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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : WELT-DOWN-SYNDROM-TAG heute


Gast
21.03.2006, 11:46
Liebe Forumsteilnehmerinnen und Teilnehmer,

vielen ist bekannt, das heute der Welt-Down-Syndrom-Tag ist. Dies nehme ich zum Anlass mal einige meine Gedanken und Wünsche hier im Forum niederzuschreiben.

Einer meiner größten Wünsche ist, das so schnell wie möglich das Gesetz zum Schutz des ungeborenen Lebens geändert wird. Heute ist es so, das eine schwangere Frau praktisch bis 1 Tag vor der Geburt eine Schwangerschaft straflos abbrechen kann, wenn die Voruntersuchungen ergeben haben, das dieses Kind eine Behinderung haben wird. Praktisch sieht das so aus, das bereits 7 oder 8 Monate alte Föten, die eigentlich lebensfähig wären und die auch bereits Empfindungen haben einfach von Ärzten (durch das Gesetz dazu legitimiert) praktisch getötet werden dürfen.
Diese, vom Gesetz erlaubte, Tötung des eigentlich lebensfähigen Kindes ist für mich ein unglaublicher und unhaltbarer Zustand. Glücklicherweise arbeitet der Gesetzgeber bereits daran, dieses Gesetz so abzuändern, das zukünftig lediglich dann noch ein Abbruch vorgenommen werden darf, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist und nicht mehr bei festgestellter Behinderung des Kindes! Ich hoffe, das dieses Gesetz schnellstens den Bundestag und Bundesrat passiert!

Ich wünsche mir außerdem, das mehr Schulen und Kindergärten eine Integration von behinderten Kindern befürworten und diesen Schritt gehen. Jedes Kind, das heute in der Schule mit einem behinderten Kind zusammen unterrichtet wird, ist eines weniger, das später über diese "anderen" Kinder lästert oder diese dumm anstarrt. Wir müssen in der heutigen Gesellschaft endlich lernen, das es eben auch Menschen gibt, die "anders" sind, das diese aber ebenso das Recht darauf haben, an der Gesellschaft teilzuhaben, wie jeder andere auch und das hier keine Ausgrenzung stattfinden darf. Je mehr Menschen bereits in Ihrer Kindheit mit behinderten Menschen zusammenkommen, um so einfacher wird dann in dieser Generation auch das zusammen Leben und Miteinander!

Einer meiner weiteren Wünsche ist, das das Pflegegesetz endlich reformiert wird, damit auch alle Kinder, die der Pflege bedürfen, diese erhalten könne. Das heutige Gesetz ist zu eng an die Probleme der Erwachsenen angelehnt und Pflegebedürftige Kinder fallen hier oft genug durch das Netz bei der Begutachtung, da deren Bedürfnisse gar keine Beachtung in den Pflegerichtlinien finden. Dies ist in höchstem Maße ungerecht. Auch wenn in heutigen Zeiten immer wieder die Rede von leeren Kassen ist, kann es nicht sein, das die Schwächsten und Kleinsten, die sich selber noch gar nicht wehren könne, darunter leiden müssen!


Ich hoffe, das sich meine wichtigsten Wünsche in absehbarer Zeit erfüllen und ich werde auch weiterhin selber darum kämpfen, DAS sich etwas ändert! Schreibt doch mal, was ihr für Wünsche und Gedanken habt......

Allen einen schönen Tag und möge der heutige Tag dem ein oder anderen lange in Erinnerung bleiben und ihn zum Nachdenken annimieren.

Harald

sani
22.03.2006, 22:33
Hallo Harald ich kann Deinen Wünschen nur zu stimmen !!!
Es muss sich endlich jede menge ändern !

Holger
24.03.2006, 12:58
Hallo Harald,

ich möchte mal vor allem auf den Bereich Bezug nehmen, wo es um die Schutz ungeborenen Lebens geht, weil ich mich damit gerade besonders beschäftige, nicht zuletzt wegen der beiden Expertenchats, die wir zu diesem Thema diese Woche hatten. Mich würde vor allem interessieren, was für ein Gesetz dabei in der Mache ist, denn davon habe nichts mitbekommen. Mein letzter Stand war, dass zwar alle einsehen, dass Spätabtreibung nicht sein sollte, aber dass es rechtlich gesehen wohl kaum eine Chance gibt das durchzubringen. Das einzige was ich mitbekommen habe, ist dass es die Enquete-Kommission "Medizin und Ethik" (oder so ähnlich) nicht mehr gibt, die ja u.a. auch dazu beraten hat. Das Argument für den Abbruch ist ja eben immer das "gefährdete" Leben der Mutter und nicht die Krankheit des Kindes an sich. Die sog. "embryopathische Indikation" ist abgeschafft worden, wodurch deutlich wurde, dass sie unserem Rechtssystem widerspricht. Argument für den Abbruch ist ja aber immer, die Belastung der werdenden Mutter. Und da liegt eben das Problem: Je mehr ein Kind in unserer Gesellschaft z.B. als untragbare Belastung gesehen wird, desto weniger kann man jemandem "verbieten", sich dieser Belastung zu "entledigen", wenn sie eigentlich noch gar nicht besteht (??).
Hier wimmelt es nur so von Anführungszeichen, weil ich deutlich machen will, dass das nicht meine Meinung ist. Aber das Problem ist echt ein gesellschaftliches und je mehr die pränatale Diagnostik fortschreitet und den Eindruck erweckt, man könnte "Risiken" unproblematisch umgehen, desto weiter geht die Entwicklung hier voran.

Ich habe kürzlich mit einem älteren Herrn gesprochen, der mir von einer Verwandten erzählt hat, die zwar alle mögliche Diagnostik gemacht hat und jetzt ein Kind bekommen hat, das - ich fasse seine Beschreibungen mal zusammen - schwerst behindert ist. Er hat erzählt von den Belastungen für die Eltern des Kindes und für die Großeltern, die vieles mittragen. Sein deutliches Resümee hinter vorgehaltener Hand war, es wäre für alle besser gewesen, das Kind wäre nicht geboren oder gleich gestorben.

So denken sicher viele und je mehr Leute so denken, desto schwieriger wird es leider, etwas gegen Spätabtreibungen zu tun und desto schwieriger haben es leider auch Eltern von behinderten Kindern, die dann doch immer wieder - und sei es durch die "Blume" - hören müssen, ob "das denn hätte sein müssen", wenn Sie mit ihrem Kind in der Öffentlichkeit auftreten.

Soweit meine Gedanken dazu.

Holger

Gast
24.03.2006, 17:41
Gerade beim Thema Down-Syndrom, aber durchaus auch bei anderen Behinderungen, sehe ich als einzig wirkliche Chance für ungeborene Kinder eine bessere Aufklärung der werdenden Eltern.

Solange es möglich ist, eine Schwangerschaft bei einem positiven Befund noch am gleichen Tag abbrechen zu lassen und es nicht wie bei Abbrüchen in den ersten 12 Wochen verpflichtend ist, sich beraten zu lassen und eine Bedenkzeit einzuhalten, so lange werden weiterhin Kinder mit Behinderungen abgetrieben, mit denen sowohl die Kinder als auch ihre Familien heutzutage in der Regel ziemlich gut leben können. Und vielfach wird nicht abgetrieben, weil Eltern ein Leben mit dem Kind tatsächlich für untragbar halten, sondern weil sie nicht über den aktuellen Stand informiert sind und DESHALB denken, dass ein Abbruch die einzige Lösung ist.

Das ist ein schlimmes Defizit, aber genau hier gibt es keine (gesetzlichen) Regelungen und keine verbindlichen Ansätze zur Beratung. Meistens kommt es auf die Meinung von einem (!) Arzt an und darauf, was Eltern im Kopf haben, wenn sie z.B. "Down-Syndrom" oder "Spina bifida" hören. Und schon ist der Termin gemacht in dem Glauben, man würde die typische "Wir haben es uns nicht leicht gemacht" - Entscheidung mit gutem Wissen zum zum Besten aller Beteiligten ("Wir wollten dem Kind dieses furchtbare Leiden ersparen!! [...und uns auch]") getroffen haben.

Kurz: Für den Staat ist es wohl (finanziell) günstiger, wenn weniger Kinder mit Behinderung geboren werden und auch für die Steuerzahler, die sich über Menschen mit Behinderung ihre Meinung nach der "Unnütze-Esser-Mentalität" bilden. Daher denke ich nicht, dass von der Seite des Gesetzes Regelungen zum Schutz ungeborener Kinder mit Behinderung getroffen werden. Wohin es meiner Ansicht nach früher oder später kommen wird, ist wahrscheinlich eher das Gegenteil: Wer Pränataldiagnostik nicht nutzt oder sich trotz vorgeburtlicher Diagnose FÜR ein Kind mit Behinderung entscheidet, wird nicht mehr auf die Solidargemeinschaft zählen können :-(

Bis dahin ist es hoffentlich noch eine Weile und die würde / werde ich nutzen, um mit der Aufklärung über insbesondere Down-Syndrom da zu beginnen, wo die Entscheidungen für oder gegen ein Kind getroffen werden: bei den Frauen und Männern, die ein Baby erwarten.

Liebe Grüße
Sabine

www.regenbogenzeiten.de

Gast
01.07.2006, 03:23
Ich habe eher eine anfragende Bitte !

Hat einer von Euch vor ca. 2-3 Wochen diesen erschütternden Bericht in Bayern 3 über die Ermordung von ungeborenen Kindern mit einer Down-Syndrom-Anomalie noch kurz vor der Niederkunft der Mutter gesehen ??

Wenn ja , bitte ich darum , per Email Kontakt mit mir aufzunehmen : knuffel54@gmx.de .

Solidarische Grüße

Wolfgang