Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ADHS?
rossi111274
29.09.2007, 23:02
Hallo zusammen:wink:,
bei meinem Sohn, wird im Januar 6 Jahre, wurde ein Test für ADHS gemacht. Das Ergebnis bekommen wir aber erst am 26.10.07. Ich habe jetzt von meinem Bruder aus Amerika gehört, das diese Medikamente bei einem Kind einen Herzinfarkt, Schlaganfall bzw. es kann einfach so tot umfallen, bewirken kann. Meine Frage ist jetzt, ob jemand von diesen Nebenwirkungen gehört hat? Viele in meinem Umkreis sagen auch, das es sich einfach um eine Modeerkrankung handelt, weil die im Kindergarten bzw. die Eltern einfach weniger Arbeit mit dem Kind haben wollen.
Es wäre nett, wenn mir jemand auf meine Fragen antworten könnte.
Liebe Grüsse
Roswitha
Franz Josef Neffe
03.10.2007, 23:07
Egal, welchen lateinischen Namen man dem Problem gibt: Euer Kind und Ihr, Ihr werdet es auf Deutsch lösen müssen. Und das geht nur mit den Talenten, die Ihr 3 dafür habt und noch nicht voll entwickelt habt.
Jedes Talent ist zunächst nur ein Samenkorn und es liegt am Umgang damit, wie schnell ein wie starker Baum daraus wird. Von Ritalin wächst kein Lebenstalent; von Ritalin wachsen m.E. allenfalls Ausweichtalente. Aber von Interesse und Achtung und Training wächst jedes Talent. Unsere Chancenlosigkeit ist vor allem darin begründet, dass wir nicht Acht geben, welche Talente wir stärken: Wir kämpfen für die Schwächen und lassen die Stärken, die sich der oft strohdummen Pädagogik nicht fügen, verhungern. Das Kernthema heißt mit dem fachwort: AutoSuggestion = eigener Einfluss. Den gilt es zu erkennen und nach seinen gesetzen zu entwickeln. Ich habe z.B. meine sonderpäd. Hausarbeit vor 25 Jahren dazu geschrieben und hier einen starken Lösungs- und Lebensschlüssel gefunden.
Ich wünsche guten Erfolg.
Franz Josef Neffe
Hallo Roswitha,
da ihr so lange auf das Testergebnis warten müsst, gehe ich mal davon aus, dass ihr bei einem Facharzt seid, z.B. bei einem oder Kinder- und Jugendpsychiater, oder?
Das ist eine gute Basis für eine medizinisch effektive Behandlung. Uns wurde in der Uni in der Kinder- und Jugendpsychiatrie immer klar gemacht, dass eine vernünftige AHDS-Behandlung mit Medikamenten und ein schnelles Verschreiben von Ritalin o.ä. OHNE Diagnostik etwas ganz anderes sind. Ich habe dir hier mal einen Auszug aus der Stellungnahme der Bundesärztekammer zu ADHS eingefügt, wo es um deine Frage geht:
5.2.3 Unerwünschte Wirkungen, Wechselwirkungen und Kontraindikation von Stimulanzien
Die sorgfältige regelrechte Medikation von Methylphenidat und Amphetaminen hat bei Per-sonen mit ADHS in der Regel keine schädlichen unerwünschten Wirkungen. Unerwünschte Wirkungen sind dosisabhängig, in der Regel vermeidbar und bei Beginn der Therapie vorübergehend. Häufige und in der Regel vorübergehende unerwünschte Wirkungen sind Appetitminderung (auch über Jahre unter Medikation anhaltend), abdominelle Beschwerden, klinisch unbedeutsame Puls- / Blutdrucksteigerungen sowie innere Gereiztheit. Alle übrigen unerwünschten Wirkungen sind selten oder extrem selten. Dazu gehören Übelkeit, Schwin-del und bei zu später nachmittäglicher Gabe (z. B. nach 15 Uhr) Schlafstörungen. In Einzelfällen kann eine Spätgabe zur Verbesserung von Ein- und Durchschlafen indiziert sein (129, 130, 131). Depressive Verstimmungen (Weinerlichkeit, sozialer Rückzug) sind Zeichen der Überdosierung. Dies gilt insbesondere auch für psychotische Symptome (Halluzinationen). Tics können in Einzelfällen mit Methylphenidat-Medikation ausgelöst oder verstärkt, in anderen Fällen jedoch auch abgeschwächt werden. Im Einzelfall können Tics Anlass sein, die Indikation der Stimulanzien-Medikation oder die einer Ticspezifischen Zusatz-Medikation (z. B. Tiaprid) zu überprüfen. Obwohl nach bisherigen Studien die Endgröße des Körperwachs-tums durch Methlyphenidat nicht beeinflusst zu werden scheint, legen mehrere Studien nahe, dass das Wachstum unter der Behandlung beeinflusst werden kann. Daher sind engmaschige Kontrollen von Körpergröße und -gewicht erforderlich, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen im unteren Perzentilenbereich von Körpergröße und -gewicht (132, 133) (vgl. Kap. 6.6.1).
Die Entwicklung von Stimulanzien-Missbrauch und -Abhängigkeit ist bei sachgemäßer störungsspezifischer Einnahme nicht zu erwarten. Eine Dosis-Steigerung ist auch bei Dauermedikation meist nicht notwendig. Katamnestische Befunde sprechen dafür, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS, die mit Stimulanzien behandelt wurden, seltener und später zu Tabak-, Alkoholkonsum und Konsum illegaler Drogen kommen (134, 135) (vgl. Kap. 6.6.2). Unsachgemäße Anwendung (z. B. Injektion der Substanz in den Blutkreislauf) und mangelhafte Kontrolle der Verordnung in einem „Drogenmilieu“ können eine missbräuchliche Verwendung ermöglichen. Zur Kontrolle des Gebrauchs sollte bei Verdacht auf Missbrauch das Verhältnis der verordneten Menge zum Verbrauch bei gegebener Tagesdosierung bei jeder Weiterverschreibung überwacht werden.
Eine Überdosierung, insbesondere von Amphetaminen, kann zu zentralnervösen und kardio-vaskulären Schäden führen und cerebrale Anfälle, Bewegungsstörungen, Schweißausbrüche, delirante Zustände, Erbrechen und Halluzinationen auslösen. Dies ist bei einer Dosierung im therapeutischen Bereich nicht der Fall. Trizyklische Medikamente können kardiale Arrhythmien bewirken, Pemolin kann Leberschädigungen hervorrufen. Mögliche Wechselwirkungen des Methylphenidats sind in Tabelle 2 (s. Tab. 2: Wechselwirkungen von Methylphenidat mit anderen Medikamenten) angeführt. (Quelle: http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/ADHSLang.pdf)
Mögliche Nebenwirkungen kannst du bei fast jedem Medikament im Beipackzettel lesen, das ist klar. In dem Auszug oben wird jedoch auch immer wieder klar, dass bei der notwendigen Kontrolle und Begleitung durch den Facharzt diese Gefahr nicht groß ist. Bei einer verantwortlichen Behandlung nach den Vorgaben halte ich die Aussage, dass Kinder reihenweise tot umfallen, für sehr unrealistisch.
Aber gerade beim Thema ADHS werden dir viele extreme Meinungen Begegnungen begegnen, einschließlich der Frage danach, ob es diese Krankheit (wenn es denn eine wäre) überhaupt gibt und wie sie behandelt werden muss.
Das was ich mitbekommen habe, bringt mich zu der Ansicht: Es wird bisweilen vorschnell von ADHS ausgegangen, wenn ein Kind zu unaufmerksam ist und wohl auch bisweilen vorschnell eine entsprechende Behandlung angesetzt, die gelegentlich auch ohne die angeratene Diagnostik vor sich geht. Wenn du aber bei jemandem bist, der diese Diagnostik ordentlich durchführt, dann ist die Gefahr, dass dein Kind "einfach mal Tabletten verschrieben" bekommt - und aufgrund dessen vielleicht anfälliger für Nebenwirkungen ist - nicht so groß, wie wenn das nicht der Fall wäre.
Außerdem ist es natürlich so, dass ADHS nicht nur mit Tabletten behandelt wird. Angeraten ist eine sog. "multimodale Therapie", in der sonderpädagogische Maßnahmen, übende Verfahren, verhaltenstherapeutische Maßnahmen und medikamentöse Therapie auf die jeweiligen Notwendigkeiten des Kindes mit ADS / ADHS abgestimmt werden.
Selbsthilfegruppe zu diesem Thema findest du u.a. unter diesem Link (http://www.bv-auek.de/Seiten/Selbsthilfegruppen.html).
Viele Grüße und viel Erfolg bei eurem weiteren Weg!
Holger
busfahrerin
05.10.2007, 11:49
Hallo Roswitha,
das gleiche habe ich auch gehört. Ich selbst habe 2 Jungs, beide ADHS. Der Große hat dazu noch eine hochbegabung und der Kleine eine Intelligenzminderung, Entwicklungsredatierung,SB Ausweis 70%,G,B,H.
Beide Kinder bekommen Medikamente. Bei beiden musste die Dosis erhöht werden, da beide für die Schule fast nicht mehr tragbar waren.
In Amerika ist es aber leider so, das weiß ich aus Studien und von meiner Tante die schon ein paar Jahrzehnte da lebt, dass die Kinder die tabletten nicht bekommen um sich besser Konzentrieren zu können etc. sondern um ruhiggestellt zu werden. D.h. die Kids leben in einem Art Dämmerzustand. Und durch die Menge die die Kids bekommen kann sowas evtl. (wobei noch nicht 100% bewiesen) kommen. Bei meinem Arzt wird das so geregelt, dass er mit einer Dosis beginnt, ich das ganze im Auge haben muss wie er sich gibt (Konzentration,etc. und das bekommt der Arzt ein Feedback, entweder bleibt die Dosis so oder wird etwas erhöht.
Mein kleiner Sohn geht auf eine Geistigbehindertenschule und hat Unterricht von 8.30-15.30 und bekommt eine Tabl. pro Tag.
Hoffe Dir geholfen zuhaben.
LG Busfahrerin
rossi111274
10.10.2007, 22:37
Hallo,
vielen Dank an alle für Ihre Antworten.
Es hat mir sehr geholfen. Ich habe auch mittlerweile viel im Internet über ADHS gelesen und ich habe mir jetzt vorgenommen, mich gar nicht verrückt zu machen, bevor wir nicht das Ergebnis bekommen, ob er ADHS hat oder nicht.
Liebe Grüsse
Roswitha
Hallo Roswitha,
das ist doch schon mal ein guter Vorsatz. Warte erst mal ab und dann kannst du ggf. weiter sehen. Wäre schön, wieder hier von dir zu lesen, wenn du neue Infos hast! :-)
Liebe Grüße,
Holger
rossi111274
26.10.2007, 23:44
Hallo Holger,
wir haben heute endlich das Ergebnis bekommen. Er hat kein ADHS. Die Verhaltensauffälligkeiten hat er, weil er vom Alter her 5 Jahre und 7 Monate ist, aber einen Entwicklungsstand von einem 4 Jahre und 3 Monate altem Kind hat. Er wurde im Kindergarten wie ein fast 6jähriges Kind behandelt und gefordert und da er es nicht konnte, hat er dann abgeblockt und ist weggerannt, wollte nichts mitmachen, weil er wußte, das er es nicht kann.
Die Kinderpsychologin meinte wohl, daß die Anzeichen auf eine ADHS deuten, es aber an der Entwicklungsverzögerung liegen würde. Ich weiß nicht, ob dies wirklich der Fall ist, weil die Ergotherapeutin meinte, daß er bestimmt ADHS hätte und man ihn trotzdem medikamentös behandeln sollte. Ich weiß aber nicht, was passieren kann, wenn man ihn mit Ritalin behandeln würde, obwohl er vielleicht gar kein ADHS hat????
Haben Sie darauf vielleicht eine Antwort?
Wäre nett, wenn Sie mir antworten könnten.
Gruss Roswitha
Hallo Roswitha,
also ich weiß nicht, wo du die Diagnostik hast machen lassen, wenn du aber von einer Kinderpsychologin sprichst, dann war das recth wahrscheinlich eine fundierte Diagnostik, die einer medikamentösen Behandlung von ADHS immer vorausgehen muss.
Ich kenne natürlich weder die Umstände der Begutachtung, noch die Kinderpsychologin, noch die Ergotherapeutin. Wenn du aber ein entsprechendes Gutachten hast, dann würde ich mich darüber freuen, dass du deinen Sohnemann nicht mit Medikamenten behandeln musst. In meinen Augen muss eine Behandlung mit Medikamenten ein Arzt verschreiben und keine Ergotherapeutin. Und der wird sich (so ist zu hoffen) auf das entsprechende Gutachten stützen.
Stattdessen sollte man sich Gedanken darüber machen, wie man ihm in Hinblick auf seine Entwicklungsverzögerung schnell helfen kann, damit er sich vielleicht eben nicht mehr so überfordert fühlt und entspannter lernen kann. Das ließe sich z.B. in einen Kindergarten machen, der auf Entwicklungsverzögerungen eingestellt ist. Ich weiß nun nicht, wie diese in Hessen heißen, aber häufig sind diese an Förderschulen angegliedert. Die Förderschulen (ich würde mich an eine Schule für Lernhilfe wenden) in Wiesbaden findest du unter diesem Link (http://wiesbaden.de/loader.php?menue=/die_stadt/beruf_bildung/menue.php&content=/die_stadt/beruf_bildung/schulen/sonderschulen_in_wiesbaden.php). In einer solchen Vorschuleinrichtung gibt es kleinere Gruppen und er wird intensiver betreut und gefördert.
Nochmal: Ich würde mir keinesfalls einen Arzt suchen, der Ritalin verschreibt, weil meine Ergotherapeutin meint, das müsse so sein. Über Risiken und Nebenwirkungen frage eben deinen Arzt oder Apotheker (das heißt es nicht umsonst verpflichtend in jeder Werbung). Aber Ritalin sind definitiv keine Bonbons, die man halt schlucken kann oder nicht...
Viele Grüße,
Holger
tourette
29.10.2007, 18:00
liebe roswitha,
hat dein kind "merkwürdigkeiten", die dir besonders auffallen bzw. bisher aufgefallen sind? woraus schließt die psychologin, dass er ads hat? bitte schildere mal!
möglicherweise würde euch ein kinder- und jugendpsychiater weiter helfen als ein psychologe! das sind jedenfalls unsere erfahrungen!
lieben gruß
sigi