Geschwister behinderter Kinder

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort

Problematisierung der Situation der Geschwisterkinder und ihre Schwierigkeiten

Mögliche Probleme, die bei Geschwistern eines Kindes mit gB auftreten können

Chancen für Geschwister behinderter Kinder

Strategien, Bedingungen und Hilfen für eine günstige Entwicklung der Geschwister

Wie Sie die Beziehung zwischen den Geschwistern verbessern können

Organisatorische Hilfen für Betroffene

Literaturempfehlungen zum Thema

Kontaktadressen und Informationen im Internet zu Veranstaltungen

Weiterführende Links

Vorwort

Vielleicht haben Sie sich bereits Gedanken darüber gemacht, welche Folgen die Behinderung Ihres Kindes für seine Geschwister haben könnte. Dabei ist es wichtig zu bedenken, dass die Behinderung meist nicht der direkte Grund eventuell auftretende für Schwierigkeiten oder Probleme der Geschwister ist sondern vielmehr oft eine gestörte Beziehung zu den vom Stress stark belasteten Eltern sowie die organisatorische Veränderungen innerhalb der Familie.

Sie trifft dabei aber keinesfalls die alleinige Schuld, da die Reaktion der Geschwisterkinder von dem Zusammenwirken vieler unterschiedlicher Einflussgrößen bestimmt wird.

Damit Sie trotzdem etwas zur Vorbeugung und Intervention gegen mögliche auftretende Probleme bei Ihren Kindern unternehmen können, möchte ich in dieser kurzen Informationsbroschüre unterschiedliche Probleme aufzeigen, die bei Geschwistern von Kindern mit Behinderungen auftreten können. Gleichfalls werde ich Bedingungen und Hilfen aufführen, durch die das Familienleben mit einem geistig behinderten Kind zu einer Chance und einem Gewinn für die Persönlichkeitsentwicklung der Geschwister werden kann. Ebenfalls sind darin Hinweise enthalten, wie schon vorhandene Probleme und Entwicklungsstörungen der Geschwisterkinder erkannt werden können und etwas dagegen unternommen werden kann. Durch die von mir aufgeführte Auswahl an Hilfen für Betroffene kann dann ein erster Schritt gemacht werden, um eine positive Entwicklung der Geschwister zu fördern sowie eine negative zu verhindern.

Problematisierung der Situation der Geschwisterkinder und ihre Schwierigkeiten

Die Geschwister von Kindern mit Behinderungen können, wenn sie zur Bewältigung der besonderen Situation ungünstige Bedingungen erfahren und kaum Hilfen zur Bewältigung angeboten bekommen, durchaus Probleme und Entwicklungsstörungen emotionaler Art entwickeln.

Wie ein Kind auf die Geburt eines Geschwisters mit Behinderung sowie auf die veränderte Situation reagiert, hängt in hohem Maße davon ab, wie alt es ist, wie stark sein Leben im Augenblick davon betroffen ist, welche Persönlichkeitsmerkmale es besitzt und wie sich die Eltern in seiner Gegenwart verhalten.

Dabei können sich nach MILLER (1997) für die Eltern folgende Informationen als hilfreich und entlastend erweisen:

  1. Die Beziehung der Eltern zu den Kindern wird entscheidend dadurch beeinflusst, in welcher Phase der Verarbeitung der Situation sie sich befinden.
  2. In “normalen Familien” sind die Beziehungen zwischen Geschwistern keineswegs immer harmonisch, so dass dies auch nicht im Bezug auf die eigene Familie zu erwarten ist.
  3. Auch die Kinder machen, wenn sie älter als das Geschwister mit Behinderungen sind, einen Anpassungsprozess aufgrund der veränderten Situation durch der sich aber in der Regel von dem der Eltern unterscheidet. Für die Eltern impliziert die Behinderung ihres Kindes eine Umorientierung ihres vorherigen Lebenskonzeptes, wohingegen sie bei Geschwistern eher eine Herausforderung zu einer entwicklungsbegleitenden Integration gegensätzlicher Gefühle, Normen und Erwartungen bedeutet. Gegensätzlich deshalb, weil innerhalb der Familie häufig ganz andere Werte und Normen bezüglich der Behinderung gelten, als in der Schule, im Umgang mit Freunden und in der Öffentlichkeit.
  4. Das behinderte Kind kann auf seine Geschwister ebenfalls sowohl negativ als auch positiv reagieren, so dass es wichtig wird, auch seine Reaktionen mit einzubeziehen.
  5. Es gibt keine perfekten Eltern, sondern nur Strategien, Probleme zu vermeiden und bessere Beziehungen zwischen den Geschwistern aufzubauen.

 

Mögliche Probleme, die bei Geschwistern eines Kindes mit geistiger Behinderung auftreten können

Wie schon erwähnt, gibt es eine Reihe von Einflüssen, die auf die Situation der Geschwister einwirken. Aufgrund dessen können keine genauen Vorhersagen getroffen werden, wie ein Kind auf die besonderen Bedürfnisse seines Bruders oder seiner Schwester reagieren wird. In der Forschung sind jedoch Probleme, die speziell bei Geschwistern von Kindern mit geistiger Behinderung auftreten, ermittelt worden, die ich nun vorstellen möchte.

a) Die frühe Konfrontation mit dem Leid

Kinder, die ein geistig behindertes Geschwister und wohlmöglich auch körperlich behindertes Geschwister haben, werden häufig früher als Gleichaltrige mit menschlicher Schwäche, Unvermögen und Leid konfrontiert. Dadurch erfahren sie früh, was es heißt, auf Hilfe anderer angewiesen zu sein. Sie müssen schon oft in sehr jungem Alter lernen, Rücksicht auf das Geschwister mit Behinderungen zu nehmen, Eigenverantwortung zu übernehmen und mit gewissen Einschränkungen zu leben. Dies ist besonders schwierig für Kinder, die jünger als das Geschwister mit Behinderung sind, da sie es oft nicht verstehen, dass dem behinderten Geschwister notwendigerweise mehr Hilfe und Aufmerksamkeit zukommt.

b) Verbotene Rivalität

In jeder Geschwisterbeziehung sind Rivalität, Eifersucht sowie Streit aber auch das Empfinden von Nähe und Geschwisterliebe an der Tagesordnung. Rivalität und Hass sind normalerweise ausgeglichen zwischen Brüdern und Schwestern vorhanden, so dass der alltägliche Kampf um die Gunst der Eltern oder die beste Position in der Geschwisterreihe zum Familienleben dazu gehört. In der Geschwisterbeziehung ist dieser Kampf bzw. dieses Gleichgewicht nicht in gleicher Weise gegeben, da von dem nichtbehinderten Geschwisterkind häufig Rücksichtsnahme gefordert wird und sich das Geschwister mit Behinderungen nicht als gleichberechtigter “Streitpartner” erweist. Es kann in diesem Fall leicht dazu kommen, dass sich bei dem Geschwister durch die ständige Unterdrückung seiner Bedürfnisse und Gefühle, Wut aufstaut, die, da sie sich nicht gegen das behinderte, hilflose Geschwister richten kann, oft unterdrückt oder durch Zornesausbrüche entlädt.

c) Selbstüberforderung und Überforderung der Geschwister

Von der schon beschriebenen Überlastung der Eltern sind auch die Geschwister teilweise durch die Unterdrückung von negativen Gefühlen, dem frühen Übernehmen von Verantwortung und durch vermehrte Betreuungspflichten bezüglich des Geschwisters mit Behinderungen, betroffen. Sie reagieren daraufhin häufig mit Gehemmtheit und Überangepasstheit d.h. übertriebener Folgsamkeit, indem sie sich selber emotional überfordern, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Dies zeigt sich häufig in einer Idealisierung des behinderten Geschwisters, von dem nur positive Eigenschaften wahrgenommen werden oder auch in dem Versuch, den Eltern ein “perfektes Kind” zu sein. An dieser Stelle ist es sehr wichtig, dass die Eltern ihre Kinder auf keinen Fall überfordern und die Selbstüberforderungstendenzen der Geschwister damit unterstützen. Dies gilt ebenfalls für außerfamiliäre Bereiche, wie Schulnoten oder sportliche Leistungen.

d) Die Entwicklung von Schuldgefühlen

Durch unterdrückte Aggressionen und Eifersucht dem behinderten Kind gegenüber können bei dem Geschwister häufig Schuldgefühle entstehen, da sie sich häufig ihrer “bösen” Gedanken schämen. Auch dadurch, dass die Geschwister die reduzierten Möglichkeiten des Geschwisters mit Behinderung im Vergleich zu ihren eigenen Lebenschancen erkennen, können Schuldgefühle verursacht werden. In diesem Zusammenhang kommen häufig Fragen auf, wie: “Warum bin ich nicht behindert? Warum bin ich gesund und intelligent, bzw. warum trifft das Schicksal ausgerechnet meine Schwester?”

Die Entwicklung dieser Schuldgefühle stellt sich als äußerst ungünstig für eine positive Verarbeitung der Situation durch die Geschwister und deren weitere Entwicklung dar. Deswegen ist es für die Eltern sehr wichtig, diese frühzeitig zu erkennen und mit ihren Kindern zu besprechen. Schuldgefühle äußern sich häufig durch Selbstüberforderung des Kindes, allzu starker Selbstaufopferung oder auch Verdrängung und Distanzierung von der Familie.

e) Empfinden von Bevorzugung des Geschwisters durch die Eltern, sowie erschwerter Zugang zu den Eltern

Durch die starke organisatorische und seelische Belastung der Eltern bleibt oft nicht sehr viel Zeit, um sich den Geschwisterkindern zuzuwenden. Das behinderte Kind muss zum Arzt, zum Physiotherapeuten oder zur Ergotherapie gebracht werden und auch zu Hause rund um die Uhr betreut werden. All dies erfordert sehr viel Zeit. So erhalten Geschwister geistig behinderter Kinder vor allem – wenn sie jünger als das behinderte Geschwister sind – insgesamt weniger Zuwendung und Aufmerksamkeit als Geschwister nicht behinderter Kinder.

Dies ist von den Eltern meist gar nicht beabsichtigt, doch die Geschwister fühlen sich trotzdem oft zurückgesetzt und erleben das Verhältnis zu ihren Eltern teilweise gespannt. Dabei können Gefühle wie Neid, Eifersucht und der Eindruck weniger geliebt zu sein entstehen. Aufgrund von Untersuchungen wurde festgestellt, dass vor allem jüngere Geschwister im Kleinkind und Vorschulalter häufig weniger intensiven Kontakt zu ihren Eltern haben als es eigentlich für sie in diesem Alter wichtig wäre.

Deshalb ist es wichtig, dass Eltern sich schon früh Gedanken um ihre nichtbehinderten Kinder machen, sich bewusst für sie Zeit nehmen, um möglichen psychischen Problemen, Schulproblemen und Kontaktstörungen rechtzeitig entgegenzuwirken.

f) Anderes Erleben der Geschwisterfolge

In der Regel eifert ein jüngeres Geschwister dem älteren nach, es will genauso groß sein, die gleichen Rechte bekommen und profitiert häufig von dem Vorbild des älteren Geschwisters.

Dies ist bei einem älteren Geschwister mit geistiger Behinderung, das aufgrund seiner verzögerten Entwicklung meist länger auf Hilfe angewiesen ist als seine Geschwister, völlig anders. Vor allem jüngere Kinder, die erleben, wie sie das ältere behinderte Geschwister in seiner Entwicklung überholen, fühlen sich dadurch in ihrer Position als kleiner Bruder oder kleine Schwester verunsichert und reagieren darauf nicht selten mit Schuldgefühlen.

g) Die Angst selber behindert zu werden oder behinderte Kinder zu bekommen

Geschwister behinderter Kinder bekommen schon früh mit, dass geistige und körperliche Unversehrtheit keine Selbstverständlichkeit ist. So fragen sie sich mitunter, ob sie nicht ebenfalls genetisch vorbelastet sind und somit auch selbst Kinder mit Behinderungen bekommen können.

Ebenso nehmen sie Ähnlichkeiten zwischen sich und dem Geschwister sehr bewusst war, indem sie Gesten und Mimik bei ihrem Geschwister beobachten und eigene Züge darin erkennen. Die bestehende Familienähnlichkeit, die für viele Kinder völlig selbstverständlich ist, kann auf Geschwister behinderter Kinder bedrohlich wirken. Häufig sind die Kinder diesen Belastungen ziemlich allein ausgeliefert, da sie sich meist nicht trauen, den Eltern davon zu erzählen und auch in der Schule darauf keine Antworten bekommen können. Dadurch kann die psychosoziale Entwicklung und Lebensgestaltung der Geschwister stark beeinträchtigt werden.

Aufgrund dieser Ängste der Kinder bezüglich der eigenen Gesundheit sowie der der eigenen Kinder, ist es für die Eltern notwendig, ihre Kinder schon früh über genaue Ursachen der Behinderung und inwiefern sie vererbbar ist, zu informieren.

Weitere Ängste können im Bezug auf die Akzeptanz des Geschwisters mit Behinderungen beim zukünftigen Lebenspartner entstehen.

h) Angst vor lebenslanger Verantwortung für das Geschwister

Viele Menschen mit Behinderung leben noch bis ins hohe Erwachsenenalter bei den immer älter werdenden Eltern. Durch die häufig schön früh übernommene Mitverantwortung der Geschwister bezüglich der Betreuung und Pflege des Geschwisters mit Behinderungen stellt sich den Geschwistern häufig die Frage, was denn im Blick auf die Zukunft mit dem behinderten Geschwister geschehen soll. Die meisten Geschwister sehen sich dadurch mit einer lebenslangen Verantwortung für das behinderte Geschwister konfrontiert. Diese Situation wird als starke Belastung wahrgenommen und ist häufig mit den vorher beschriebenen Bedenken bezüglich der Partnerwahl verknüpft. Auch hier ist es die wichtige Aufgabe der Eltern, die Geschwister von der moralischen und finanziellen Verpflichtung freizusprechen und somit von der psychischen Belastung zu entlasten.

i) Die Schwierigkeit in einer außergewöhnlichen Familie zu leben

In bestimmten Phasen des Lebens gewinnt das Streben nach Konformität für Kinder und besonders für Jugendliche eine starke Bedeutung. Sie wollen die gleichen Kleider tragen wie ihre Freunde und verwenden mit Vorliebe bestimmte Wörter, die gerade “in” sind.

Das Leben in einer Familie mit einem behinderten Kind, das keineswegs der Norm entspricht, wird deswegen in diesen Lebensphasen häufig als äußerst schwierig erlebt. Behinderung entspricht nicht der Norm unserer Gesellschaft und kann somit in der Öffentlichkeit, wie z.B. in Restaurants, zu manchmal peinlichen Erlebnissen führen. So kommt es, dass Jugendliche gelegentlich die Behinderung ihrer Schwester oder ihres Bruders verheimlichen und sich in der Öffentlichkeit nicht gemeinsam mir ihrem Geschwister zeigen wollen.

Die Eltern sollten das Verhalten ihres Kindes akzeptieren und ihm behutsam versuchen emotionalen Beistand bei der Verinnerlichung, der in der Familie vertretenen Werte und Normen, die sich von denen der Gesellschaft unterscheiden, zu leisten.

Dies ist eine wahrhaft schwierige Aufgabe für Eltern und Kinder, die durch Hänseleien, bissige Bemerkungen und andere Zeichen der Ablehnung durch Bekannte oder Klassenkameraden oft noch zusätzlich erschwert wird. Die Geschwister müssen lernen, mit offenen Angriffen umzugehen sowie den Zwiespalt zwischen den Werten der Familie und denen der Gesellschaft zu ertragen, um schließlich eine eigene Position zu beziehen.

Chancen für Geschwister behinderter Kinder

Das Familienleben mit einem behinderten Geschwister birgt neben aufgeführten Erschwernissen auch Chancen und Möglichkeiten die auf die psychosoziale Entwicklung des nichtbehinderten Geschwisters positiv einwirken. Jedes Kind reagiert auf die besondere Situation anders und verarbeitet sie unterschiedlich.

Als mögliche positive Auswirkungen auf die Geschwister sind folgende zu nennen:

  • Sie besitzen oft ein ausgeprägtes Sozialverhalten, sowie Sensibilität für andere schwächere Kinder.
  • Sie wirken schon fortgeschrittener in ihrer Persönlichkeitsreifung.
  • Sie zeigen größere Sicherheit im Umgang mit Behinderung im sozialen Umfeld, sowie eine positive und offene Haltung behinderten Menschen gegenüber (prosoziale Einstellungen und Verhaltensweisen).
  • Dadurch gewinnen sie Selbstvertrauen und sind leichter fähig zu Selbstkritik.
  • Sie zeigen eine geringere Neigung zu aggressiver Selbstverteidigung bei Konflikten, sowie ein gutes Konfliktverhalten und eine höhere Frustrationstoleranz, die im Umgang mit dem behinderten Kind erworben wird.
  • Sie zeigen ebenfalls häufig ein höheres Verantwortungsbewusstsein als Gleichaltrige.

Ein emotional positives Familienklima, in dem die Kinder Halt bekommen und sich angenommen fühlen trägt zu einer positiven Verarbeitung bei. Es ist jedoch wichtig, dass Sie die Geschwister nicht überfordern, da sie sich sonst leicht selbst überfordern und sich nur Ihnen zu Liebe positiv und angepasst verhalten. Dies kann schnell und völlig unbewusst und unbemerkt geschehen.

Strategien, Bedingungen und Hilfen für eine günstige Entwicklung der Geschwister von Kindern mit Behinderungen

Die Verarbeitung der Situation durch Geschwister ist das Ergebnis vieler verschiedener Bedingungen, die oft gleichzeitig wirksam sind. Jedes Kind sowie jede Situation ist anders. Es gibt so viele Einflussgrößen, wie die Zahl der Kinder, der Alterabstand, das Familienklima, die spezielle Persönlichkeit des Geschwister etc.

Da einige dieser Größen statisch, das heißt nicht veränderbar sind, wie z.B. das Alter der Kinder, werde ich nun einige veränderbare, dynamische Bedingungen, Hilfen, oder Strategien aufführen, die Eltern, also Sie, anwenden können, um das Familienleben zu einer Chance und einem Gewinn für die Persönlichkeitsentwicklung der Geschwister werden zu lassen:

  • Schaffen Sie eine gute Familienatmosphäre /-klima
  • In einem positiven, optimistischen, liebevollen und stabilen Umfeld, in dem sich sowohl Ehepartner als auch Kinder achten und offen miteinander umgehen, sind sehr günstige Entwicklungsbedingungen für die Kinder begründet.
  • Geben sie allen Ihren Kindern das Gefühl des Angenommenseins, indem sie sich für jedes Zeit nehmen und gleichermaßen zuwenden. Dies ist als Basis für eine positive Entwicklung des Geschwisters von großer Notwendigkeit.
  • Lassen sie sowohl positive als auch negative Gefühle der Geschwisterkinder gegenüber dem behinderten Kind zu. Ist dies der Fall, braucht das Geschwister des Kindes mit Behinderungen seine Emotionen nicht zu unterdrücken, so dass der Entstehung von Schuldgefühlen vorgebeugt werden kann. Sprechen Sie mit ihrem Kind offen über diese Gefühle und verurteilen Sie es nicht.
  • Sorgen Sie für eine offene Kommunikation in der Familie, so dass die Kinder über ihre Ängste und Sorgen mit Ihnen sprechen können. Dabei kommen Schuldgefühle, Bedenken gegenüber der eigenen Gesundheit oder der der eigenen Kinder sowie bezüglich der zukünftigen Versorgung des behinderten Geschwisters zur Sprache.
  • Hören Sie ihren Kindern zu, denn Kinder merken, wenn ihnen nur die halbe Aufmerksamkeit geschenkt wird oder die Erwachsene das Erzählte nicht interessiert. Durch aktives Zuhören entwickeln Kinder das Vertrauen, dass Sie für sie da sind und Sie sich jeder Zeit ihre Probleme anhören. Auch dies beugt der Verdrängung von Gefühlen oder negativen Erlebnissen vor.
  • Zeigen Sie ihren Kindern, dass Sie die Situation im Griff haben, denn dies gibt ihnen Gefühle der Sicherheit, die notwendig für eine positive Entwicklung sind. Natürlich dürfen die Kinder auch erfahren, dass Sie sich Rat bei Experten suchen, doch darf bei ihnen nicht das Gefühl geweckt werden, dass sie sich selbst um die Eltern kümmern müssen.
  • Informieren Sie die Kinder über genaue Ursachen und Vererbarkeit der Behinderung. Dabei ist jedoch wichtig, dies in kindgemäßer Form zu tun, um die Kinder nicht zu sehr mit medizinischen Entscheidungen, die oft zur Verbesserung der Lebenslage des behinderten Kindes getroffen werden müssen, zu belasten. Zu Informierung gibt es eine Reihe von Kinderbüchern, Bilderbüchern und Sachbüchern, die sich mit Behinderung auseinander setzen. Scheuen Sie sich allerdings nicht, die Geschwister z.B. bezüglich der Entscheidung einer Heimunterbringung des behinderten Kindes mit einzubeziehen, da es für sie oft unangenehm ist, wenn Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden.
  • Nehmen Sie sich bewusst mindestens einmal pro Woche Zeit, die Sie mit ihrem nichtbehinderten Kind alleine verbringen. Dadurch gewinnt das Kind emotionale Sicherheit, das Gefühl des Angenommenseins und die Versicherung: “Auch ich bin wichtig!” Es genießt die Zeit mit Ihnen allein, in der gemeinsame Unternehmungen gemacht werden können oder einfach mal Zeit zum Unterhalten besteht.
  • Setzen Sie sich einmal pro Woche mit allen Familienmitgliedern zusammen, um die nächste Woche zu besprechen, Klagen anzuhören und Aufgaben zu verteilen. Dadurch wird allen Beteiligten die Botschaft vermittelt, dass alle zusammen helfen aber auch jeder mit seinen Bedürfnissen berücksichtigt wird.
  • Lassen Sie Ihre Kinder Kinder sein! Alle Kinder brauchen eigene freie Zeit für Freunde, für Aktivitäten, zum Spielen oder auch zum Alleinsein. Binden Sie es nicht zu stark in die Betreuung des behinderten Kindes ein oder zwingen es, sich mit ihm zu beschäftigen. Dabei ist es ebenfalls wichtig, das Eigentum des Kindes als solches zu akzeptieren. Bestimmte Spielzeuge sind Privateigentum, die nur mit Erlaubnis des Eigentümers benutzt werden dürfen. Dies muss auch ein Kind mit geistiger Behinderung verstehen lernen.
  • Lassen Sie das Geschwister individuelle Freiräume suchen, in denen es sich ohne Verpflichtungen im Bezug auf das behinderte Geschwister entfalten kann. Zu diesen Freiräumen gehören die Mitgliedschaft in Vereinen oder der Freundeskreis, in denen das Geschwister ohne seinen behinderten Bruder oder Schwester auftreten kann.
  • Verlangen Sie nicht zu früh Mithilfe im Haushalt und bei der Betreuung des behinderten Kindes, so dass das Kind nicht überfordert wird oder sich zu früh verantwortlich für die Belange seiner Familie fühlt und sich somit selbst überfordert.
  • Seien Sie ihrem Kind im Umgang mit der Behinderung vor allem in der Öffentlichkeit ein Vorbild. Kinder lernen viel durch Vorbilder und Modelle. Zeigt die Mutter oder der Vater ein sicheres Verhalten mit ihrem behinderten Kind in der Öffentlichkeit, fällt es auch den Geschwistern sehr viel leichter gemeinsam mit ihm in der Öffentlichkeit aufzutreten. Das gleiche gilt für das Sprechen über die Behinderung. Eltern, die äußerst unsicheres Verhalten im Bezug auf das Sprechen mit Freunden, Bekannten, Nachbarn aber auch Fremden über die Behinderung zeigen, vermitteln ihren Kindern automatisch, dass Behinderung geheimgehalten werden muss und somit etwas Schlechtes ist. Diesen Kindern es fällt häufig schwer, mit Freunden über ihr Geschwister zu sprechen oder verheimlichen es gar. Das gleiche gilt für die Einstellung zu Behinderung, die von den Geschwistern häufig von den Eltern übernommen wird.
  • Suchen Sie Kontakt zu anderen betroffenen Geschwistern und Familien. Gerade das Wissen, dass man mit einer Situation nicht allein auf der Welt ist und es Menschen gibt, die ähnliche Erfahrungen machen, kann vielfach schon eine Erleichterung an sich sein. Der Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Hilfe sind ein weiteres.
  • Zeigen sie Ihren Kindern Wege und Möglichkeiten, durch die sie effektive Verhaltensweisen erwerben können, um mit stressigen Situationen umgehen zu lernen. Die Geschwister brauchen Lösungsmodelle, sowohl für den Umgang mit ihrem Geschwister mit Behinderung, als auch z.B. für Konfliktsituationen im sozialen Umfeld. Das kann durch fachliche Unterstützung oder durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Geschwistern von Menschen mit Behinderung gefördert werden.
  • Unterstützen Sie Gespräche mit einer Vertrauensperson des Geschwisters, die außerhalb der Familie steht. Es kann deren Aufgabe sein, aus einer neutralen Position heraus Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und dem Geschwister zu helfen, mit seinem Verhalten umgehen zu lernen bzw. es zu verändern.

 

Wie Sie die Beziehung zwischen den Geschwistern verbessern können

Hier seien nun einige Möglichkeiten genannt, wie die Beziehung zwischen den Geschwistern dauerhaft verbessert werden kann.

Auch hier spielt das Modellverhalten der Eltern eine wichtige Rolle. Erwünschte Eigenschaften im Umgang mit dem behinderten Kind werden dann am wahrscheinlichsten übernommen, wenn die Eltern sie ebenfalls in ihrem Verhaltensrepertoire aufweisen. Bei Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der Kinder können Eltern den Kindern durchaus Anregungen zu gemeinsamen Beschäftigungen geben.

Hierzu gehört die geplante Spielzeit. Der Spielfluss zwischen dem nichtbehinderten Geschwister und dem Geschwister mit Behinderung ist häufig gestört, so dass gemeinsames Handeln im Spiel oft nur erschwert stattfinden kann. Bei der geplanten Spielzeit sucht sich jeder Bruder, bzw. jede Schwester einen Zeitraum von ca. 10 bis 15 Minuten aus, in dem er bzw. sie ganz bewusst und allein mit dem behinderten Kind spielt. In dieser Zeit können die Kinder ungestört alle Spiele ausprobieren, die sie wollen (außer Fernsehen). Dabei können sie selbstverständlich auf eigenen Wunsch die vorgegebene Zeit, die sie miteinander verbringen, verlängern.

Positive Auswirkungen dieser Spielzeit sind:

  • gemeinsam erlebter Spaß am Spiel
  • das Sammeln von Erfolgserlebnissen beim Spielen
  • Für das behinderte Geschwister: Die geballte Aufmerksamkeit des anderen Geschwisters
  • Betreuung nach Plan.
    In den meisten Familien werden ältere Geschwister an die Betreuung der Jüngeren und anderen Pflichten im Haushalt beteiligt. Um die Beziehung zwischen den Geschwistern nicht negativ zu belasten empfiehlt sich diese Betreuungszeit genau zu regeln. Dies kann durch die Betreuung nach Plan geschehen, bei der sich die älteren Geschwister einen Tag pro Woche aussuchen können, an dem sie für das behinderte Kind da sind, es ins Bett bringen und damit die Eltern entlasten. Ist die Betreuung des behinderten Geschwisters auf diese Weise geregelt, erübrigen sich die Diskussionen um Betreuungspflichten, da sich sowohl Eltern als auch Geschwister an die vereinbarten Zeiten halten.
  • Die Frei-Zeit, die die Kinder nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können ob mit Freunden, Geschwistern oder alleine.
    In dieser Zeit können die Geschwister die Eigenarten und Vorlieben der anderen kennen und verstehen lernen, ohne das die Eltern eingreifen. Sie sind ganz sich selbst überlassen und ohne jegliche Aufsicht der Eltern. Sie können miteinander malen, fernsehen, ein Gesellschaftsspiel spielen oder einfach “nichts” tun.

Neben den eben aufgeführten Anregungen können Sie sich natürlich auch eigene andere Regelungen ausdenken, oder mit den Kindern zusammen entwerfen.

Organisatorische Hilfen für Betroffene

Nachdem ich oben darauf eingegangen bin, was Sie in ihrer Familie selber als Strategien anwenden können, stelle ich nun einige ausgewählte organisatorische Hilfen dar, an die Sie sich wenden können, um Entlastung oder Hilfe zu bekommen. Auch hier beschränke ich mich vorwiegend auf Hilfen, den Geschwistern in ihrer Situation dienlich sind.

Der Familienentlastende Dienst (FED)

Der FED ist ein mobiler sozialer Dienst der Lebenshilfe in Deutschland, durch den Familien mit behinderten Kindern entlastet werden können.

Die Mitarbeiter, die bei der Lebenshilfe angestellt sind, übernehmen für einen Zeitraum von ein paar Stunden regelmäßig die Betreuung des behinderten Kindes sowie manchmal auch die der Geschwister. Dazu gehören Unternehmungen mit den Kindern, wie Spazieren gehen oder ins Kino gehen, oder auch einfach “Babysitten”, d.h. zu Hause betreuen, damit die Eltern ein Wochenende oder einen Abend für sich allein haben können.

Auf diese Weise werden sowohl Eltern als auch Geschwister von der Betreuungssituation des behinderten Kindes entlastet. In der Zeit, in der das Kind von den Mitarbeitern des FED betreut wird, haben die Eltern die Gelegenheit, sich ihren nichtbehinderten Kindern sowie dem Ehepartner zuzuwenden. Dies trägt zu der Zufriedenheit aller Familienmitglieder bei und gibt Raum für Tätigkeiten, die mit dem behinderten Kind nicht möglich gewesen wären.

Geschwisterseminare

Unter Geschwisterseminaren sind Seminare für Geschwister geistig behinderter Kinder zu verstehen, die Marlies WINKELHEIDE im Niels-Stensen-Haus in Bremen anbietet. Sie sind für die Geschwister eine gute Möglichkeit, mit ihren Bedürfnissen, Wünschen und Sorgen einmal im Mittelpunkt zu stehen und zumindest für eine kurze Zeit Abstand von der Situation zu Hause zu gewinnen. Die Geschwisterseminare bieten den Geschwistern Raum, Fragen zu stellen, ihre eigenen Gefühle zu äußern und neue Ausdrucksmöglichkeiten zu finden, ohne dabei Rücksicht auf die Gefühle der anderen Familienmitglieder nehmen zu müssen. Es ist ein sehr positives Erlebnis für die Geschwister, wenn sie erfahren, dass es noch viele andere Kinder gibt, die sich in der gleichen Situation wie sie befinden.

An den Seminaren, die von einem Wochenende bis zu einer Woche dauern, können Kinder im Alter von 6 bis 20 Jahren, die alle als Gemeinsamkeit ein Geschwister mit Behinderungen haben, teilnehmen. Ein Mitarbeiterteam von acht bis zehn Personen betreut die ca. 25 bis 30 Kinder und steht den Kindern bei Fragen Rede und Antwort.

Am Ende der Tagung findet ein Informationsgespräch mit den Eltern statt, welches von den Kindern und Mitarbeitern gemeinsam gestaltet wird.

Marlies WINKELHEIDE ist es wichtig, dass sich die Kinder auf den Seminaren in ihren Ängsten und Problemen ernstgenommen fühlen. Die Kinder werden durch die Seminare teilweise aus ihrer Isolation herausgeführt und lernen mit Hilfe der anderen Kindern, wie ihre Probleme gelöst werden können.

Ziel der Seminare ist die Kinder anzuregen sich mit der Behinderung des Geschwisters auseinander zu setzen und eine eigene Einstellung zu dazu zu finden. Auf diese Weise kann das Zusammenleben mit dem behinderten Geschwister zu einem Gewinn werden, bei dem die Kinder sich als eigene Persönlichkeiten erfahren lernen und sich nicht über die Beziehung zu ihrem behinderten Geschwister zu definieren versuchen. Jedes Seminar steht unter einem in sich abgeschlossenen Thema zu dem die Kinder Stellung beziehen, Fragen stellen und Erfahrungen austauschen können. Mögliche Themen sind “Du behinderst mich”, “Jeder findet seinen Platz”, oder “Leg mich nicht fest”.

Methoden der Umsetzung der Themen während der Seminare:

  • Rollenspiel (Standbild, längerfristig geplantes Theaterstück, etc.)
  • Schreiben einer Geschichte
  • Schreiben von Briefen
  • Gespräch (Antwort auf Fragen)

Neben den Tagungen von WINKELHEIDE in Bremen werden inzwischen auch in anderen Institutionen ähnliche Seminare für Geschwister sowie Geschwisterselbsthilfegruppen deutschlandweit angeboten.

Die Familienberatung

Die Familienberatung ist eine Form der Beratung, bei der alle in der Familie lebenden Bezugspersonen mit einbezogen werden. Jedes Familienmitglied, auch die Geschwister, können ihre Probleme, Sorgen und Ängste erzählen und daraufhin Vorschläge und Hilfen zur Bewältigung der Situation durch den Therapeuten bekommen. In der Therapie haben die Geschwister die Möglichkeit, ihre negativen Gefühle, wie Neid, Eifersucht und Rivalitätsgedanken einzubringen, die daraufhin in der Beratungssituation Gegenstand gemeinsamer Gespräche und Überlegungen werden können.

Eine Familientherapie ist dann ratsam anzuwenden, wenn festgestellt wird, dass man mit eigener Hilfe in der Familiensituation nicht mehr weiter kommt. In ihr kann gezielt auf bestimmte Konflikte, die sich im Zusammenleben mit den Geschwistern ergeben, sowie auch auf andere Probleme eingegangen werden. Auf diese Weise wird sowohl das Familienklima als auch die Selbstzufriedenheit von Eltern und Geschwistern verbessert.

Im Anschluss an die Familientherapie können, wenn dies erwünscht ist, Möglichkeiten der Kontaktaufnahme zu anderen betroffenen Familien oder Selbsthilfefamilien vermittelt werden.

Die Familienberatung findet meistens in speziellen Institutionen, wie Therapiezentren, Kliniken, im Jugend- oder Sozialamt im Rahmen einer Erziehungsberatungsstelle oder in Behinderteninstitutionen, statt.

Selbsthilfegruppen für Eltern

Eine Möglichkeit der indirekten Hilfe, das heißt eine Hilfe, deren Auswirkungen sich für die Geschwister als günstig erweisen, sind Selbsthilfegruppen für Eltern. In diesen können die Eltern Kontakt zu Menschen, die in gleicher Weise betroffen sind und somit auch ähnliche Probleme haben, bekommen. Es kann sehr hilfreich sein neben der Beratung durch Fachleute, Kontakt zu anderen betroffenen Eltern zu haben und mit ihnen über gemeinsame Erfahrungen zu sprechen.

Dadurch werden häufig neue Wege und Möglichkeiten geschaffen, das veränderte Familienleben anzunehmen und positiv zu gestalten und somit der Prozess der Annahme des behinderten Kindes unterstützt.

Durch die Sicherheit und die Informationen, die die Eltern durch Teilnahme in einer Selbsthilfegruppe erlangen, wird das Familienklima und die Zufriedenheit der Eltern entscheidend verbessert, was sich sehr positiv auf die Situation der nichtbehinderten Geschwister auswirkt und sie in ihrer Verarbeitung dieser unterstützt.

Auch für Geschwister gibt es in einigen Orten und Städten Geschwistergruppen zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch. Am besten informieren Sie sich darüber über die Sonderschule ihres Kindes oder die Zweigstelle der Lebenshilfe in der Stadt.

Heimunterbringung des behinderten Kindes

Eine weitere Entlastung zur Entspannung kann die Heimunterbringung des behinderten Kindes sein. Diese erfolgt besonders häufig bei schwermehrfachbehinderten oder aggressiven Kindern, die es unmöglich machen einen normalen Alltag für die Geschwisterkinder zu gestalten.

Auf die nichtbehinderten Geschwister kann sich die Heimunterbringung unterschiedlich auswirken. Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihren Kindern genau erklären aufgrund welcher Gründe Sie erwägen das behinderte Geschwister in einem Heim unterzubringen. Bei unzureichender Informierung der Kinder können häufig Ängste und starke Schuldgefühle bei den Geschwistern entstehen, weil sie glauben sie wären Schuld an Ihrer Entscheidung. Manche Kinder haben ebenfalls Angst, dass sie bei schlechtem Benehmen ebenfalls in ein Heim kommen.

Sind die Geschwister stark in die Betreuung des behinderten Kindes eingebunden, kann die Heimunterbringung durchaus als Entlastung erlebt werden.

Neben den aufgeführten Hilfen, Strategien und günstigen Bedingungsfaktoren gibt es noch einige weitere. Eine Auswahl der mir am wichtigsten erscheinenden, sei hiermit nun beendet. Sind jedoch durch die nun gewonnenen Informationen weitere Fragen aufgeworfen worden, empfehle ich Ihnen sich durch die Literatur, die ich im Anschluss aufführe weiter zu informieren.

Wie schon zu Beginn darauf hingewiesen, sind bei positiver Bewältigung der Situation durch die Geschwister, die durch situationsgemäße Unterstützung erfolgen kann, durchaus auch Chancen mit dem gemeinsamen Aufwachsen behinderter und nichtbehinderter Kinder verbunden. So treten Geschwister behinderter Kinder häufig offener und selbstkritischer auf, sind stärker an sozialen und humanen Werten orientiert und neigen bei Konflikten weniger zu einer aggressiven Verteidigung. Sie wirken teilweise älter und reifer als Gleichaltrige und zeigen Verantwortungsbewusstsein und bei Misserfolgen eine größere Frustrationstoleranz.

Um sich zu einer solchen Persönlichkeit zu entwickeln, ist die Unterstützung der Eltern, worauf ich schon mehrfach hingewiesen habe, von großer Bedeutung. So hoffe ich, dass Ihnen als betroffene Eltern meine Ausführungen bei dieser Unterstützung eine Hilfe sein können.

Literaturempfehlungen zum Thema

  • Schaback, Caroline: Zur Lebenssituation der Geschwister behinderter Kinder unter besonderer Berücksichtigung der sich daraus entwickelnden Probleme und Chancen sowie der Bedeutung der veränderten Familiensituation für die psychosoziale Entwicklung der nicht-behinderten Geschwister. Online veröffentlichte Examensarbeit, Universität Würzburg
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    Hinweis: Zum Öffnen dieser Datei benötigen Sie den Öffnet externen Link in neuem FensterAdobe® Reader
  • Achilles, Ilse: ”... und um mich kümmert sich keiner” – Die Situation der Geschwister behinderter Kinder. München (1997)
  • Achilles, Ilse; Schliehe, Karin: Meine Schwester ist behindert. BvLh-Marburg (1993).
  • Bundesvereinigung Lebenshilfe: Geschwister geistig Behinderter, 30. Marburger Gesprächstage, Dokumentation, Marburg 1992.
  • Görres, Silvia: Leben mit einem behinderten Kind: Was bedeutet ein behindertes Kind für seine Eltern, Geschwister, Verwandten, Nachbarn? München
  • Grünzinger, Eberhard: Geschwister behinderter Kinder. Besonderheiten, Risiken und Chancen. Neuried 2005
  • Kaszubski, Linda; Wetzel, Gottfried: Schönes schweres Miteinander. Geschwister von Menschen mit Behinderung. In: Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft. Online: Öffnet externen Link in neuem Fensterbidok.uibk.ac.at/library/beh2-00-geschwister.html
  • Knees, Charlotte; Winkelheide, Marlies: Ich bin nicht du, du bist nicht ich – Aus dem Leben mit behinderten Geschwistern. Kevelaer, 1999.
  • Kriegl, Huberta: “Behinderte” Familien? Wien 1993.
  • Miller, Nancy: Mein Kind ist fast ganz normal – Leben mit einem behinderten oder verhaltensauffälligen Kind: Darin: Geschwister, S. 169 – 187. Stuttgart (1997).
  • Winkelheide, Marlies Ich bin doch auch noch da : aus der Arbeit mit Geschwistern behinderter Kinder. Mit Beitr. von Charlotte Knees und einem Vorw. von Rolf Krenzer. Bremen 1992.

Das Staatsinstitut für Familienforschung in Bamberg hat im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Frauen und Familie Broschürenmaterial zum Thema entwickelt. Darin enthalten sind

  • ein Elternbrief (Die Autorinnen sind selbst Eltern von einem geistig behinderten bzw. autistischen Kind)
  • eine Bildergeschichte für 3- bis 6-jährige Kinder
  • den Briefwechsel zweier Geschwistern behinderter Kinder (für 7- bis 12-Jährige)
  • ein “Check-Up” über die eigene Situation (für 13- bis 17-Jährige), sowie
  • ein Infoblatt mit einer sehr guten Zusammenstellung von Büchern und Filmen, für wen diese jeweils geeignet sind.

All diese Informationen kann man direkt im Internet Öffnet externen Link in neuem Fensterherunterladen (Achtung: größere Dateien von 1-6 MB!) oder kostenlos bestellen beim IFB Bamberg, Heinrichsdamm 4, 96047 Bamberg, Tel.: 0951/96525-21, E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailsekretariat@ifb.uni-bamberg.de

Kontaktadressen und Informationen im Internet zu Geschwistertagungen und anderen Veranstaltungen

Die Öffnet externen Link in neuem FensterLebenshilfe Bremen hat seit 01.03.2005 eine Beratungsstelle für Geschwisterkinder eingerichtet. Dort berät Marlies Winkelheide in allen Fragen, die im Zusammenhang mit einem behinderten Geschwisterkind stehen. Kinder, Jugendliche, erwachsene Geschwister, Eltern und Fachleute aus ganz Deutschland werden dort beraten. Man erreicht die Beratungsstelle unter der Tel.: 0421 /387 77 0, Fax: 0421 /387 77 99 oder per eMail unter Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailgeschwisterkinder@lebenshilfe-bremen.de .