Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Illegale Beschäftigung in der Pflege
Die Thematik ist sicherlich nicht neu, aber zur Zeit wohl leider aus der "Mode".
Die Anzahl der illegal Beschäftigten vor allem im Bereich der Pflege nimmt weiterhin Stark zu.
Vor allem aus dem Bereich Osteuropa werden z.T. nicht qualifizierte für 3 Monate nach Deutschland geholt um dort die Versorgung Pflegebedürftiger (ob jung oder alt) zu übernehmen.
Das Problem dabei: Immer mehr werden durch "illegale" Versorgt und die in Deutschland aufwendig Qualifizierten finden immer weniger einen Job. Wenn das so weiter geht, werde auch ich bald keinen Job mehr haben http://www.intakt.info/iB_html/non-cgi/emoticons/angry.gif
Ich würde gerne mal von einigen andern dazu etwas lesen, und bin für Linktips dankbar um evtl hier die Diskusion wieder aufleben zu lassen.
Gruß G.Blank (Alias Quincy)
Hallo Quincy,
es ist sicherlich ein Problem was Du schilderst, für die Pflegenden ist es aber ein mindestens genauso großes Problem die Pflege, Betreuung oder vielleicht auch nur Aufsicht und Versorgung des Angehörigen sicherzustellen.
Wir sind in der glücklichen (wirklich glücklich?) Situation wegen dem hohen Maß an Behandlungspflege bei meiner Tochter von der Kasse für 10 Stunden täglich eine Schwester, also einen Pflegedienst bezahlt zu bekommen.
Ohne diese enorme Leistung der Kasse wären meine Frau und ich mit dem Aufwand der Pflege so langsam überlastet.
Ich kenne aber auch viele Pflegende die eine solche Leistung nicht erhalten.
Die, die Ihr Pflegegeld dann so einsetzen wollen das auch der zeitliche Rahmen der Pflege maximal wird, kann ich dann verstehen. Es ist aber zu hoffen das dabei keine neue Form der Ausbeutung überhand nimmt.
Ulrich
Das Problem, welches du ansprichst ist vollkommen klar. Eine Betreuung rund um die Uhr wäre nach deutschen Verhältnissen wohl ein finanzielles Problem für die Angehörigen. Aber...
In vielen Fällen (mir liegen einige konkrete Fälle vor), wird aus Bequemlichkeit und "Luxus" die Arbeitskraft ausgenutzt.
Ich habe nichts gegen die reine hauswirtschaftliche Tätigkeit, gewissermaßen ist diese auch unterstützend, aber sehr häufig werden die "3 Monats Damen" alleinig engagiert um die Pflege und alles drum herum zu übernehmen. Zumeist machen vor allem die Angehörigen noch einen Reibach damit (vor allem bei PS 3), da die Damen oftmals für 3 Monate weniger Kosten als es Pflegegeld gibt.
In einem Fall, wurde sogar offen ausgesprochen, dass man ja sonst vom Erbe verlieren würde!!
Merkwürdig ist dabei der Trend, welcher sich in den letzten Jahren abzeichnet. 50% der Pflegebedürftigen werden durch Angehörige versorgt, und jedes Jahr werden es mehr. Wer mir hier weiss machen will, dass wirklich nur Angehörige versorgen hat viel zu tun, um mich davon zu überzeugen.
Die Frage ist allerdings auch, wo kommen wir hin, wenn es so weiter geht. Ist das Rechtsbewusstsein bei so vielen Menschen gesunken, dass absichtlich unter dem Deckmantel der Not illegal Beschäftigt wird?
Um den Beruf ausüben zu dürfen habe ich Examen ablegen müssen und unsere Berufsspate wird auf Teufel komm raus kontrolliert. Die illegalen Kontrolliert kein Mensch...
Der Trend sieht momentan so aus, dass irgendwann der Pflegenotstand ein von den Pflegebedürftigen und den Angehörigen gemachtes Problem ist. Das Ausmaß kann sich jeder selbst ausmalen. Wenn sogar schon die 3 Monats Damen direkt von den Krankenhäusern vermittelt werden, frage ich mich für was es unseren Beruf überhaupt noch gibt...
Hey Quincy,
ich kenne die Warte von zwei Seiten, sowohl als Krankenschwester, wie auch als Mutter eines behinderten Kindes, wie auch als Enkelin einer schwerpflegebedürftigen Oma(PS 2).
Meine Tante, die meine Oma immer 2 Wochen versorgt und dann für die anderen 2 Wochen Hilfskräfte hat, hatte allen Hilfskräften angeboten, sie auf Steuerkarte zu beschäftigen, nur eine hat damals eingewilligt, der Rest wollte nicht.
Selbst die Bezahlung über die Verhinderungspflege wollten diese Leute nicht, weil sie Angst hatten, sie müßten es bei der Steuer angeben. Nach langem hin und her, lassen die sich jetzt wenigstens über die Ver.pfl. bezahlen, bis die dann aufgebraucht ist. Würde es dieses "Netzwerk" an Hilfskräften nicht geben, wäre meine Tante mittlerweile ruiniert(sie ist freiberuflich tätig), hätte keine Existenz mehr, geschweige denn würde sie überhaupt noch in ihrem Beruf arbeiten können.
Meine Oma müßte in ein Heim, was ihren Tod bedeuten würde.
Klar finde ich es auch nicht in Ordnung, wenn daran die Pflegedienste zugrunde gehen, aber sollte man dann nicht in erster Linie andere und billigere Maßstäbe von Seiten der Gesetzgebung fordern?
Selbst examinierte Kräfte verdienen sich ein ordentliches Zubrot ohne Angabe der Beschäftigung, in dem sie in Privathaushalten pflegen. Wie will man dann denen beikommen?
Es sind ja nicht nur die Damen aus z.B. Polen, die das machen, nein, ich kenne aus meiner Zeit, als ich noch gearbeitet habe genügend, die das in ihrer Freizeit gemacht haben.z.B. Nachdienste in Altenheimen(schon während der Ausbildung).
Und ich muß Ulrich absolut Recht geben, mit dem wenigen Geld der Verh.pflege kann man keine "Pflege rund um die Uhr " bezahlen, die KK bewilligt in den wenigsten Fällen eine Regelung, wie 10 Stunden-Versorgung, also muß man sich nach billigeren Alternativen umgucken. Man wird in dem Fall ja fast dazu gezwungen, weil ansonsten müßte man den Angehörigen in ein Heim geben, und was kostet das???
Wünschenswert wäre eine Regelung, daß die Angehörigen mit den entsprechenden Nachweisen und ohne finanzielle Deckelung ihre Angehörigen zu Hause versorgen könnten, Arbeit zur Entlastung einem Pflegedienst übertragen könnten usw.
ABER das bleibt wohl Utopie....
Dabei ist ja wohl erwiesen, daß eine Pflege zu Hause für den Betroffenen die Lebensqualität erheblich steigert, aber die Kassen reagieren auf solche Maßnahmen erstmal mit Ablehnung.
Dieses Thema wird immer aktuell bleiben, aber ob es dafür eine Lösung gibt, wage ich zu bezweifeln.
Nachdenkliche Grüße...
Hi Anje,
natürlich geb ich euch beiden in gewisser weise recht, und der ruf nach einer gesetzlichen Regelung besteht sicherlich auch schon länger.
Aber genau hier liegt ja auch der Kasus, weder Kassen noch Politiker wollen hier reagieren.
Geld wäre genug da, wenn es nicht nur Reformen in der Gesunheitspolitik gäbe, sondern eine Reform derjenigen die es wirklich bräuchten: bei den Kassen und bei den Politikern.
Ich selbst finde es ein unding, mit solch lächerlichen Hilfen zu versuchen es hinzustellen als seien die Kassen die gönner der Nation. Da kann ich nur lachen.
Mal ehrlich, wer verdient nicht gerne etwas hinzu? Sicherlich jeder, aber bitte ohne Anmeldung. Aber genau dass verschafft dem Sozialsystem die Lücken die wir haben, denn es werden viele Beschäftigt aber nur wenige führen Sozialbeiträge ab.
Die Meinung den häuslichen Bereich mehr zu unterstützen ist durchaus richtig und hat vor allem ein Fundatemnt, aber um hier etwas zu bewegen müssen sich viele dazu mal äußern. Leider passiert dies nur all zu selten.
Warum setzten sich nicht mal Betroffene aller Seite an einen Tisch um hier ein Lösung zu finden, denn bei allen Argumenten gleich welcher Art, eine Lösung, so wie es momentan ist, ist es doch wohl eher nicht.
Man muss sich mal vorstellen welche Kreise es um sich zieht, wenn dies jeder machen würde. Der Volkswirtschaftliche Schaden ist hierbei enorm (ca 180 Mrd. Euro letztes Jahr!!).
Würde wieder mehr Beschäftigung kommen (egal wie) wären mehr Staatseinnahmen damit verbunden, vor allem im sozialen Bereich.
Die einzigste Lösung für mich wäre, wie oben erwähnt, alle Parteien an einen Tisch zu setzten um hier klar Schiff zu machen, was ebenfalls Utopie ist.
Nichts desto trotz, ist und bleibt in der Zukunft die ambulante Versorgung gefährdet und dass Betrifft nunmal Jung und Alt, Gesund oder Krank.
Und mal ehrlich, wie gut kann man sich versorgt fühlen wenn diejenige die mich versorgt mich nicht mal versteht?
Hallo zusammen,
@Quincy, mit dem letzten Satz deiner letzten Nachricht triffst du den Nagel auf den Kopf. Aber gleich in zweifacher Hinsicht:
1) Ich möchte kein Pflegefall werden und dann eine Pflegekraft haben, die nicht weiss was ich brauche und nicht versteht was ich sage.
Aber
2) Ich möchte auch nicht in einem Heim vor mich hinwegetieren und von Pflegekräften, die zwar wissen was sie tun, gepflegt werden, aber leider nur 10 Minuten Zeit haben um die "Satt und Sauber-Pflege" sicherzustellen. Das ganze kann man natürlich auch auf die Häusliche Pflege übertragen, da es hier ähnlich ist. Pflegekräfte werden zu niedrig bezahlt und daher haben sie auch zu wenig zeit für den einzelnen.
Wenn ich HEUTE wählen müsste, ob mir das 1) oder 2) lieber wäre, würde ich ganz klar die 1) wählen! Denn DIE kann ich mir mit dem Budget was ich von der Pflegekasse erhalte wohl gerade so leisten. Ich habe also vollstes Verständnis für Angehörige, die Hilfe bei der Pflege zu Hause benötigen, diese aber wegen des geringen Budgets nicht bezahlen können und daher auf "Schwarzarbeiter" ausweciehn. Wie soll man es denn anders machen??? Es gibt ja gar keinen anderen Ausweg!
In meinen Augen wäre es am sinnvollsten, die Beiträge für die Pflegeversicherung um 1% zu erhöhen! Der Beitrag für die Pflegeversicherung ist ja sooo hoch nicht. Und mit diesem 1% wäre dann sichergestellt, das in den nächsten 10-20 Jahren die Pflege für alle nach menschlichen Gesichtspunkten und nicht nur nach "satt und sauber" erfolgen könnte.
Gruss
Harald
Ich verstehe ja das Problem, aber das Argument ist immer das Gleiche. Pflegekräfte (vor allem die im Inland) Kosten zu viel. Aber den Job will wohl keiner für "umme" machen.
Sicherlich wäre die Lösung den Pflegebeitragssatz zu erhöhen und dann den Pflegegeldsatz anzuheben eine Lösung (Nebst abbau der Arbeitslosen, denn da kommt auch mehr Geld in die Kassen).
Nach einigen Berichten soll ja angeblich im Jahr 2005 der Heimsatz mit dem ambulaten Satz gleichgestellt werden (wobei ich mich Frage warum es nicht schon immer so ist). Ich kann nur sagen, dass du in dem Punkt "im ambulanten haben die Schwestern auch nur 10 min. Zeit" nicht ganz recht hast. Das Betrifft sicherlich viele, aber nicht alle! Bei uns wird zwar auch auf die Zeit geschaut, aber bei weitem so, dass der Pflegebedürftige in jedem Fall noch ein offenes Ohr bekommt.
Ein anderer Ausweg wäre evtl. der, dass die Angehörigen (stellvertretend für die Pflegebedürftigen) sich zusammenschließen und gemeinsam als Kunde der Kassen was dagegen tun. Den Geld ist bei den Kassen vorhanden, es wird nur unnötig verpulvert. Wer das nicht glaubt sollte sich hin und wieder die Rechenschaftsberichte der Kassen ansehen. Denn wen da schon für den Laien zu sehen ist, dass die Lohnkosten bereits Höher sind als die Mitgliedeinnahmen, wundert es mich nicht, dass dann hier das Geld fehlt. Aber hat schon irgendjemand dagene Demonstriert? Für den Frieden in der Welt gehen wir auf die Straßen oder weil ein Baum im Regenwald gefällt wurde, aber wegen soetwas gibt es nur sehr wenig initiative. Obwohl das seit Jahren realität bei uns zu Hause ist.
Seit mehr als 10 Jahren vordert die Pflege eine Selbstverwaltung und mehr Mitspracherecht (ähnlich wie es die Ärztekammer hat, nur nicht so mit korruption gespickt) aber bislang wird es durch Politiker und den Handlagerns der Ärztekammer mit Fadenschinigen Argumenten verhindert.
Ich bin mir sicher, und zwar 100% sicher, würde die Pflege mehr Mitspracherecht haben, und die Ärzte genauso Kontrollieren wie ambulante Dienste wäre nochmal mehr Geld für Pflegebedürftige da.
Aber auch dieser Wunsch wird wohl Utopie bleiben. Ich habe lange versucht einige unter einen Hut zu bekommen um hier etwas zu erreichen, im Nachhinein war es verplemperte Zeit.....
Hallo nochmal ;-)
Ich habe nicht gesagt, das Pflegekräfte zu teuer sind. Es ist sicher richtig, das Pflege angemessen entlohnt werden muss - Ist ja in jedem Beruf ebenso. Und daher finde ich nicht, das die Pflegekräfte zu viel verdienen. Darum geht es ja auch gar nicht - Die einzelnen Pfleger sind sicher diejenigen die am wenigsten dafür können, das es heute in der Pflege so ist wie es ist.
Das Problem liegt m. E. auch nicht daran, das irgendwo Geld verschleudert wird, sondern daran, das einfach zu wenig Geld hereinkommt. Es gibt einfach zu viele Pflegebedürftige. Bitte versteht dies jetzt nicht negativ - Auch unsere Tochter ist pflegebedürftig - Aber wenn immer mehr Menschen pflegebedürftig sind, dann reicht das Geld eben irgendwann nicht mehr aus um alle zu versorgen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten um dies zu ändern:
1) Man ändert die Richtlinien so ab, das weniger Menschen pflegebedürftig sind. Das die Politiker hier sehr einfallsreich sein können, wissen wir ja leider alle. Z. B. fallen in der Pflegeversicherung ja heute schon die geistig behindertn fast komplett raus, da sie die "Kriterien" der Pflegebedürftigkeit meist nicht erfüllen (was ich übrigens für eine Riesenschweinerei halte!!)
2) Man erhöht die Beiträge, damit mehr Geld da ist.
Da die Richtlinien schon heute dermaßen ungerecht und kaum nachvollziehbar für den Laien sind, wäre eine Beitragserhöhung wohl der bessere Weg. Sicher geht dann wieder ein Aufschrei durch die Bevölkerung, aber die Mehrheit wird es akzeptieren, wenn dabei gleichzeitig auch die Richtlinien entsprechend angepasst werden und die Pflegebedürftigkeit nicht weiter nur an Minuten für "satt und sauber" gemessen würde, sondern auch solche Dinge berücksichtigt würden wie "Gespräche, Teilhabe am Leben z.B. Spaziergänge und einiges mehr. Ob der Beitrag nun um 0,5 oder mehr erhöht werden müsste weiss ich natürlich nicht, aber Fakt ist nunmal, das die Pflegeversicherung schon heute absehbar in einigen Jahren Bankrott ist wenn nichts passiert! Und das wissen ja auch die Pflegekassen - Denn wie sonst erklärst du dir, das seit 3 Jahren die Zahlen in den Pflegestufen II und III konstant sinken? Pflegestufe I gibt es häufig, Pflegestufe II ist innerhalb von 3 Jahren von 33 auf 23% gesunken. Und bei Pflegestufe III ist es noch drastischer. Pflegestufe III erhält doch nur noch derjenige, der praktisch schon tot ist. Und KINDER erfüllen in vielen Fällen die Voraussetzungen der Pflegestufen nicht, da diese eben für alte Menschen gedacht war und entsprechend aufgebaut ist. Das müsste man auch mal ändern!
Unsere Regierung wollte ja an der Pflegeversicherung einiges ändern - Nur leider haben sie hier wieder einen Rückzieher gemacht. Ich hoffe sehr, das sie dies korrigieren und sich doch noch zu den bereits angedachten Änderungen entschliessen. Denn dies wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Sicherlich müsste man noch mehr tun, aber besser einige kleinere Schritte als gar nichts.
In diesem Sinne ein Schönes Osterfest und Wochenende
Harald
Hallo Harald,
mit den beiden Möglichkeiten die du aufzählst hast du recht,
viele geistig behinderte sind aber bisher schon nicht eingestuft worden.
Beim Start der Pflegeversicherung gingen deren Schöpfer ja noch davon aus das auch pflegebedürftige Kinder nicht einzubeziehen seien.