch ca. 5 Jahre in einem Kinderheim gewesen. Dort machte sie einerseits riesen Fortschritte, andererseits gab es auch erhebliche Differenzen. Als sie wieder daheim war, änderte sich meine Einstellung komplett und ich schaute leider zu lange zu, als sie in der hiesigen Schule Entwicklungsrückschritte machte. Es war damals ein Alptraum.

Was du schildert, wie es mit der Betreuung zugeht, das ist leider so eine Sache für sich. Meine jüngste Tochter hatte über ein Jahr lang in einem Wohnheim praktiziert und konnte mir dann die andere Seite der Betreuuung erzählen. Es bestätigte sich vieles, von dem, was ich vorher schon mitbekommen hatte. Und es zeigte sich, dass die Geschäftsleitung ihre Auflagen macht und die Betreuer können sehen, wie sie damit klar kommen. Dass sich sowas sogar als Mobbing äußern kann ist die andere Seite. Oder die Betreuer geben auf und machen nur das notwendigste, weil sie eh keine Chance sehen, dass sich irgend etwas ändert. :-( und sie nicht nur das Notwendigste mit den Bewohnern durchführen können.

Liebe Grüße miau

Inge
10.11.2007, 16:31
Hallo Xenia,

im Anhang hier ist ein Gerichtsurteil.
Wenn die Förderung in der Wohngruppe nicht angemessen ist, hat Deine Tochter das Recht auf den Besuch einer externen Förderstätte.
Wenn Deine Tochter in einer Einrichtung bleiben soll, dann kannst Du dieses Recht einklagen.
Bist Du aus Bayern? - dann hätte ich evtl. noch was für Dich. Du kannst mir ja auch mal eine PN schreiben.

Inge
10.11.2007, 16:51
sorry, hab grad gesehen, dass Du nach Bayern ziehen willst. Hier musst Du aufpassen, da besonders der Bezirk Unterfranken versucht, Menschen, die nicht "werkstatt-fähig" sind, in Pflegeheime mit Tagestruktur zu drängen. Dazu hatte ich im letzten Jahr mal den Beitrag "keine Eingliederungshilfe im Pflegeheim" (http://www.intakt.info/forum/showthread.php?t=5767) geschrieben. In der Zwischenzeit hat der Bezirk Unterfranken - trotz der Intervention der Behindertenbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung Anita Knochner und der Staatsministerin Christa Stewens - wiederholt einen zweiten Lebensbereich in Form einer externen Tagesförderstätte für Menschen mit hohem Hilfebedarf oder hohem Betreuungsaufwand abgelehnt.
Der Bezirk hält auch weiterhin an dem Beschluss fest, nicht-werkstattfähige Menschen als Pflegefälle einzustufen und in einer Einrichtung mit Versorgungsvertrag unterzubringen.

miau
11.11.2007, 10:55
Hallo Inge,

verstehe ich deinen Beitrag richtig, dass jeder behinderte Mensch ein Recht auf einen Tagesförderplatz hat? Mir wurde damals anderes gesagt, allerdings gehöre ich dem Bezirk Unterfranken an.

Liebe Grüße miau

Inge
11.11.2007, 12:54
Hallo miau,
wenn die Förderung in der Einrichtung schlechter ist als die externe Förderung, dann macht es durchaus Sinn vor Gericht zu gehen und zu klagen.
Der Bezirk Unterfranken hat eine sehr rigorose und unmenschliche Art, behinderte Menschen mit hohem Hilfe- und Betreuungsbedarf in Einrichtungen zu drängen, in der die größtenteils sehr jungen und aktiven Bewohner jeder Minute, jeden Tag und jedes Jahr rund um die Uhr immer mit den gleichen Menschen in den gleichen Räumen zusammen sind.

Pflegeheim Johannes
19.10.2008, 21:04
Hallo,

gibt es eine Seite wie im Bereich Altenpflege (http://www.pflegehilfe.de)Pflegehilfe.de? Dort werden Pflegeheime und Altenheim übersichtlich dargestellt. Sowas müsste es doch auf für Behinderte Kinder geben, oder?

yvonnejanssen
19.10.2008, 21:46
Hallo,

mir ist leider keine Seite im Internet bekannt wo es aufgelistet ist. Es gibt aber ein Buch oder aber eine CD die man kaufen kann wo alles von ganz Deutschland aufgelistet ist.
Leider ist die Seite im Moment Offline aber habe einen Link gefunden wo die Kontaktadresse steht.
http://www.berufsverband-hep.de/heimverzeichnis.htm

Liebe Grüße

Yvonne

RaJo
20.10.2008, 03:03
Hi @ All,
wenn ich dies hier lese, ist mir ganz übel.
Auch ich habe das Problem, dass ich vielleicht mal meine Tochter in ein sogenanntes Internat abgeben muss, damit sie nicht vereinsamt, oder auch weil unser Alter es nicht mehr schafft. Meine Angst ist enorm, weil ich für meinem Kind das Beste will, und nicht eigenständig handeln möchte. Aus Egoismus vielleicht. Denke mal, dass unsere Tochter Liebe braucht und die gibt es halt nur zuhause.
Keine Einrichtung, nimmt aus einem Gefühl heraus, das Kind in den Arm und drückt es, zeigt Liebe, :-( ist ja nicht das eigene... sorry.)
Bemerke doch schon in Kita, dass sie manchesmal wenig Einfühlungsvermögen zeigen und sie nicht sehen wie sie ist.,,
:heul:
LG RaJo

Inge
20.10.2008, 08:34
Hallo zusammen,

gestern habe ich hier einen Beitrag eingestellt, der auch zu diesem Thema passt:
BEHINDERTENHELFER IN SCHIEFEM LICHT (http://www.intakt.info/forum/showthread.php?t=7103).
Es gibt mit Sicherheit auch gute Einrichtungen, in denen unsere (erwachsenen) Kinder gut versorgt und auch in ihrer ganz eigenen Persönlichkeit geschätzt werden. Leider wird den betreuenden Menschen dort die Arbeit immer schwerer gemacht, weil die Finanzierung durch die Kostenträger viel zu knapp ist.

RaJo
20.10.2008, 23:01
hilfe, was kann man noch machen, dass es einem kind später gut geht??
ich habe heute schon Probleme mit Kita, kommendes Jahr ist die Schule dran,
bin echt erschüttert.
RaJo