PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schule für Geistigbhinderte


Gast
19.05.2004, 15:30
Ich bin alleinerziehender Vater einer 14jährigen Tochter mit Down Syndrom. Sarah ging vor ein paar Jahren noch auf eine normale Hauptschule und wurde im Zuge der Integration "mitgezogen".
Warum hat man mir nicht gesagt, das es auch andere Schulen, wie Waldorf-Schulen oder so etwas gibt und hat sie einfach auf diese Schule gesteckt.
Vergleichen Sie heute einmal Down Kinder, die auf normale staatliche geistigbehinderten Schulen gehen und welche, die auf andere Schulen gehen. Die staatlichen Schulen sind in meinen Augen reine Verwahrschulen, den Kindern wird nicht Lesen und Schreiben beigebracht, Sarah kann mit 14 Jahren noch nicht einmal die Uhr.
Ich kann nur jeden davor warnen, Ihr Down Kind auf diese Schulen zu tun.

Gast
19.05.2004, 17:15
Hallo Wolfgang,

danke das du dieses sensible Thema zur Diskussion gestellt hast. Hier wird es sicher noch einige Beiträge zu geben, daher fasse ich mich kurz:
Die Informationspolitik in Deutschland ist leider in sehr vielen Bereichen katastrophal. Anders kann man es nicht nennen. Als alleinerziehender Vater ist es sicher nicht das erste mal, das du bemerkst, das dir Informationen vorenthalten wurden. Dies ist natürlich ärgerlich, aber aus Schaden wird man(n) klug: Am ehesten bekommt man vollständige Informationen im Internet. Also bevor man irgendetwas beantragt oder eine Entscheidung trifft muß man sich umfassend informieren. Wenn man sich auf das verlässt, was einem die Krankenkassen, Jugendämter, Schulbehörden oder sonstige Institutionen sagen, dann ist man oft der dumme. Ich kann nur jeden davor warnen, den Behörden alles "abzukaufen". Informiert euch VORHER bei der Lebenshilfe oder bei Behindertenverbänden. Dort werdet ihr umfangreich beraten und dies meist kostenlos.

Im nachhinein kann man ja leider nichts mehr dran ändern http://www.intakt.info/iB_html/non-cgi/emoticons/angry.gif

Wolfgang, ein kleiner Trost: Unsere älteste Tochter (12 Jahre) hat keine Behinderung, aber sie kann die analoge Uhr (die mit Zeigern) trotzdem nicht lesen http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif

Anke
19.05.2004, 17:16
Hallo WOlfgang

Bitte veralgemeinere doch nicht. Meine fast 14 Jährige Tochter hat zwar kein D-Syndrom, geht aber auf eine staatl. Schule für geistig Behinderte. In Ihrer Klasse lernen hälftig Down-Kinder und sie lernen gut!. Es kommt hierbei nämlich nicht auf die Schulform, sondern auf den Lehrer an. Und die Lehrerin ist mit Leib und Seele Lehrerin, kam ursprünglich aus dem Grundschulbereich und ich bin mehr als zufrieden.

An der Entwicklung unserer Kinder sind auch nicht nur Lehrer und Schulen verantwortlich. Die Uhr kann man als Eltern den Kindern auch lernen - dies nur als Beispiel.

Wie lange geht Deine Tochter denn nun schon auf diese staatliche Schule, und warum reagierst Du erst jetzt. Du hättest Deine Tochter längst umschulen lassen können. Und die Information, welche Möglichkeiten ich als Mutter oder Du als Vater hast, wo Dein Kind lernen kann, welche Schulformen es gibt etc. darum kann und sollte man sich als Eltern selber kümmern. Sicher wäre es toll gewesen, wenn einem diese Möglichkeiten aufgezeigt worden wären, seitens der Schule, aber darauf hat man kein Recht.

Wenn ich Dich so lese, klingt es jedoch, als wär das alles sang und klanglos an Dir vorbei gegangen, das kann doch so nicht sein. Bei uns gibt es Integration von der 1.4. Klasse, danach wussten unsere ELtern, dass Ihre Kinder dann auf eine G-Schule oder L-Schule müssen und haben sich ggf. kurz vor diesem Wechsel um andere Möglichkeiten gekümmert.

Lebt Deine Tochter bei Dir?
Anke

HHelmutS
19.05.2004, 20:17
Hallo Wolfgang,

einerseits kann man so pauschal nicht sagen, das sich behinderte in Sonderschulen schlechter entwickeln als in integrative(re)n Schulen. Es gibt gute integrative Schulen.... und solche, wo behinderte Kinder eher dazu dienen den Titel zu tragen, und für andere atracktiver zu erscheinen... als das es da tatsächlich um die integration von Behinderten geht. ( Im Forum von Eltern.de gab es gerade so ein Thema ). Genauso gibt es "einfache Sonderschulen" die behinderten tatsächlich in ihrer persönlichen Entwickelung fördern... und solche die sich darauf specialisiert haben, sie ledigilich für eine billige Abwickelung ihrer Lebenphase gefügig zu machen.... . Ich frage mich schon wann von Seiten der politischen Führung die Berufsbezeichnung : Behindertenlebenbilligabwickelfachangestellte " für solche Schulen eingefürhrt wird.... was den Karakter der dort Beschäftigten besser trifft als "Sonderschullehrer". ( Sonderbareleher.. wäre für den Anfang schon nicht schlecht;-)) )

Dazu kommt dann noch der Umstand, das verschiedene Kinder, egal ob behindert oder nicht, in unterschiedlichen Umgebungen, unter "gleichen" oder als "auffällige" Einzelintegration, mit viel Druck oder viel Zeit, unterschiedlich reagieren, so das man letztlich nur schwer... wenn überhaupt nur nach sehr genauem hinsehen... nachträglich sagen kann, was zur Zeit der Einschulung vor Ort besser gewesen wäre.

Wenn deine Tochter tatsächlich das potenzial hat sich genau so zu entwickeln wie andere Kinder mit DownSyndrom, wird sie es bei entsprechender Förderung früher oder später tun, wobei später nicht heißen muß, das sie es bei anderem Umgang mit ihr eher geschaft hätte.

:-) Helmut