Toxoplasmose

Inhaltsverzeichnis:

Erreger und Infektion

Symptome

Diagnose

Therapie

Hinweise

Erreger und Infektion

Toxoplasmose wird ausgelöst durch den Einzeller (Protozoon) Toxoplasma gondii (Toxon: griech., der Bogen; Plasma: griech., Gebilde; Gondi: Nagetier, bei dem der Parasit erstmals entdeckt wurde). Er befällt Säugetiere und Vögel und kann auf den Menschen übertragen werden. Solche Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind, heißen Zoonosen. Der Hauptwirt für Toxoplasma gondii ist die Katze. Im Dünndarm der Katze entwickeln sich aus männlichen und weiblichen Erregern sogenannte Vorstadien (Oozysten), die über den Kot der Katze ausgeschieden werden. Die Katze selbst erkrankt nur selten sichtbar. Die Oozysten benötigen 1-4 Tage Luft, Feuchtigkeit und Wärme, um sich weiter zu entwickeln. Erst nach dieser Zeitspanne können sie für eine Dauer von mehreren Monaten eine Infektion auslösen. Direkt über den Kot oder durch Wind und Staub werden die Oozysten auf Gemüse, Obst und Gräser übertragen. Hier können sich Tiere, insbesondere Schweine und Schafe mit Toxoplasmen infizieren. In ihrem Muskelgewebe und im Gehirn bilden sich harte, widerstandsfähige Dauerstadien (Zysten), die mit Toxoplasmose-Erregern gefüllt sind. Beim Verzehr des rohen oder ungenügend gegarten Fleisches (Tartar, Hackepeter, Mett, Räucherfleisch, Rohwurst, Steak saignant, Hamburger…) werden diese vom Menschen aufgenommen. Aber auch über zu schlecht gewaschenes Gemüse oder eine Schmierinfektion bei der Gartenarbeit oder beim Säubern des Katzenklos kann der Mensch sich infizieren.

Nach einer Inkubationszeit (Zeitdauer von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit) von circa ein bis drei Wochen bricht die Krankheit aus.Befallen wird bevorzugt ein Teil des Immunsystems des Menschen. Durch fortschreitende Zellteilung entsteht aus der befallenen Zelle eine Pseudozyste, die zerfällt und so die Erreger freigibt. Mit dem Blut verteilen sie sich über den ganzen Körper und bilden wiederum Zysten im Gewebe. Das Immunsystem des Menschen reagiert und produziert beim Erstbefall (primäre Infektion) Antikörper, die die Erreger bekämpfen und bis zum Lebensende vorhanden sind, um erneuten Infektionen (sekundäre Infektionen) mit Toxoplasmen sofort zu begegnen, der Mensch wird also immun.

Weitere Infos: Vereinfachter Lebenszyklus von Toxoplasma gondii (vgl.: www.toxoplasma-gondii.de)

Download: Vereinfachter Lebenszyklus von Toxoplasma gondii: Leitet Herunterladen der Datei einzyklus-toxo.pdf - 185.14 KBytes
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Infiziert sich eine Frau in der Schwangerschaft erstmalig, so kann das ungeborene Kind durch die Plazenta mit Toxoplasmose infiziert werden. Häufig infizieren sich gerade die Schwangeren, die keine Katze haben. Katzenbesitzerinnen infizieren sich meist schon früher und sind dann immun gegen Toxoplasmose, die Gefahr für das Kind ist gering.

Symptome

Bei gesunden Menschen, auch bei Schwangeren, verläuft die Infektion in über 90% der Fälle symptomlos (Toxoplasma-Infektion), seltener mit Krankheitserscheinungen (Toxoplasmose).Ca. 70% der Mitteleuropäer weisen Toxoplasmose-Antikörper auf, ohne zu wissen, dass sie einmal mit Toxoplasmen infiziert wurden.

Bei der Toxoplasmose sind zwei Formen zu unterscheiden: Die pränatale/konnatale (vor der Geburt erworbene) und die postnatale (nach der Geburt erworbene) Toxoplasmose.

Bei der nachgeburtlich erworbenen Toxoplasmose kommt es bei Personen mit gesundem Immunsystem nach der Inkubationszeit zu allgemeinen Krankheitssymptomen, die nicht direkt auf Toxoplasmose schließen lassen: leichtes Fieber, Mattigkeitsgefühl, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen und manchmal Durchfall. Auch Schwellungen der Lymphknoten im Nackenbereich können auftreten. Die Infektion heilt normalerweise ohne Komplikationen und Folgen ab.

Bei immunschwachen Personen (AIDS-Kranke, Knochenmarktransplantierte o.Ä.) können alle Organe, besonders aber das Gehirn betroffen sein. Hier ist eine medikametöse Behandlung mit Antibiotika dringend notwendig.

In ca. 50% der Fälle werden die Krankheitserreger in der Schwangerschaft über die Plazenta von der erstmalig infizierten Mutter auf das ungeborene Kind übertragen. Eine Infektion ist im ersten Drittel der Schwangerschaft unwahrscheinlicher, im Verlauf der Schwangerschaft steigt das Übertragungsrisiko. Es kommt zur konnatalen Toxoplasmose.

Infektionen in der frühen Schwangerschaft können Schäden an fast allen Organen, vor allem des Gehirnes hervorrufen, gelegentlich kommt es zu Fehl- oder Totgeburten. Je nach Infektionszeitpunkt und Schwere der Erkrankung können auch Symptome wie Wasserkopf (Hydrozephalus), Kalkablagerungen im Gehirn oder Entzündungen der Augeninnenhaut kommen.

Kinder, die mit Toxoplasmose auf die Welt kommen, leiden häufig unter Infektionen der Augen, Gelbsucht, Leber- und Milzvergrößerung, Lungenentzündung, Krämpfen oder Gerinnungsstörungen. Einige dieser Neugeborenen sterben schnell. Bei ungefähr der Hälfte der Kinder, die bei der Geburt keine Anzeichen einer Erkrankung aufweisen, können noch nach Jahren Spätfolgen wie Entwicklungsverzögerungen, geistige Verlangsamung, Aufmerksamkeitsstörungen, Gehörschäden, Augenveränderungen, evtl. Erblindung auftreten. Bei einigen sind Narben auf der Netzhaut zu finden (s. Abb.; vgl. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.toxoplasmose.de).

Da die Krankheit angeboren ist, kann sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder auftreten. Dann kommt es z.B. zu Entzündungen der Augennetzhaut.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Toxoplasmose-Infektion entnimmt der Arzt eine Blutprobe und untersucht sie auf Toxoplasmose-Antikörper. Schon nach ca. einer Woche ist ein Nachweis der Antikörper möglich. War die Schwangere bereits vor der Schwangerschaft infiziert, weist sie Antikörper auf und es besteht kaum Gefahr für das Ungeborene. Wies die Frau vor der Schwangerschaft keine Antikörper auf und nun sind sie vorhanden, hat sie sich kürzlich mit Toxoplasmose infiziert und das Kind kann angesteckt werden.

Hier kann ab der 20. Schwangerschaftswoche eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) klären, ob die Erreger das Kind überhaupt erreicht haben und ob eine Behandlung notwendig ist. In Ausnahmefällen kann auch eine Blutuntersuchung aus der Nabelschnur vorgenommen werden. Eine erweiterte Ultraschalluntersuchung (DEGUM II) gibt Auskunft darüber, ob schon Organveränderungen vorliegen.

Neugeborene können auch über eine Blutuntersuchung auf Toxoplasmose getestet werden. Bei drei von 1000 Lebendgeburten wird eine pränatale Infektion festgestellt. Außerdem ist ein direkter Nachweis der Erreger in Gewebeproben aus verschiedenen Organen (Lymphknoten, Gebärmutter) möglich.

Therapie

Bei nachgewiesener Infektion, die jedoch keine Krankheitssymptome hervorruft, ist keine Behandlung notwendig. Bei Auftreten von Krankheitszeichen, besonders bei immungeschwächten Patienten, ist ein Behandlung mit Antibiotika durch einen Arzt angezeigt.

Liegt eine akute Infektion einer Schwangeren vor, muss diese ab der 16. Schwangerschaftswoche über mindestens vier Wochen medikametös mit Antibiotika behandelt werden, auch wenn sie selber keine Krankheitssymptome zeigt. Damit kann eine Ansteckung des Kindes verhindert werden. Wird eine Infektion des ungeborenen Kindes nachgewiesen, so kann auch dieses behandelt werden. Nach der Geburt wird, wenn das Kind Symptome einer Toxoplasmose bei nachgewiesener Infektion zeigt, eine manchmal monatelang andauernde Therapie mit Medikamenten notwendig sein, um Spätfolgen und ein Wiederauftreten der Krankheit zu vermeiden.

Hinweise

Meldepflicht bei konnataler Toxoplasmose: Bei einer Toxoplasmose-Infektion in der Schwangerschaft ist der behandelnde Arzt verpflichtet, dies bei den Behörden zu melden. Die Meldung ist nicht namentlich und dient statistischen Zwecken.

Vorbeugung: Optimaler Weise vor, sonst während der Schwangerschaft sollten Frauen, die nicht wissen, ob sie gegen Toxoplasmose immun sind, einen Bluttest vornehmen lassen. Dieser wird von den Krankenkassen leider nur noch bei Verdacht auf Toxoplasmose bezahlt (seit 1.10.1998), dennoch ist eine solche Untersuchung sinnvoll, da die Krankheit schwerwiegende Folgen haben kann, aber auch gut zu behandeln ist. Die Kosten betragen derzeit rund 20-30 EURO.

Sind Antikörper im Blut nachweisbar, ist die Schwangere immun und selbst bei einer sekundären Infektion während der Schwangerschaft ist das Risiko für das ungeborene Kind gering. Sind keine Antikörper vorhanden, sollte dieser Test während der Schwangerschaft wiederholt werden, um eine Neuinfektion frühzeitig zu erkennen.

Außerdem sollten folgende Verhaltensregeln beherzigt werden:

  • Verzichten Sie auf den Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch (Tartar, Hackepeter, Mett, Räucherfleisch, Rohwurst, Steak saignant, Hamburger…) in der Schwangerschaft; schon ein einmaliges Abschmecken des rohen Fleisches reicht zur Infektion. Waschen Sie Gemüse, Obst und Salat vor dem Verzehr gründlich.
  • Bei +4°C (Kühlschrank) bleiben die Zysten bis zu drei Wochen lang lebensfähig! Einfrieren (bis -21°C) und Erhitzen (mindestens 70°C) tötet die Parasiten ab.
  • Waschen Sie sich nach dem Kontakt mit rohem Fleisch und Gemüse sowie nach der Gartenarbeit oder nach der Berührung von Katzen die Hände gründlich mit Seife.
  • Wird die Katze nicht mit rohem Fleisch gefüttert und geht sie nicht jagen, besteht keine Infektionsgefahr.
  • Ob die Katze Überträger von Toxoplasmose ist, kann der Tierarzt feststellen. Rund 70% aller Katzen infizieren sich früher oder später mit Toxoplasmose! Sind Sie nicht sicher, ob Ihre Katze Toxoplasmose-Erreger überträgt, müssen sie die Katze NICHT entfernen oder gar töten, sondern
  • Füttern Sie die Katze nach Möglichkeit mit Dosen- und Trockenfutter, vermeiden Sie die Aufnahme von Frischfleisch,
  • Achten Sie auf einen hygienischen Umgang mit Katzen, küssen Sie das Tier nicht, schmusen Sie nicht mit ihm,
  • Reinigen Sie das Katzenklo täglich, spülen Sie es mit heißem Wasser (mind. 70°C) aus, um eine Reifung der Vorstadien zu verhindern,
  • Stellen Sie da Katzenklo möglichst weit von den Wohnräumen entfernt auf und halten Sie es etwas feucht, damit kein getrockneter Kot in die Luft gelangen kann,
  • Lassen Sie das Katzenklo nach Möglichkeit von jemand anderem reinigen oder tragen Sie Gummihandschuhe dabei.