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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeitnehmer-Arbeitgeber


Markusmama
09.01.2006, 14:56
Hallo zusammen, ich würde gern einen Erfahrungsaustauch anregen über den Arbeitsalltag als Eltern behinderter Kinder. Einfach so auf zwischenmenschlicher Ebene (ich weiß nicht, ob man rechtlich irgendwelche Möglichkeiten hat, kann ich mir gar nicht vorstellen). Hat der Arbeitsgeber oder auch Kollegen Verständnis? Nimmt man Rücksicht auf eure besonderen Belange?

Wo lässt man seine Sorgen und Ängste den Tag über (sofern man in der komfortablen Lage ist, noch einem Ganztagsjob nachgehen zu können). Meiner Erfahrung nach am besten zuhause. Doch ich finde es manchmal so schwer, das Wichtigste einfach stundenlang zu vernachlässigen. Versteht jemand wovon ich spreche? Einerseits ist es total wichtig, arbeiten zu gehen. Die Kontakte, Ablenkung und auch das Gefühl gebraucht zu werden (nicht nur durch die Kinder). Aber oft habe ich das Gefühl, ich schaffe das nicht auch noch.

Lieber Administator, sollte dieses Thema woanders rein besser passen, bitte verschieben. Ich hab eigentlich nichts wirklich Passendes gefunden.

Viele Grüße an euch alle, Kopf hoch.
Katrin

Gast
13.01.2006, 22:17
Hallöchen,

ich bin Mutter von zwei Kindern. Mein Jüngster ist a-typisch autistisch mit erheblicher Entwicklungsverzögerung. Meinen Arbeitgeber kann ich hier mal richtig loben. Zur Zeit arbeite ich fünfzehn Stunden die Woche. Ausgemacht ist, dass ich Dienstags. Donnerstags und Freitags vormittags auf der Arbeit erscheine. Sofern jedoch an diesen Tagen ein Termin mit Yannik wahrgenommen werden muss, so kann ich problemlos die Tage tauschen. Das findet man wirklich nicht überall. Auch meine Kolleginnen sind sehr rücksichtsvoll. Da habe ich echt glück gehabt. *http://www.intakt.info/forum/images/smilies/biggrin.gif Liebe Grüße Melanie

biene63
16.01.2006, 22:04
Hallo![B] http://www.intakt.info/forum/images/smilies/biggrin.gif

Meine Erfahrung auch aufgrund meiner Kids:

Es wurde mir bisher relativ viel Verständnis entgegen gebracht - solange...:

- ich mich innerhalb der Vorstellungs-Grenzen von "Normalos" verhalten habe, wie sich das Leben eines Menschen mit Behinderung so gestaltet....bzw wie man als Elternteil eines behinderten Kindes lebt. Diese Vorstellungen sind nun aber leider nur sehr klischeehaft.

Bedeutet: Es ist erlaubt, zu jammern...aber halt nur solange wie die Kraft des "Normalo" ausreicht und nicht über den entsprechenden Zeitraum hinaus. Akzeptabler Zeitraum ist: Schnupfen dauert eine Woche, schwerere Infektionskrankheit dauert 4 Wochen, Beinbruch dauert 3 Monate. Danach hat man aufzuhören mit dem Jammern, weil die Kapazität des Normalo erschöpft ist.

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Als sehr heikel bzw unwahrhaftig wird es angesehen, wenn man äussert sich allen Ernstes über die Existenz des eigenen Kindes samt seinem "So-Sein" zu freuen, stolz zu sein bzw sonstwie positiv gestimmt zu sein. Es passt einfach nicht ins Weltbild von "Normalos", dass Menschen mit Behinderung bzw deren Angehörige auch noch mal was anderes tun könnten als immerzu jammern und wehklagen.

Weiterhin höchst merkwürdige Reaktionen hab ich erhalten, sofern ich mal wagte, meine Kids in Realität mit meinen Kollegen zusammen zu bringen. Denn, dann wird gemerkt: "DIE sind ja gar nich soooooo schwer behindert!...Warum? Nun - meine Kinder haben zwar umfangreiche Handicaps. Aber bis auf Patricks Hörgeräte und seine ungewöhnliche Stimme ist davon kaum was auf den ersten Blick zu bemerken...der Rest ist halt "unsichtbar"!....Darum wird die Existenz der Handicaps und die entsprechende Ernsthaftigkeit der Folgen im Alltag künftig bezweifelt.

Ebenfalls angezweifelt wird, wenn ich von meinen eigenen Grenzen (wegen Handicaps oder wegen sonstiger "normaler Begrenzungen") erzähle und deswegen um Verständnis bitte.

Soweit meine bisherigen Erfahrungen. lg von biene63

gisibabe
22.01.2006, 16:24
Hallo Katrin,

ich habe da, Gott sei Dank, keine Probleme mit meinem Arbeitgeber. Ich arbeite 4 Tage/Woche mit jeweils 6 Stunden (24 Std/Woche) Montags bis Donnerstags. Freitags habe ich grundsätzlich frei. Falls ich aber mal an einem anderen Tag in der Woche frei brauche (z. B. Arzttermin mit Pascal o.ä.) kann ich problemlos tauschen, d.h. ich mache z. B. am Dienstag frei und geh dafür am Freitag arbeiten. Mein Chef und auch meine Kollegen/innen haben alle viel Verständnis.
Troztdem sehe ich zu, immer nur im Ausnahmefall davon Gebrauch zu machen, da ich in meiner Abteilung kein Sonderstatus möchte.

Liebe Grüße
Marika

Gast
08.02.2006, 15:17
Hallo Zusammen,
als ich vor 3 1/2 Jahren wieder anfing zu arbeiten war alles sehr leicht und rücksichtsvoll für mich.
Ich durfte mir eine von drei Tätigkeiten aussuchen, in dennen ich Kundenunabhängig und auch meine erbrachte Arbeit relativ unabhängig von anderen betrieblichen Abläufen war.
Auch brauchte ich erst kurz vor Wiedereintritt ins Berufsleben meine Wochenstunden anzugeben, damit ich mir auch wirklich sicher war, dass mit der Unterbringung im Kindergarten auch alles gut klappt und ich neue Situation zeitlich auch gut geregelt bekomme.
Auf Grund von Frühförderwochen, an denen ich 2-3 mal im Jahr mit Lucas teilnahm und Rehawochen (3-4/jährlich), bei denen ich damals der Meinung war, dass auch diese wie die FFWochen von meinem Urlaub abgehen und nicht anderweitig getragenwerden, räumte mir mein Arbeitgeber 6 Tage Sonderurlaub für Lucas ein. Dieses hatte jedoch auch noch andere Gründe (Personalabteilung hatte sich mit meinem Gehalt sehr vertan; berechnete mich als Vollzeitkraft, obwohl ich nur 25 Stunden arbeite: ich habe sie natürlich gleich darauf aufmerksamgemacht und mir ein Entgegenkommen bzgl. Lucas erbeten).
Nur ändert sich ja so Einiges in einem Unternehmen und wir bekammen eine neue Personalleiterin und einen neuen zusätzlichen Geschäftsführer. Zudem kam Lucas mit 5 Jahren ins Internat und jetzt wie jedes Schulkind auch 13 Wochen Ferien, in denen ich ihn natürlich auch zu Hause haben wollte. Für 2005 hatte ich zum Glück schon die Zusage, dass ich die zusätzliche Freizeit rausarbeiten darf und das wurde auch als Ausnahme für 2005 aufrecht erhalten.
Meine Vorgesetzte und ich hatten auch einen Schlupfweg für 2006 gefunden. In einem Gespräch äußerte ich, dass für mich sehr belastend ist nicht zuwissen wie es dann nun ab 2007 weiter gehen soll. Daraufhin sprach sie mit unserer Geschäftsführerin (die bereits sehr lange im Unternehmen ist und früher meine vorgesetzte war) erwirgte für mich eine unbefristete Sonderregelung, nach ich weiterhin die Ferienzeit meines Sohnes vorarbeiten darf und ich es mir auch mal gönnen kann auch ein paar Tage Urlaub außerhalb der Ferien nur für mich zunehmen.
Besonders eine Kollege fordert mich sehr oft auf, doch mal über meine Probleme und meinen Frust zu sprechen und nicht Alles nur für mich zu verarbeiten und erinnert mich immer wieder wieder daran auch einfach mal egoistisch nur anmich zu denken. Ansonsten sind alle Kollegen immer sehr interessiert über den Entwicklungsverlauf von Lucas und freuen sich nmit mir wenn ich etwas positives berichten kann. Ich muss dazu sagen, dass ich seit 13 1/2 Jahren in dieser Firma arbeite und darüber bin ich auch sehr glücklich, denn das entgegengebrachte Verständnis für meine Situation würde ich sicher nicht überall finden.
Gruß birgit