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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nicht nur in Deutschland diskriminiert


Gast
21.04.2004, 03:07
Aussonderung von Kindern mit Down-Syndrom nicht nur in Deutschland. Aber lest selber und bildet euch eure eigene Meinung dazu:

Zitat Anfang:

Am 18. März 2003 begann die Allgemeine Krankenhausgesellschaft in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen eine Kampagne für eine makabere Sparmaßnahme: Künftig soll Geld gespart werden, indem man Schwangere daraufhin untersucht, ob der Fötus das Down-Syndrom aufweist. Wenn es gelänge, so die Argumentation, auf diese Weise jährlich zehn der statistisch zu erwartenden zwölf Geburten von Kindern mit dem Down-Syndrom zu "verhindern", spare die Stadt im ersten Jahr zwei Millionen Dänische Kronen und insgesamt etwa 100 Mio. Kronen, denn so viel würden die zehn "nicht geborenen" Kinder andernfalls kosten.
Leider ist es in unserer westlichen "Zivilisation" schon übliche Praxis, Schwangeren bei frühzeitiger Feststellung möglicher Behinderungen des erwarteten Kindes zu einer Abtreibung zu raten. Die Motive der Gesellschaft dabei sind zynisch, denn sie will Geld sparen; die Eltern, die darauf eingehen, wollen sich kein behindertes Kind "aufbürden". Die Stadt Kopenhagen will nun allen Schwangeren eine kombinierte Untersuchung anbieten: einen Bluttest der Schwangeren und eine Ultraschall-Untersuchung des ungeborenen Kindes. Ob diese Tests obligatorisch oder freiwillig sein werden, darüber wird noch gestritten.

Die Vorsitzende der dänischen Nationalen Vereinigung für Down-Syndrom, Kitt Boel, kritisierte die Entscheidung Ende März in einem Artikel im Kristeligt Dagblad. Mit dieser Entscheidung signalisiere man: "Wir hier in Dänemark wollen keine Menschen mit Down-Syndrom." Im Namen ihrer Vereinigung erklärt Frau Boel: "Wir betrachten diese universellen Untersuchungen als einen Weg, der immer weiter nach unten führt. Nichts in dem Bericht der Arbeitsgruppe [der Kopenhagener Krankenhäuser] läßt darauf schließen, daß die technisch orientierte Forschung bei dieser Maßnahme haltmachen wird. Wir halten es für sehr wichtig, daß die Politiker und wir alle uns die Frage stellen, ob wir aus Dänemark einen glücklicheren Ort machen, wenn wir jedes Jahr etwa 40 Ungeborene mit Down-Syndrom auslöschen? Als Mitglied dieser Gesellschaft und als Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom hoffe ich, daß man meinen Sohn als den Menschen ansehen wird, der er ist. Und nicht als Zustand, den wir untersuchen wollen." Man könne menschliches Leben nicht mit einem Preisschild versehen.

Das dänische Schiller-Institut unterstützt Frau Boel mit Nachdruck. Das Schiller-Institut hält es für eine Katastrophe, wenn man wie in den 30er Jahren eugenische Maßnahmen fordert und dies auch noch mit finanziellen Erwägungen begründet. Dies wäre, so der Vorsitzende des dänischen Schiller-Instituts Poul Rasmussen, eine unannehmbare Wiederholung der Geschichte.

Zitat Ende

Demnächst kann man sich sicher auch im Katalog aussuchen, welche Haarfarbe das Kind hat und wie groß es ist :-( Schöne neue Technik-Welt

Gruß
Harald

amai
21.04.2004, 09:40
Hallo Harald http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif,
im Grunde ist es hier in Deutschland ja nicht anders auch wenn ich hier noch von niemand gelesen oder gehört hätte der das so offen propagiert und begründet.
Insgeheim gibt es aber schon lange diese Tendenz und Bestrebungen was sich ja leider an der Tatsache ablesen lässt, dass fast alle pränatal erkannten Kinder mit Down-Syndrom abgetrieben werden.
Ich kann und möchte niemanden verurteilen der diese schwere Entscheidung für sich trifft das Kind nicht annehmen zu können und auch nicht mal auszutragen sondern einfach abzutreiben; wobei -besonders makaber!- die deutsche Gesetzlage quasi eine Abtreibung bis Ende der Schwangerschaft zulässt und dazu die Aussage der werdenden Mutter genügt sie fühle sich psychisch nicht in der Lage das Kind auszutragen (siehe bitte auch www.tim-lebt.de hier gibt es nähere Infos dazu.)
Was ich allerdings verurteile ist die überwiegende Haltung der verantwortlichen Ärzte die Beratungen in der grossen Überzahl so gestalten dass die Abtreibung als *bessere* oder einzige Alternative dargestellt wird.Ich kenne die Aussage einer Medizinstudentin der in ihrem Studium gelehrt wird dass es oberstes Ziel sein müsse in der Beratung darauf hinzuwirken dass die *richtige* Entscheidung getroffen wird, wobei kein Zweifel daran gelassen wurde das man mit der *richtigen* Entscheidung die Abtreibung *meinte.Wie soll ein Elternpaar bzw. eine Mutter wirklich entscheiden können wenn Ihnen die Zukunft mit einem behinderten Kind in den schwärzesten Farben und als einziges Unglück geschildert wird und dann natürlich auch der Druck der Gesellschaft und Umwelt dazu kommt.
Wenn nicht wirklich objektiv aufgeklärt wird was auf die Familie zukommen KANN....weil niemand kann mit Sicherheit sagen ob es sich denn so entwickelt wie man vermutet oder vielleicht besser oder schlechter. Ich finde man sollte werdenden Eltern auch Kontakt zu Eltern und Kindern mit der betreffenden Behinderung vermitteln damit sie sich selber ein Bild machen können.
Machen wir uns nichts vor :sicher ist es mit einem behinderten Kind nicht immer einfach zu leben und auch ich bin bisweilen traurig, unglücklich und bisweilen sogar überfordert was aber in den allermeisten Fällen NICHT an der Behinderung und Pflege meiner Kinder liegt sondern an den Anstrengungen und Auseinandersetzungen die mir der Umgang mit Ämtern, Kassen und Institutionen auferlegt und abverlangt und manchmal die dummen oder negativen Reaktionen der Umwelt.
Hier sollte und muss sich noch viel ändern.

An alle die Kosten-Nutzenrechnungen auftun kann ich nur sagen das man nicht einfach sagen kann ein gesundes Kind sei *kostenneutral* und ein behindertes koste unmäßig, weil das so einfach nicht stimmt.
Auch *gesunde* Kinder können erhebliche Kosten über das *normale* Maß heraus verursachen denkt zum Beispiel mal an all die verhaltensgestörten und aggressiven Kinder oder Kinder die kriminell werden oder drogenabhängig.
Zudem können uns unsere behinderten Kinder und Mitmenschen Werte und Eigenschaften aufzeigen, vermitteln und lehren die immateriell aber doch mit Geld nicht zu bemessen sind: Geduld, Freude- am Leben allgemein und auch an den vielen kleinen wertvollen Dingen im Leben,Mut, Kraft, Sensibilität und ehrliches Mitgefühl für andere (ich kenne wenige Menschen die wie mein Sohn in der Lage sind intuitiv die Verfassung des Gegenübers zu erfassen und darauf einzugehen indem er z. B. versucht zu trösten und aufzumuntern) Treue,Freundschaft, Loyalität u.v.m.

Alle Leute die meinen oder fragen ob es nicht besser sei solche Leute würden nicht leben kann ich nur sagen: Gesundheit ist kein Verdienst sondern ein Geschenk was einem jederzeit wieder genommen werden kann!
Bisweilen werde ich auch direkt und frage solche Leute ob sie denn dann konsequenterweise für den Fall eines Unfalles oder schwerer Krankheit schon ihre Patientenverfügung bereit haben in der sie alle lebensrettenden Maßnahmen für sich untersagen wenn die Möglichkeit besteht dass sie schwer beeinträchtigt und /oder pflegebedürftig werden könnten und ob sie dann auch konsequenterweise den Suizid wählen sollten sie trotzdem überleben. Meist reicht das dann doch um die Leute ein wenig zum nachdenken zu bringen.
Ich hoffe ich komme nicht zu hart und polemisch herüber aber das Thema berührt mich eben sehr und ich reagiere dann auch emotional.

Wie schon in einem anderen Thread geschrieben: " Der Wert und die Kultur einer Gesellschaft ist abhängig davon wie sie mit ihren schwächsten Gliedern umgeht!" leider weiss ich nicht von dem diese Zitat stammt ,aber ich kann mich dem nur anschliessen.

LG, amai

Gast
22.04.2004, 00:34
Das Ursprungs-Zitat ist wohl von Kurt Tucholsky:

Sage mir,
wie ein Land
mit seinen politischen
Gegnern umgeht,
und ich will dir sagen,
was es für einen Kulturstand hat.

Es ist vielfach verändert worden, der Sinn ist aber meiner Ansicht nach der gleiche geblieben und lässt sich auch auf Menschen mit Behinderung übertragen.

amai
22.04.2004, 00:44
Hallo Bille http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif,
danke für die Aufklärung .
Noch ein Zitat dem ich mich gerne anschliesse:" Es ist normal, verschieden zu sein." (ehem. Bundespräsident Richard v.
Weizsäcker
LG, amai