Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bruder Schwester - Neu hier -
mondlicht
31.07.2006, 10:19
Hallo zusammen,
ich möchte mich kurz vorstellen.
Ich bin 42 Jahre alt und habe vor 3 Monaten meinen behinderten Bruder (35 Jahre alt) zu mir und meiner Familie genommen. Unser Vater hat sich das Leben genommen und ich wollte meinen Bruder nicht bei meiner Mutter lassen, da sie der Grund für den Selbstmord war.
Ich wäre sehr glücklich wenn ich hier Menschen mit den selben Sorgen, Nöten und natürlich auch schönen Erlebnissen mit Behinderten finden könnte!
Es grüsste Euch
mondlicht http://www.intakt.info/forum/images/smilies/smile.gif
Hallo Mondlicht! http://www.intakt.info/forum/images/smilies/z_bye.gif
Erst einmal HERZLICH WILLKOMMEN hier bei uns im Forum!
Tut mir wahnsinnig leid, was in eurer Familie passiert ist. Ich glaube, mehr kann ich dazu nicht sagen, weil ich die Situation doch einfach nicht nachvollziehen kann.
Du suchst Leute, mit denen du dich austauschen kannst? Da bist du hier sicher richtig. Ich habe in unserem Geschwisterchat eine Frau, etwa in deinem Alter, kennen gelernt, die sich auch um ihre behinderte Schwester kümmert. Leider fällt mir momentan der Name nicht ein und ich kann dir auch die eMail-Adresse nicht geben. Aber vielleicht komm ich noch drauf, dann geb ich den Kontakt an dich weiter.
Wie ist das jetzt so bei euch zu Hause mit deiner Familie und deinem Bruder? Gibt es viele Reibungspunkte oder kommen sie mit der neuen Situation gut klar? Es ist wahrscheinlich schwierig, weil es sicherlich allen gerade nicht so gut geht...
Viele Grüße an dich und bis bald,
Holger
Hallo Holger,
zunächst vielen Dank für Deine liebe Antwort.
Im Moment sind wir in einem echten Gewissenskonflikt.
Am Anfang war es sehr schwierig für uns alle. Schließlich kam mein Bruder doch in einen Familienverband hinein und alle mussten sich neu "organisieren". Wir haben ihn umgehend in einem Wohnheim angemeldet, weil auch jeder sagte, es wäre wohl das Beste für ihn.
Mittlerweile weiß ich nicht mehr was ich machen soll. Meinem Mann und mir wäre es lieber, wenn er bei uns bliebe. Wir haben zwei Kinder eine Tochter, 16 Jahre alt und einen 18 jährigen Sohn.
Die zwei meinen es wäre unsere Entscheidung. Die Tochter ist ein wenig eifersüchtig, da mein Bruder sehr verschmust ist.
Wir wissen nicht was wir machen sollen, was meinst Du dazu?
Ich möchte ja zum Wohle meines Bruders entscheiden.
Liebe Grüße
mondlicht
yvonnejanssen
01.08.2006, 16:23
Hallo Mondlicht,
hier war schon einmal ein bisschen das Thema Wohnheim oder nicht.
Vielleicht hilft es dir ein bisschen. Auch ich habe dazu meine Meinung geschrieben:
Thema Wohnheim (http://www.intakt.info/cgi-bin/forum/ikonboard.cgi?act=ST;f=5;t=1608)
Bedenke, *dass du dein bruder nicht immer bei dir haben kannst, weil du irgendwann selber nicht mehr in der Lage sein wirst. Und dann wird dein bruder selber so alt sein, dass er kaum noch eine Chance hat sich in einer Wohngruppe einleben zu können oder aber ihr müsst womöglich das erst beste nehmen was ihr bekommt.
Liebe Grüße
Yvonne
Hall mondlicht !
Meine Frau (60} betreut ihre Schwester (56} seit ueber dreissig Jahren. Es wird immer schwieriger. Fuer jede Abwesenheit von mehr als 8 Stunden muss jemand gefunden werden, der nach ihr sieht und ihr essen macht. Es waere einfacher sie 2 oder 3 oder oefter mal im Heim zu besuchen oder abzuholen.
Ich als Ehemann stehe immer in der 2ten Reihe. Nicht angenehm.
Kapitänin
02.08.2006, 23:00
Hallo Mondlicht,
was möchte Dein Bruder denn? Vielelicht findet er es schön, selbständig wie möglich zu leben und eine tolle Familie zu haben, die ihm dabei hilft?
Ich hatet in einem sWohnehim gearbeitet, da gab es die Möglichkeit für Gäste, Urlaub zu machen. Wäre das eine Möglichkeit, das er ersteinmal Urlaub macht, um zu erleben, wie es dort ist und wie es ihm gefällt?
Tschööö
Kapitänin
mondlicht
04.08.2006, 19:44
Hallo zusammen,
vielen Dank für Eure netten Antworten.
Mein Bruder möchte bei uns bleiben, er hat Angst uns auch noch zu verlieren.
Schließlich hatte er in seinen 35 Jahren kein schönes Leben und macht diese Erfahrung erst jetzt.
Mein Mann steht voll hinter meinem Bruder.
Ich muss noch dazu "sagen", dass mein Bruder auf dem geistigen Stand eines ca. 10 jährigen Kindes ist, was sich nicht wesentlich ändern wird, da in der Vergangenheit keine Förderung stattfand.
Im Moment sind wir dabei ihn gesundheitlich auf die Höhe zu bringen, es steht eine OP an und diverse Arztbesuche.
Ich bin einfach hin und hergerissen.
Liebe Grüße
mondlicht
Hallo zusammen,
ich denke man kann nicht generell sagen, dass eine Unterbringung ausser Haus immer das Richtige und Beste ist.
Sicher , ich möchte auch, dass mein Kind möglichst selbstständig wird und am liebsten wäre es mir er kommt irgendwann einmal alleine zurecht oder aber in einer einer sehr kleinen, betreuten Wohngruppe, wo er möglichst *normal* und selbstbestimmt leben kann.
Grosse Hoffnungen setze ich auf das *persönliche Budget* mit dem sich Behinderte dann Assistenz und Hilfe nach ihren Bedürfnissen selber einkaufen können.
Sollte das nicht klappen ist für mich persönlich eine Unterbringung in einem grösseren Heim oder Einrichtung keine Option für mein Kind.
Warum? *Sicher gibt es gute und schlechte Heime und grosse Unterschiede in der Betreuung. Aber auch im besten Heim sind die Bewohner grösstenteils fremdbestimmt und müssen sich äusseren Vorgaben, Plänen und Bedürfnissen und Arbeitszeiten vom Personal (das leider meist sehr knapp bemessen ist) anpassen.
Mich bestärken meine Beobachtungen und Erfahrungen, die ich mit den Kindern aus dem sicher guten Heim bei uns in der Nachbarschaft und sonstigen Heimkindern an der Schule meines Kindes gemacht habe. Da merkt man deutlich welche Kinder nur in einem Heim aufgewachsen sind und wer erst später dort hingekommen ist, bzw. regelmässig Kontakt mit der Familie hat und öfters heimgeholt wird, ganz unabhängig von der Art der Behinderung.
Wenn eine intakte Familie/Umgebung mit genügend Personen und Freunden vorhanden ist, die sich die Pflege und sicher auch oft Belastung teilen können und in der es genügend Anregung und Zeit und Platz gibt, dann sehe ich darin eine bessere Alternative.
Früher war es doch auch selbtverständlich, dass Familien in mehreren Generationen zusammen lebten.
Entscheidend sollte auf jeden Fall auch der Wille des Behinderten sein.
Die optimale Lösung kann sicher immer nur individuell gefunden werden und hängt von den jeweiligen Wünschen, Möglichkeiten und Gegebenheiten ab.
LG, amai
Kapitänin
06.08.2006, 18:29
Hallo Mondlicht,
habtr ihr professionelle Unterstützung? Ihr habt einen Schock zu verarbeiten und trauert.
Was ist denn mit der Idee, das Dein Bruder erst bei Euch bleibt, dann durch Urlaube ei Wohnheimkennenlernt und später umzieht.
Ich denke aber, ihr braucht hilfe, holt die Euch, es steht Euch zu.
Wenn Dein Bruder erfahren hat, das er in einen Urlaub woanders sein kann und Euch kontaktieren kann etc. ist das doch eine Chance für ihn zu wachsen.
Er braucht bestimmt unterstützung.
Also, später Wohnhei, mit Schrittweise Hinführung?
Hallo Mondlicht,
möchte doch auch noch was dazu schreiben.
Ich denke, dass - wo das Geschehene gerade noch so frisch ist - ihr euch damit echt Zeit lassen solltet. Wenn du sagst, er hat Angst, euch auch noch zu verlieren, so kann ich das voll nachvollziehen. Von daher spräche doch nichts dagegen, das als eine Übergangslösung zu sehen für, sagen wir mal ins Blaue hinein, 1-1,5 Jahre, wenn das für euch machbar ist. Ich weiß ja nicht, wie sonst bei euch so die Situation ist, ob jemand seine Arbeit aufgeben müsste o.ä. ... Und dann könnte man ja so ran gehen und wie viele hier geschrieben haben, das langsam anzugehen, z.B. über Urlaub in einem Heim oder Urlaub mit einer Wohngruppe, wo er vielleicht Freunde findet oder irgendsoetwas. Lasst euch Zeit, aber denkt an die Zukunft. Klar hat er auch einen Willen, den man respektieren muss. Zum anderen gibt es aber immer auch äußere Bedingungen die da mit reinspielen. Und wenn's bei euch auf Dauer nicht geht (aus welchen Gründen auch immer), dann muss man das schon auch gelten lassen.
Und: je später er an den Gedanken heran geführt wird, weg von der Familie zu leben, desto schwieriger wird es. Das jemandem mit 65 beizubringen, wenn er so lange in der Familie gelebt hat, ist schon auch heftig...
Es gibt natürlich keine leichte Lösung ... aber ihr werdet bestimmt eine gute finden!
Liebe Grüße,
Holger
mondlicht
11.08.2006, 17:54
Hallo ihr Lieben,
vielen Dank für eure netten Worte.
Die Situation bei uns sieht so aus, dass wir selbständig sind und die Firma am bzw. das Büro im Haus haben. Wir sind also eigentlich ständig zugegen. Von daher wäre es kein Problem.
Ich denke auch, dass wir uns einfach noch Zeit lassen müssen. Es gibt noch so viel zu verarbeiten, das merke ich jeden Tag deutlicher.....
Liebe Grüße
mondlicht