Entwicklung und Verlauf
Nach Döpfner et al.: Hyperkinetische Störungen, 2000 und Scherr, L.: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, 1996
Wie schon erwähnt, sind Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen in der Entwicklung in sehr vielen Fällen mit Begleitsymptomen (Begleiterkrankungen) gekoppelt. Im Zusammenspiel von Kernsymptomatik und Begleitsymptomen treten im Verlaufe der Entwicklung die Symptome der Kernsymptomatik in den Vordergrund, während die Symptome der Begleiterkrankungen in den Hintergrund treten, oder umgekehrt.
Säuglingsalter
Ca 60% der Kinder zeigen extreme Unruhe
- Besonders häufiges ausdauerndes und schrilles Schreien
- Ununterbrochener Bewegungsdrang
- instabiler Wach- und Schlaf-Rhythmus
- Sauberkeitserziehung und Sprachentwicklung sind häufig verzögert
Kleinkindalter
- Vermehrte Aggressionen
- Unkontrollierbare Wutanfälle
- Chaotisches und destruktives, wenig zielgerichtetes Spielverhalten
Kindergartenalter
- Gruppenunfähigkeit und Störverhalten => Außenseiterrolle
- Ständiges Herumzappeln und Dazwischenreden im Stuhlkreis
- Starker Bewegungsdrang gefährdet diese Kinder und Unbeteiligte
- Kein Gefahrenbewusstsein
- Kein Lernzuwachs durch negative Erfahrungen
Schulzeit
- Symptome des HKS treten voll zu Tage
- Einfügen in den Klassenverband sehr erschwert
- Die Kinder schlagen häufig und werden geschlagen
- 85% der Schulwegunfälle
Jugendalter
- Die motorischen Symptome der Hyperaktivität gehen zurück
- Impulsivität und verminderte Aufmerksamkeit bleiben erhalten
- Orientierung an sozialen Randgruppen
- Risiko, eine Suchtbereitschaft zu entwickeln
- Bereitschaft zum Hochrisikoverhalten
- Häufige Unfälle
Viele Probleme aus der Kindheit können sich bis weit ins Erwachsenenalter fortsetzen, wie aus den Ergebnissen folgender Langzeitstudien deutlich wird:
Bei in der Kindheit diagnostizierter ADHS wurden bestimmte Auffälligkeiten in erhöhten Maße beobachtet:
| Studie | Auffälligkeit |
|---|---|
| New York-Studie 1985 -1991: | Drogenmissbrauch, Störungen im Sozialverhalten |
| Shekim et al. 1990: | Angstsymptome, Alkoholprobleme |
| Iowa-Studie 1983: | Strafauffälligkeiten |
| Beck et al. 1996: | Erhöhte Unfallneigung |
| Warnke & Remschmidt 1990: | Schlechtere berufliche Position |
Festgehalten werden kann:
Häufig tritt die motorische Hyperaktivität als hervorstehende Symptomatik im Kindergarten- und Vorschulalter zu Tage. Die Stabilität der Störung wird zwischen dem Alter von drei und sechs Jahren mit ungefähr 50 % angegeben.
Mit der Einschulung verlagert sich die Problematik vor allem auf den Lern- und Leistungsbereich. In diesem Altersbereich von sechs bis neun Jahren beträgt die Stabilität der ADHS-Störung zwischen 60 und 70 %.
Im Jugendalter beträgt die Stabilität der AHDS-Störung immer noch zwischen 30 und 70 %. Die Symptomatik unterliegt einem Wandel, da die motorische Hyperaktivität in der Regel nachlässt. Die Impulsivität und Aufmerksamkeitsstörung bleiben jedoch häufig erhalten. Weiterhin können neben der Schulleistungsproblematik in zunehmendem Maße (25-50 %) Störungen des Sozialverhaltens und delinquente Handlungen auftreten. Ein Problem kann auch die erhöhte Gefährdung für Alkohol- und Drogenmissbrauch.
Erwachsenenalter: Entgegen früherer Annahmen erhalten sich (in 50 bis 80 % der Fälle) einzelne Teilbereich des hyperkinetischen Syndroms bis ins Erwachsenenalter hinein. Über die Häufigkeit (Prävalenz) der hyperkinetischen Störung im Erwachsenenalter liegen sehr unterschiedliche Daten vor: Während Wender von 2 bis 7 % ausgeht, sieht Shaffer nur 0,3 %.
