Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Entscheidung für das Kind in jedem Fall
Hallo,
ich bin mit meinem dritten Kind schwanger und möchte es in jedem Fall zur Welt bringen. Nun gibt es die Möglichkeit, eventuelle Schäden wie z.B. Spina Bifida bei einem Ultraschall um die 20. Woche rum zu diagnostizieren.
Mich verunsichert es, wenn ich in einem anderen Forum lese, dass eine Frau ihr Kind mit Absicht in der 25. Woche zur Welt bringt, weil es einen "offenen Rücken" hat. Ich weiß, das eine Schädigung des Neuralrohres unterschiedlich schwere Schädigungen mit sich bringen kann.
Tue ich etwas Schlechtes, wenn ich ohne Rücksicht auf die Schwere der Schädigung mein Kind austragen möchte? Mit einer Abtreibung, die im Falle einer künstlich hervorgerufenen Frühgeburt für mich einer Tötung gleicht, könnte ich nie leben.
Ich erhoffe mir in diesem Forum seelisch-moralische Unterstützung für meine Position.
Ich finde deine Position nicht egoistisch oder sowas; wahrscheinlich ersparst du dir und dem Baby dadurch letztlich eine ganze Menge an Stess. Wenn du dich mal durch das ein oder andere Forum für werdende Mütter klickst, wirst du schnell merken, wieviel Angst und Verunsicherung die pränatale Diagnostik mit sich bringen kann. Nix ist dann mehr mit "guter Hoffnung", da wird jede noch so harmlose Ungenauigkeit zum größten Alarmfall, denn als Laie kann man nun mal nur sehr bedingt einschätzen, was man da zu hören und zu sehen kriegt. Und wenn ein Arzt auch nur sagt "Hmmmm, das müssten wir mal beobachten...", spielen die Nerven der werdenden Mami verrückt. Was soll das heißen? Ist was nicht in Ordnung? Sagt der mir nicht alles? usw.
An vielen Behinderungen kann man vorgeburtlich sowieso nichts machen. Allerdings in Bezug auf körperliche bzw. organische Fehlbildungen wie z.B. Spina bifida, Gesichtsspalten, Bauchspalten oder auch Herzfehler kann eine vorgeburtliche Diagnose schon den großen Vorteil mit sich bringen, dass man 1. nach der Geburt nicht unerwartet damit konfrontiert und, ja, auch schockiert wird, und dadurch das Geburtserlebnis als eigentlich schönes, freudiges Ereignis einen ganz negativen Ton bekommt. Bei vorgeburtlich erfolgter Diagnose hat man die Chance, sich vorab gründlich zu informieren, sich darauf innerlich wie äußerlich einzustellen und dem Baby einen Empfang zu bereiten, der nicht von einer Schocksituation geprägt ist. Und 2. ist es bei vielen körperlichen bzw. organischen Fehlbildungen von großem Vorteil, wenn ein kompetentes Entbindungsteam das Baby in Empfang nehmen und gleich angemessen versorgen kann. Man hat bei pränataler Dignose hier die Möglichkeit, sich auf die Geburt und die Zeit danach bewusst einzustellen. Evenuell auch auf eine besondere Entbindung. Man kann die Klinik unter den Gesichtspunkten auswählen, die für das Baby am günstigsten sind und das Entbindungsteam weiß ebenfalls, dass es wahrscheinlich etwas anders zugehen wird, als bei Geburten von Regelkindern.
Kurz gesagt: Es geht bei Pränataldiagnostik immer darum, den Weg zu wählen und die Entscheidungen zu treffen, mit denen man langfristig am besten körperlich und psychisch klarkommt. Das kann natürlich bedeuten, die (zusätzlichen) Untersuchungen komplett abzulehnen. Das kann aber auch bedeuten, die möglichen Untersuchungen auf ihre Vor- und Nachteile hin zu überprüfen und Nutzen und Risiken gegeneinander abzuwägen.
Und nie darf vergessen werden: Die Entscheidung liegt immer bei dir! Selbst wenn nun tatsächlich eine Behinderung auffallen würde, bedeutet das nicht, dass du die Schwangerschaft abbrechen musst. Vielfach wird es heutzutage einfach vorausgesetzt, dass Behinderung = Abtreibungsgrund ist. Das ist aber nicht so. Es ist immer eine persönliche Entscheidung. Und die trifft jeder für sich.
Vielleicht ist diese Seite interessant für dich: http://www.regenbogenzeiten.de Da kann man viel über die Untersuchungen nachlesen, die gerade so "in" sind. Sich selbst ein Bild zu machen, ist sicher nicht verkehrt sondern kann nur helfen, seine Entscheidungsoptionen zu durchdenken und eine Wahl zu treffen.
Alles Liebe und Gute!!
Lena
Vielen Dank, Lena!
Natürlich möchte ich einen Ultraschall vor der Geburt machen lassen, einfach um die Bedingungen für eine Geburt abzuklären. Bei einer erkennbaren Schädigung etwa des Rückenmarks käme eine Geburt im Geburtshaus oder zu Hause gar nicht in Frage. Auch leuchtet es mir ein, dass man sich seelisch auf die Geburt eines "behinderten" Kindes einstellen kann, so denn die Diagnostik darüber Aufschluss gegeben hat.
Für mich käme aber wirklich nur der Ultraschall in Frage, und der müsste dann auch nicht schon in der 20. Woche erfolgen, da ich das Kind eh austragen möchte.
Mich verunsichert im Prinzip dieses Verständnis für Erwachsene, die sich gegen das Kind entschieden haben, weil eine Behinderung diagnostiziert worden war, und die erneut schwanger werden wieder mit der Option "wenn es behindert ist, treibe ich ab". Wenn Frauenärzte verklagt werden, weil sie die Behinderung des Kindes in der Schwangerschaft nicht festgestellt haben, verunsichert mich das. Verunsicherung in der Hinsicht, dass ich mich zu einer Rechtfertigung gezwungen fühle, warum ich "so ein" Kind zur Welt wissentlich bringe. Aber ich finde es absurd, wenn ich mich dafür rechtfertigen müsste.
Hallo Elefant http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif
Ich bin ja absolut erstaunt endlich mal von jemandem zu lesen, der diese Einstellung hat.
Meine Tochter ist mit verschiedenen Einschränkungen als besonderes Kind zu Welt gekommen. Wir wussten es erst einige Tage vor der Geburt. Für uns der absolut einzig gangbare weg. Wir hatten eine wunderbare schwangerschaft und ich bin fest davon überzeugt dass dies dazu geführt hat, dass meine tochter einen solch starken lebenswillen entwickelt hat, uns dann neun schöne wenn auch manchmal schwere Monate zu schenken. Inzwischen ist sie gestorben und ich bin wieder schwanger.....
stosse dabei immer wieder auf unverständnis, wenn ich anklinggen lasse, dass ich mich wieder für die ganzheitliche betreuung durch meine hebamme entschieden habe und plane nur einen US zu einem späten zeitpunkt der SS machen zu lassen, um zu planen wo das kind am besten zur welt kommen soll, denn ich wünsche mir eine geburt zu hause und nur bei eindeutigem verdacht dass wieder etwas nicht stimmt würde ich in die klinik ausweichen, der ich leider gar kein vertrauen entgegenbringe.
ich könnte ein kind nicht töten, egal wie krank und behindert es sein könnte, ich empfinde es für mich einfach so, dass ich kein recht dazu habe. ich habe erlebt wieviel lebenswillen unsere kinder mitbringen und denke dass sie am besten selbst entscheiden können ob sie leben möchten oder eben nicht. erfahrungen von anderen sind in die gleiche richtung.
man muss sich bei den pränataldiagn. untersuchungen immer fragen mit welcher intension sie durchgeführt werden. wenn ich mir sicher bin, mein kind unter allen umständen behalten zu wollen, macht es für mich wenig sinn alle paar wochen zum US zu gehen und alle möglichen untersuchungen hinter mich zubringen. ich denke dass viele auch diese untersuchungen machen ohne genau über die folgen nachzudenken und dann im zweifelsfall aus allen wolken fallen, weil sie sich eigentlich nur versichern wollten das alles in ordnung ist.
alarmierend finde ich die einstellung der gesellschaft. es wird einerseits alles getan behinderungen in der ss zu finden und dann die möglichkeit der abtreibung anzubieten, gleichzeitig gibt es aber nur glückliche und lächelnde eltern. die broschüre unserer "verwaisten Eltern" gruppe legt kein FA freiwillig in seiner Praxis aus, sowas hat es nicht zu geben, Ss ist schön und glücklich und keiner redet von der unablässigen suche nach ungereimtheiten und die damit verbundene leider gesellschaftlich gewollte selektion. in unserer elterngruppe ist eine mutter die sich nach auffälligem US Befund (oder Fruchtwasseru. ich weiß es jetzt nicht genau) in Richtung Abtreibung beraten liess und dies heute bitter bereut, auch davon spricht wohl kaum einer.
Lieber elefant :-)! ich finde deine einstellung gut. es ist allein deine sache. ich verurteile eltern die sich gegen ein besonderes kind entscheiden nicht, aber für mich kann ich das einfach nicht so annehmen und gehe gern einen anderen weg, auch wenn der manchmal nicht so ganz einfach ist.
sei gegrüßt
nicole
Hallo Elefant,
Ich unterschtuerze Pozition und Woerte die Lena und Nicole hat vor mir dir geschrieben.
Von meines Sichtpunkt, prenatale Diagnistic kannst nix auf 100 % garantieren und sagen. Aber ganz viel Stress kannst es ja machen.
Ich wuensche dir viel Liebe und Gesundheit.
Alex
www.dzwony.iatp.org.ua
My Webpage (http://www.dzwony.iatp.org.ua)
Vielen Dank, dass Ihr mir antwortet! Ich habe in eurem Forum gelesen und das macht wirklich Mut. Auch bei meinen vorangegangenen Schwangerschaften habe ich entschieden, nichts gegen das Kind zu tun, es so zu nehmen, wie es kommt. Aber da war dennoch immer Angst gewesen, was wäre wenn. Wenn ich nun in diesem Forum lese, dann vergeht auch diese Angst. Soweit meine - die Eltern- Seite.
Etwas, das von einigen Mitmenschen bezweifelt wird, ist ja die Lebensqualität eines Menschen mit Behinderung. Ich denke, es gibt kein Leben, das es nicht wert wäre zu leben (dazu zähle ich nicht, wenn sich Menschen das Leben gegenseitig schwer machen, wenn Menschen Menschen quälen - aber das sollte hier jedem klar sein, dass ich das nicht meine). Aber früher als Kind dachte ich selbst immer, blinde Menschen verdienten tiefstes Mitleid, weil sie nicht wie ich sehen können und für mich das Sehen so wichtig ist. Heute habe ich dazu eine andere Einstellung, die ich nur sehr schwer erklären kann. Ich muss an die Lehrerin denken, die äußerst sorgenvoll über die Lern"rückstände" meiner siebenjährigen Tochter sprach, so als bestimmten Lerntempo, Arbeitstempo und mathematisches Denkvermögen über Glück oder Unglück des Kindes. Eine Sehbehinderung mag etwas anderes sein als das Unvermögen, bestimmte Anforderungen in der staatl. Regelschule zu erfüllen, aber als Kind hatte ich auch über Schul"versager" gedacht, ihnen würde Lebensqualität selbst in ihrer Freizeit verloren sein. An meiner Tochter sehe ich das Gegenteil. Ich nehme sie so, wie sie ist und relativiere die Maßstäbe, mit denen andere sie messen.
soweit erstmal
quietschteddy
07.01.2006, 16:37
Hallo Elefant,
dem hier geschriebenen kann ich mich nur anschließen, auch wenn ich selbst keine Kinder habe. Ist schon interessant, dass viele bei !Mitleid mit Behinderten! an Blinde denken. Das liegt wohl daran, dass normalerweise 80 bis 90 % der Informationen über das Auge wahrgenommen werden. Ich bin selber von Geburt an blind und habe als kleines Kind gar nicht gewusst, dass ich anders bin. Jetzt weiß ich das vom Verstand her, aber ich fühle mich normal. Ich meine, ich habe nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, sehen zu können und ich stelle mir das Sehen ziemlich anstrengend vor. Wie kommt man mit so vielen zusätzlichen Informationen vor, die auf einen einstürmen? Na klar, das ist alles eine Sache der Gewohnheit. Außerdem glaube ich, das man alles als normal annimmt, was man von Anfang an kennt.
Eine schöne Zeit mit Deinem !neuen! Kind
Daniela aus Hamburg
hallo elefant,
eigentlich müßte die entscheidung für oder gegen ein kind in dem moment fallen, wenn der test positiv ist.
bei mir war es so.nach 12 jahren mit 37 noch mal ein kind ?
nach vielem überlegen haben wir "ja" gesagt. der arzt wollte dann eine Fruchtwasseruntersuchung machen, die haben wior abgelehnt, wenn schon kind, dann nehmen wir es so, wie es sein soll.das es später dann doch eine behinderung hatte, konnte keiner festellen, denn ein autismus läßt sich durch keine genteste festellen.aber bisher haben wir es nicht bereut.
unser sohn gibt uns so viel , wenn er lacht und mal wieder ein neues wissengebiet für sich zu 190 % entdeckt, dann sind viele hindernisse vergessen. Die hindernisse werden aber von " gutmeinenen" mitmenschen in den weg gelegt. ich würde mich heute genauso wieder für mein kind entscheiden, selbst wenn ich vorher bescheid wüsste.
Viel glück für die zukunft
claudia
http://www.intakt.info/iB_html/non-cgi/emoticons/tounge.gif
andrea und lukas
05.02.2006, 01:13
Hallo elefant,
deine Schwangerschaft ist doch schon weit fort geschritten und du bsit vielleicht schon über die 20-25 woche hinaus. Vielleicht kannst du uns ja mal ein Zwischenbericht geben. Bei meinen 2 Schwangerschaften war es so, das wir uns nie sagen liesen ,was wir den bekommen. Mein 1. wie mein 2. Kind waren beide 4 Wochen zu früh. Mein 1. Kind kam mit einem Löchlein im Herzen zur Welt. Dieses Loch verschloss sich aber nach knapp 2 Jahren von selber und wir waren über glücklich. Was wir nicht wussten, das mein Sohn mit einer doppelten Lippen - Kiefer- Gaumen- Spalte kurze Zeit darauf geboren wurde. Man hatte beim Ultraschall nichts gesehen, da der kleine Racker immer schon brav sein Gesicht versteckt hatte.
Bei dem offenen Rücken, weiß ich nur so viel, dass man das heute mit der Einnahme der Folsäure vor und wärend der Schwangerschaft gut vorbeugen kann.
Ich habe mich immer für das Kind entschieden und habe zwei sehr aufgeweckte Kinder, die mich jung halten! http://www.intakt.info/forum/images/smilies/cool.gif
Hallo Nicole;
du schreibst:
...aber für mich kann ich das einfach nicht so annehmen und gehe gern einen anderen weg, auch wenn der manchmal nicht so ganz einfach ist.
Ich habe einen mehrfachbehinderten Sohn. Die LKG-Spalte (sehr breit und ungewöhnlich stark ausgeprägt mit extrem weitem Augenabstand und breitem Nasenrücken) wurde als normale beidseitige lkg-Spalte während der Schwangerschaft festgestellt. Das war auch gut so, denn ich konnte mich darauf vorbereiten, dass ich kein "normales" Kind bekommen werde.
Als Diagnosen kamen nach der Geburt (6 Wochen vor Termin: ich denke ein Zeichen meines Körpers, dass etwas nicht stimmt) eine Zwerchfellhermie, die sofort (mit einem 20 %igem Risiko) operiert werden musste, Taubheit, nur ein Auge, das zweite Auge völlig fehlgebildet und Auffälligkeit am Gehirnbalken mit Neigung zur Epilepsie (zum Glück bis jatzt noch nicht aufgetreten) hinzu.
Ich dachte schon, für mein Kind werde ich mit dem ganzen jetzt beginnendem Stress (Krankenhäuser, Operationen: bis jetzt 14, Therapien, jetzt auch noch schulische Unterbringung in einer speziellen Taubblindeneinrichtung, die 250 km entfernt ist mit wöchentlichen Heimfahrten, die ich jedesmal begleite). Ich halte es auch noch durch, aber ich merke, wie meine Nerven immer mehr und häufiger blank liegen. Sehr oft ertappe ich mich beim Gedanken, was denkt Lucas eigentlich darüber, dass er so leben muss, wie er lebt?http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif?
Nicht, dass ihr hier auf falsche Gedanken kommt: ich liebe mein Kind über Alles und würde ihn um nichts auf der Welt mehr hergeben wollen, was die wöchentliche Trennung natürlich auch sehr schwer macht. Aber Lucas muss damit leben , dass er auf Grund seiner Behinderung nie ein eigenständiges Leben führen kann und auf Grund seines sehr auffälligen Aussehens immer den Blicken Anderer sowie den dummen Bemerkungen Anderen und der grausamen Erlichkeit von Kindern ausgesetzt ist. Solange wir als Eltern leben können wir ihm immer ein Stück Normalität geben aber was ist, wenn wir mal nicht mehr sind und es mit unserem Gesundheits- und Sozialwesen immer mehr bergab geht?http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif?http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif?http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif??
Gruß Birgit
Hallo Birgit,
bisschen spät bin ich auf deine Antwort aufmerksam geworden und möchte einiges schreiben.
Ohne Vorinformationen und ohne Not habe ichmich inder SS relativ eingehend mit der Frage beschäftigt, was wäre wenn ich ein behindertes Kind zu bekommen. Warum das immer wieder in meinem Kopf war, weiß ich nicht. Auf der anderen seite war ich in hebammenbetreuung. Der Umgang ist dort sehr allumfassend, Ärzte haben oft Angst vor dem Tod, verschweigen ihn gern, doch in der ganzheitlichen Sichtweise die ich durch die hebammen vermittelt bekommen habe, weiß ich dass alles sehr nahe beieinanderliegt ....
Meine Tochter war schwer mehrfachbehindert. Ich würde keine Entscheidung anders treffen, wenn ich nochmal die gelegenheit hätte. sicherlich verändert sich die sichtweise mit der zeit und am ende haben wir guten gewissens entscheiden können, ihr ihre Ruhe zu geben, sie selbst entscheiden zu lassen. Bis dahin war es sicher ein langer weg, ich weiß aber heute...sie hat immer selbst entschieden. ich bin ganz sicher, dass unsere Kinder ihr leben lieben, so wie es ist. Denn ich habe in vielen Beispielen erfahren, dass sie sich gegen das Leben entscheiden, wenn sie es für richtig halten. Sie finden immer einen Weg für diese Entscheidung.
Meine Tochter hatte enormen Lebenswillen, sonst hätte sie nicht so lange überlebt, gegen alle Prognosen. Das hätte sie nicht getan wenn sie es nicht gewollt hätte.
Denjenigen die sagen, besser dass sie tot ist, sie muss nicht mehr leiden, kann ich schwer entgegentreten. Natürlich ist es gut so wie es ist. Aber es war ihre entscheidung und bis sie diese Entscheidung getroffen hat, war ihr leben für sie lebenswert. Das weiß ich, denn ich kenne mein Kind.
Heute haben wir einen Adoptionsantrag laufen und möchten gern wieder ein besonderes Kind in unserer Familie haben...denn ich empfand es nicht nur als anstrengende Aufgabe sondern als ganz besonderes Geschenk!
Keine Frage, der Alltag ist kräftezehrend und manchmal geht es über unsere Kräfte....dafür gibt es tatsächlich auch zu wenig Hilfe...Tatsache ist aber, je weniger behinderte Kinder es gibt, weil schon in der SS selektiert wird, desto weniger Angebote wird es auch in diese Richtung geben. Beides zeigt einfach dass besondere Menschen in unserer Gesellschaft nicht willkommen sind, sie sind unerwünscht. Wer nicht leistungsfähig ist gehört nicht in unseren lebensplan. Sehr schade......sehr traurig.
Liebe Grüße
Nicole
Hallo Elephant! *http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif
Ich finde Deine Frage sehr berechtigt...klug, Dich hier auf die Geburt Deines Kindes vorzubereiten.
Dein Kind wird ein ganz neuer Mensch sein. Niemals zuvor hat ein gleicher Mensch mit gleichen Fähigkeiten, Stärken, Schwächen und Gedanken gelebt.
Niemals wieder wird ein anderer Mensch die genau gleichen Möglichkeiten haben wie Dein Baby es mit sich bringt.
Klar: "Behinderung" bringt unwahrscheinlich viel Arbeit mit sich. Ist oft bis an die Grenzen der Belastbarkeit anstrengend...für die Eltern, für den mit Behinderung lebenden Menschen (also das Kind) und....die umgebende Familie.
--------
Ich wage hier einen evt ungeliebten Gedanken; einen Vergleich:
"Behinderung" gilt als unerwünscht. Es wird versucht, diese behindernden Bereiche auszumerzen. Es gilt als anstrengend, schmerzhaft....und gänzlich sinnlos.
"Talent" gilt als erwünscht. Es wird versucht, besonders talentierte Menschen zu züchten. Es gilt als Garant für Beliebtheit und lebenslangen Erfolg auf jeder Ebene.
Nun frag ich - Was ist, wenn Talent sich als Barriere erweist und Behinderung als die eigentliche Stärke?
Weiterhin frag ich - Was ist, wenn Talent sich als lebenslange Bürde empfunden wird, unentwegt an Präzision und Perfektion im Bereich des Talents üben zu müssen?
Weiterhin frag ich - Was ist, wenn Behinderung erst ermöglicht, über sich selbst hinaus zu wachsen...und sich sowie den Mitmenschen Bereiche des Lebens zu erobern, die sonst nie entdeckt würden?
Weiterhin frag ich - Was ist, wenn Talent (Hochbegabung) und Behinderung (Autismus) sich gar als ein und dasselbe erweisen? Bitte lies mal hier: Jenseits der Norm - hochbegabt und hoch sensibel? Autorin: Andrea Brackmann, Verlag Pfeiffer bei Klett Cotta.
lg von biene63