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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Integrationsgruppe oder Regelkindergarten?


Gast
07.11.2002, 13:24
Hallo,

ich wollte mal fragen, welche verschiedenen Möglichkeiten der Integration in Kindergärten es tatsächlich gibt, da das Thema für mich noch sehr neu ist.

Unsere Tochter Katharina ist aufgrund einer Ataxie (als Funktionsstörung des Kleinhirns) entwicklungsverzögert. Was bedeutet, daß sie sich vor allem im motorischen Bereich sehr langsam entwickelt und auch das Spielverhalten nicht altersentsprechend ist. (Behindertenausweis mit 50%) Sie sollte nächstes Jahr im Herbst in den Kindergarten, denn dann ist sie 3 1/2 Jahre alt und die Therapeuten der Frühförderung meinen, sie bräuchte unbedingt die Förderung eines heilpädagogischen Platzes möglichst integrativ.

Da wir bald aufs Land umziehen habe ich mich mal schlau gemacht über die Möglichkeiten, die unser neuer Wohnort in die Richtung bietet und festgestellt, daß es dort zwar einen Kindergarten mit Integrationsgruppe gibt, der aber zur Nachbargemeinde gehört und uns deshalb ein Bewerber auf den einzig freien Platz aus dieser Gemeinde in jedem Fall vorgezogen werden müßte. Damit ist natürlich sehr schwer zu kalkulieren.
Jetzt habe ich von der Möglichkeit der Integration einzelner behinderter Kinder in einen Regelkindergarten gehört, bei der dann eine zusätzliche Kraft angestellt werden würde, um das Kind entsprechend zu fördern. Das fände ich natürlich toll, weil ich dann gerne den Kindergarten am Ort ansprechen würde, der auch nur fünf Gehminuten entfernt liegt und damit unsere Tochter viel besser in die Dorfgemeinschaft reinwachsen würde.

Kann mir jemand sagen, welche rechtlichen Grundlagen ich dabei beachten müßte, und welche Stelle genau, die Sache bezahlt. Wir sind in Bayern, evtl. das Landratsamt?
Ich würde einfach gerne genauer Bescheid darüber wissen, bevor ich mit dem Kindergarten sprechen, um besser argumentieren zu können.

Erstmal vielen Dank und sorry, daß der Text gar so lang wurde

Michaela

INTAKT_Uwe
07.11.2002, 17:57
Hallo Michaela,
wie Du bereits beschrieben hast, gibt es (in Bayern) diese beiden grundlegenden Möglichkeiten der Integration im Kindergarten: integrative Kindergartengruppen und Einzelintegration im Regelkindergarten.

Das Bayerische Kindergartengesetz bestimmt in Artikel 1, dass der Kindergarten eine Einrichtung für Kinder vom 3. Lebensjahr an bis zum Beginn der Schulpflicht ist. Der Kindergarten ist also ohne Unterschied offen für alle Kinder, also auch für Kinder mit Behinderung. Regelkindergärten sind also nach dem Gesetz verpflichtet, auch Kinder mit Behinderungen aufzunehmen. Leider gibt es kein übergreifende Regelung für ganz Bayern. Die einzelnen Bedingungen und die Kostenübernahme wurde auf Bezirksebene ausgehandelt, und ich kann Dir leider nur die Situation in Unterfranken beschreiben. In den anderen Bezirken sollte es aber ähnlich geregelt sein.

Es gibt zwei verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten für die Integration im Kindergarten, die gleichermaßen für Regelkindergärten, als auch für integrative Kindergartengruppen gelten. Nach § 39 und 40 BSHG werden normalerweise Pflegeentgelte und Einzelfallhilfe für wesentlich behinderte oder von wesentlicher Behinderung bedrohte Kinder bezahlt. Diese Kosten werden vom jeweiligen Bezirk getragen. Man muss zu diesem Zweck mit dem sozialpädagogischen Dienst des Bezirks Kontakt aufnehmen. Beim Vorliegen einer sog. seelischen Behinderung (z.B. traumatische Erlebnisse, Verwahrlosung etc. ) greift Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIIII, die beim Jugendamt beantragt werden muss.

Viel ist bereits erreicht, wenn der Regelkindergarten sich mit der Aufnahme des Kindes einverstanden erklärt. Als nächstes muss ein Antrag auf Eingliederungshilfe gestellt werden. Und schließlich braucht man noch eine Fachkraft, die mit einem bestimmten Stundenkontingent für das Kind eingestellt wird.

Weitere Informatione findest Du unter:
- INTAKT - Rubrik Integration im Kindergarten (http://www.intakt.info/anlaufstellen/integration_kindergarten.htm)

Viel Glück!

Marion und Co.
07.11.2002, 22:57
Hallo Michaela,
unser Raphael geht als Einzelintegration in einen Regelkiga, klappt hervorragend. Wir sind auch aus Bayern, Nähe Chiemsee, woher seit ihr, vielleicht auch aus meiner Nähe?http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif?
http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif Marion und Co.

KatharinaMichi
09.11.2002, 06:08
Hallo nochmal,

danke für die Antworten, da komme ich jetzt schon mal ganz gut weiter. Wir sind jetzt in München, ziehen dann aber ins Allgäu und gehören zum Bezirk Schwaben. Aber ich krieg das jetzt schon mal auf die Reihe.

Erstmal weiterhin alles Gute für Euch

wünscht Michaela

Gast
29.11.2002, 15:52
Hallo,
mach es doch ganz einfach,gehe in den Kindergarten und sprich mit den Damen dierekt.Die Damen dort müssen ja schließlich mit dem Kind zurecht kommen.Das weitere regelt sich dann von ganz allein,war zumindest bei uns so.Wir wohnen jetzt seit 8 Jahren in einem kleinen Dorf,als unser Tim dann da war,ist meine Frau viel mit ihm gelaufen und hat dadurch schon mal die Kindergärtnerinnen kennengelernt.
Die Damen haben sich dann sofort bereit erklärt unseren Tim aufzunehmen,das ging ganz ohne Probleme von statten auch die gemeinde hat keine Probleme gemacht und dem Kindergarten sogar zugesichert das er alles bestellen kann was für unseren Tim gebraucht wird.
Er geht jetzt seit 2 Monaten in den KiKa zwar nicht den ganzen Tag,er kann noch nicht laufen aber immerhin die Damen dort kümmern sich sehr gut um ihn und er kann nur lernen von den Kindern dort.Also einfach hingehen und dierekt mit den Damen sprechen.

gruß

Jürgen

Jacky mit Kids
29.11.2002, 20:36
Hallo Michaela!!!
Also ich muss sagen , das ich Integration ehrlich überhaupt nicht verkehrt finde.......
meine "Vorredner" haben ja die Erfahrung mit der Einzelintegration im Regelkindergarten gemacht, wir hingegen haben die Erfahrung mit der Integration in einem heilpädagogischen Kindergarten gemacht, und zwar 2 mal, je von einer anderen Seite aus....
Meine Große ist jetzt knapp 11 J. alt ( Tetra-Parese ) und ist damals als behindertes Kind in eine Integrations-Gruppe gegangen mit 4 behinderten und 11 nichtbehinderten Kindern.
Meine Jüngste, knapp 4 J. alt, geht seit einem knappen 3/4 Jahr ebenfalls in diese Integrations-Gruppe, und zwar als nichtbehindertes Kind, ich habe sie ganz bewußt in dieser Kita angemeldet.
Ich muss sagen , das für meine Kinder diese Art des Kindergartens optimal ist/war, denn die Große hat sich damals genauso wohl dort gefühlt wie die Kleine dort jetzt, und es ist einfach schön zu sehen, das alle irgendwie voneinander "lernen", die Behinderten von den Nichtbehinderten und umgekehrt......

Liebe Grüße,
Jacky mit Kids

Ulrich
02.12.2002, 09:16
Hallo,

für uns war mit unserer mehrfachbehinderten Tochter noch ein weiterer Aspekt bei der Entscheidung für die integrative Einrichtung wichtig.
Bei der Einzelintegration ist man als Eltern eines behinderten Kindes u.U. alleine, das was man im Interesse des Kindes durchsetzen möchte ist alleine zu erstreiten.
In einer integrativen Einrichtung sind diese Punkte leichter durchzusetzen weil mehr Unterstützung anderer Eltern zu erhalten ist, oder, das was man will gibt es schon.

Ulrich