Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Pflegende Angehörige - Sozialschmarotzer?
Hallo zusammen,
ich bin neu hier und suche nach pflegenden Angehörigen, die auf Grund der Pflege nicht mehr Arbeiten gehen können und somit auf öffentliche Unterstützung angewiesen sind.
Mein Sohn hat als Autist "nur" Stufe II aber die Anforderungen an mich reichen dicke http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif Bei uns geht auch keine Verhinderungspflege oä Wie warscheinlich bei den meisten hier beginnt mein Tag um 5 und endet (mit etwas Glück) gegen 23 Uhr und zwischendrin ist nicht allzuviel erfreuliches (volle Inkontinenz)
Klingt etwas bitter, aber in den letzten Wochen musste ich mich mehrmals als "Sozialschmarotzer" fühlen - ich wurde "Opfer" von Hartz VI weil "die Pflege eines Angehörigen unerheblich ist" (Originalton Sachbearbeiter)
Seid ihr auch der Meinung?
Ich muss mich jetzt ständig rechtfertigen und durfte mir heute morgen einen recht unerfreulichen Vortrag anhören weil am Wochenende unsere Waschmaschine kaputt gegangen ist - das wäre so passend - ab nächsten Ersten gäbe es da ja nix mehr ::|
Die schaffen mich echt, ich habe schon Dauermagenschmerzen...
Hat von euch jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ist der Grundtenor in Deutschland tatsächlich -wieder- so?
Um Mißverständnissen vorzubeugen, ich habe nichts gegen das Hinterfragen oder das Offenlegen von Vermögensverhältnissen, es geht nur um den hämischen Ton der Sachbearbeiter und den oft unter der Gürtellinie angesiedelten Kommentare.
Hallo,
soviel ich weiss ist Pflege von Angehörigen keinesfalls *unerheblich* in diesem Zusammenhang. Leider habe ich keine rechtlichen Grundlagen parat.
Aber zumindest gab es im *alten* Recht einen Paragraphen der ausdrücklich besagte das Arbeitslosengeld auch dann zu gewähren sei, (sofern die Anwartschaften und voraussetzungen erfüllt) wenn der Arbeitslose wegen der Pflege nur zu bestimmten Zeiten arbeiten kann, weil der Pflegebedürftige sonst unversorgt wäre.Da ist es dann auch unerheblich das solche Jobs evtl. auch auf längere Zeit real nicht zur Vermittlung anstehen, es genügt das es theoretisch Jobs zu diesen Arbeitszeiten gibt. (bei Bedarf könnte ich das raussuchen, würde aber bisschen dauern).
Auch wenn die Erziehung und das Kindeswohl gefährdet würden darf man meines Wissens nicht *gezwungen* werden arbeiten zu gehen.
Ich würde dringend versuchen die rechtliche Seite abzuklären es gibt einige Foren da geht es um Sozialhilfe, ich glaube unter http://tacheles.de war auch eines.
Wenn mit dem Sacharbeiter kein auskommen ist bzw. er dich entwürdigend behandelt warum versuchst du dann nicht mal dich an den Vorgesetzten/Amtsstellenleiter zu wenden?
Selbst dem verbohrtesten Zeitgenossen sollte nach kurzem nachdenken doch klar sein das du mit deiner Pflege hilfst viele, viele Euro Steuergelder einzusparen; denn wenn du es dir *einfach* machen wolltest dann könntest du deinen Sohn in ein Heim geben und da müsste Vater Staat eine stattliche Summe dann dazuschiessen.
Nicht den Mut verlieren und stark und sachlich bleiben.
LG, amai
Hallo Amai,
danke für die Antwort.
Das Arbeitamt hat damals (vor zwei Jahren) klar gesagt: Bei einem Pflegeaufwand von mind. 30 Stunden steht man dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung - hat aus diesem Grund aber auch keinen Anspruch auf ALU.
Ist zwar bitter, wenn man lange einbezahlt hat, aber doch irgendwo einzusehen, ALU soll ja eigendlich die Zeit überbrücken bis man eine neue Stelle gefunden hat. Leider scheint das nicht für die Vorgaben nach der neuen Reform zu gelten, aber ich werde mir jetzt tatsächlich rechtliche Unterstützung holen (ist nur sicher nicht leicht zu bewerkstelligen, alle Anlaufstellen sind heillos überlaufen)
Mein Problem liegt eigendlich mehr in der "entwürdigenden" Behandlung durch die Sachbearbeiter vor Ort, eine Meldung nach oben bringt nix - denn von dort kommen die Anweisungen http://www.intakt.info/forum/images/smilies/mad.gif
Unsere "Chefs" nutzen derzeit auch einige Hintertürchen der neuen Gesetzgebung (vage Pauschalierungsvorgaben) um Bundesvorgaben zu unterlaufen - wie die rechtliche Seite aussieht -? Im Kreis Mannheim gibt es -soweit ich weis- keine Beratungsstellen außer dem VdK (vielleicht weis hier noch jemand eine Anlaufstelle?)
Hier ist auch das Jugendamt keine Alternative, weil es statt Entscheidungen zum Wohl des Kindes eher um Kostenfragen geht...und damit s.o.
Nach 15 Jahren Pflege bin ich ziemlich zermürbt, ich muss derzeit richtig aufpassen, dass ich mit meiner Verzweiflung keinen negativen Einfluss auf meinen Sohn ausübe http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif Er ist mitten in der Pubertät und z Zt natürlich nicht einfach zu händeln, normalerweise bräuchte ich jetzt meine ganze Kraft und Aufmerksamkeit für ihn...
Na ja, es gibt da so einen alten Spruch aus meiner Teenagerzeit: Was uns nicht umbringt... http://www.intakt.info/forum/images/smilies/biggrin.gif
- Ich habe übrigens gestern zu spät gesehen, dass ich das Thema in die falsche Kategorie gesetzt habe - sorry, ich pass nächstes mal besser auf -
Hallo danie,
ich kann dir nur viel Kraft wünschen und wieder Freude am Leben mit deinem Sohn. Ich pflege meinen Angehörigen (Pflegestufe III) auch schon 10 Jahre. Ich sage immer es ist nicht die Pflege, die schwer ist, sondern das *drum und dran*.
Hast du das Gedicht von *yvonnejanssen gelesen *der Sinn des Lebens*,
ich möchte dir gerne ein rosa Tütchen schenken, mit Kraft für dich darin.
Seit ich es hier gelesen habe, werfe ich meine schwarzen Tütchen tagtäglich in den Müll und überlege dann am Abend, was war heute schönes für mein rosa Tütchen.
Mir hilft das ein wenig!
Elke
yvonnejanssen
22.12.2004, 12:08
Hallo Elke,
es freut mich das dir die Geschichte mit dem rosa Tütchen gefällt.
Habe soeben noch eines reingestellt vom Sorgensack
Der Sorgensack (http://www.intakt.info/cgi-bin/forum/ikonboard.cgi?act=ST;f=11;t=31;r=1;&#toptop)
Liebe Grüße
Yvonne
oh ja Yvonne,
das ist auch eine gute Geschichte! Ich denke, ich würde auch nicht tauschen wollen.
Liebe Grüße
Elke
Erst mal " ein frohes Weihnachtsfest" für alle http://www.intakt.info/forum/images/smilies/biggrin.gif
Hm, ich habe lange Zeit auch nach dem Motto gelebt und gehandelt, dass es andere noch viel schwerer haben und das doch noch immer etwas mehr auf die Schultern passt - ist aber nicht - irgendwann bricht man unter der Last zusammen und soweit darf man es nicht kommen lassen http://www.intakt.info/forum/images/smilies/mad.gif
Ich habe der "Frau vom Amt" einen persönlichen Brief geschrieben, nicht das ich auf eine Antwort warte - die gab es noch nie, aber es hilft mir.
Ich bin jemand und ich leiste etwas!
In diesem Sinne - auf ins neue Jahr http://www.intakt.info/iB_html/non-cgi/emoticons/tounge.gif
P.S. Den "Sorgentopf" finde ich trotzdem klasse http://www.intakt.info/forum/images/smilies/biggrin.gif
Zitat:
Ich habe der "Frau vom Amt" einen persönlichen Brief geschrieben, nicht das ich auf eine Antwort warte - die gab es noch nie, aber es hilft mir.
Ich bin jemand und ich leiste etwas!
Hallo Danie,
ich hoffe, du hast mich nicht falsch verstanden, ich habe es auch nicht anders empfunden! Du bist jemdand und leistest viel! Meine Hochachtung!
Vielleicht wäre es besser die Beschwerde an die/den Vorgesetzte(n) zu richten!
Auch dir ein frohes neues Jahr und viel Kraft.
LG Elke
Hallo Elke,
nein ich habe sicher nichts missverstanden http://www.intakt.info/forum/images/smilies/biggrin.gif alles paletti
Zu den Vorgesetzten gehe ich nur als allerletzten Ausweg, ich habe -leider- die Information, dass es tatsächlich "von oben" diktiert wird möglichst unfreundlich und ruppig mit Antragsstellern umzugehen und Anträge schon im Keim zu ersticken http://www.intakt.info/forum/images/smilies/mad.gif (Viele geben dann auch sofort auf, weil Zeit, Kraft oder auch Geld für z.B. Gutachten fehlen...)
Ich finde es viel wichtiger den Sachbearbeitern klar zu machen, dass sie es mit Menschen zu tun haben und das ihr Verhalten sehr verletzend ist (oft vergebliche Liebesmüh *grins*)
Ich werde euch auf jeden Fall berichten ob mein Brief eine Antwort wert war http://www.intakt.info/forum/images/smilies/biggrin.gif
gaby1967
11.01.2005, 19:55
Hallo Harald,
wo hast du denn diese Weisheiten her? Entschuldigung, aber das ist fast komplett falsch, was Du da schreibst.
Ich beschäftige mich jetzt schon seit ein paar Wochen mit SBG II und SGB XII und seit neuestem auch mit den dazugehörigen Durchführungsanordnungen, wegen eigener Betroffenheit.
Grundsätzlich hat der Anspruch auf AlgII erst einmal nur etwas damit zu tun, ob der Hilfebedürftige bzw. Antragsteller (in diesem Fall hier: Danie) für mindestens 3 Stunden arbeitsfähig ist, d.h. sie selbst gesundheitlich dazu in der Lage wäre. Ob es allerdings dann auch zumutbar ist wegen z.B. Betreuung eines Kindes oder pflegebedürftigem Angehörigen steht auf einem anderen Blatt. Es hat seit 01.01.2005 nichts mehr damit zu tun, ob jemand dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht oder nicht.
Also steht Danie AlgII zu und ihrem Sohn Sozialgeld - beides nach SGB II. Sozialhilfe bekommen nur noch einige wenige, z.B. dauerhaft Erwerbsunfähige, Rentner.
Die Regelleistungen bei SGB II (Alg II + Sozialgeld) und SGB XII (Sozialhilfe) sind gleich. Die einmaligen Beihilfen sind auch gleich. Woher weißt Du, daß es bei der Sozialhilfe 1mal jährlich einen Festbetrag geben soll? Davon habe ich bis jetzt überhaupt noch nichts gehört.
Wo hast Du das her, daß die Sozialhilfe höher sein soll, als AlgII - vorallem mit Kind?? Da hast Du glaub ich was verwechselt aus den "suuuupertollen" Fernseh- und Regierungsberichten. Es wurde immer behauptet, daß das AlgII höher sein soll als die vorherige Sozialhilfe. Wenn man Kinder unter 7 Jahren hat, trifft das eventuell zu, nicht jedoch wenn Kinder ab 7 Jahren im Haushalt sind.
Auf den ersten Blick sieht es mehr aus, was seit 01.01.2005 gezahlt wird, ist es aber nicht. Und gerade wenn man Kinder ab 7 Jahren hat erst recht nicht. Der Regelsatz der Kinder ab 7 Jahre wurde um sage und schreibe 10 Euro erhöht, dafür fällt aber der Haushaltsfreibetrag in Höhe von 10,25 Euro (ein Kind) bzw. 20,50 Euro (ab zwei Kindern) weg. D.h. der Satz der Kinder wurde um 0,25 Euro gekürzt und im Gegenzug gibt es keine Bekleidungshilfe mehr, keinen Zuschuss zu den Schulartikeln, keine Übernahme des Eigenanteil bei kieferorthopädischer Behandlung, und sonstiges.
Es wurde überall berichtet, daß der Regelsatz der Sozialhilfe um 16% erhöht wird, damit man die einmaligen Leistungen (Bekleidung, Möbel, Hausrat etc.) ansparen kann. Tja, das stimmt für einen Alleinstehenden, jedoch nicht für Kinder ab 7 Jahre. Bei diesen wurde der Regelsatz lediglich um 5% erhöht und diese Erhöhung hebt sich mit dem Wegfall des Haushaltsfreibetrages auf. Konkretes Beispiel bei mir:
Wenn ich die Regelsätze der Sozialhilfe bis 31.12.2004 für uns alle nehme und davon 16% ausrechen (was ja angeblich erhöht worden ist) müsste ich ab 01.01.2005 einen Betrag von ca. 135,-- Euro monatlich mehr bekommen als vorher. Ist aber nicht so. Bei mir sind es ca. 78,-- Euro mehr als vorher, aber auch nur, weil ich den Verlust des Haushaltsfreibetrages in Höhe von 20,50 Euro durch die etwas höhere Erhöhung bei meiner Kleinsten (noch keine 7 Jahre alt) ausgleichen kann.
Zieh jetzt mal von den 79 Euro die 48 Euro ab, die ein Alleinstehender mehr hat, dann bleiben ganze 30 Euro, die ich für alle drei Kinder zusammen mehr habe als vorher. Tja, und davon kaufst jetzt Kleidung für Drei, Schulartikel und Einschulungsbedarf und sparst noch an für den Fall, daß etwa das Bett, Schrank oder sonstiges an Einrichtung der Kinder kaputt geht. Tja, nicht so rosig und von Besserstellung, wenn man Kinder hat, keine Spur - eher das Gegenteil.
Entschuldigung, daß es so lang geworden ist, aber es war mir einfach ein Bedürfnis da mal etwas Klarheit reinzubekommen und diese ewige Schönrederei unserer Politiker mal etwas gerade zu rücken.
Gruss Gaby (die mittlerweile zur "Expertin" mutiert ist *gg*)
Hallo Gaby,
du hast meine volle Zustimmung.
Konnte über den Beitrag von Harald auch nur den Kopf schütteln.
Hier mal ein interessanter Link:
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/harald....004.pdf (http://www.tacheles-sozialhilfe.de/harald/SGB_II_Folien_November_2004.pdf)
Gruß Elke
Hallo ihr zwei ;-)
Habe den unsinnigen Beitrag gelöscht. Irgendwie war da wirklich einiges im Argen. Sorry!!
Liebe Grüsse
Harald
Hallole
@ Harald
Es wäre schön, wenn du deine Beiträge trotzdem stehen lassen könntest http://www.intakt.info/forum/images/smilies/biggrin.gif Ich konnte einige Zeit nicht vorbeischauen weil mein Junior "Krampfzeit" hatte und ich voll gefordert war - da ist es dann irgendwie seltsam wenn sich Beiträge auf etwas beziehen, dass man nicht mehr nachvollziehen kann http://www.intakt.info/forum/images/smilies/cool.gif
@ All
Ich habe einen kleinen, aber feinen Teilsieg errungen:
Die so unfreundliche Sachbearbeiterin hat mein persönliches Schreiben ernst genommen und sich umgehend ausführlich entschuldigt. Sehr schön, hat mich auch wahnsinnig gefreut - bringt mich aber in der Sache nicht weiter.
Ich kann Gaby in vielem (Sozialhilferecht und Änderungen) aber nicht in allem Beipflichten:
Erwerbsfähigkeit ist tatsächlich gesetzlich klar definiert u.a. auch durch die Beschränkungen des Arbeitszeitgesetzes. Wer also [/B]mehr[B] als 30 Stunden pro Woche tätig ist steht dem Arbeitsmarkt schon allein rein rechnerisch keine 3 Stunden täglich mehr zur Verfügung (deshalb hatte ich trotz ewig langer Beitragszahlung keinen Anspruch auf ALU)
Da beisst sich die Katze in den Schwanz...
Neuestes Kabinettsstückchen: Meinem Sohn wird jede Hilfe zur Pflege nach SGB XII verweigert (bis auf die Kassenleistungen) weil er auch als ALG II Empfänger gilt...er besucht eine Spezialförderschule!
Nach den neuen Zuzahlungsregelungen stehen wir kurz vor dem absoluten Aus http://www.intakt.info/forum/images/smilies/glare.gif