INTAKT - Internetplattform für Eltern von behinderten Kindern

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Selbsthilfe

Selbsthilfe verfolgt das Ziel, dass z.B. Eltern von Kindern mit Behinderung sich selbst oder gegenseitig helfen. Dies geschieht in der Annahme, dass Menschen sich selbst oder anderen in ähnlicher Lage bei der Bewältigung der auftretenden Probleme besondere Hilfe und Stütze sein können, und zwar im täglichen Leben mit all seinen unterschiedlichen Anforderungen, die ein selbstbetroffener Mensch letztlich viel besser kennt und kennen muss als z. B. ein nichtbetroffener professioneller Helfer.

In Deutschland hat sich in den letzten 20 Jahren ein umfassender Aufbau von Selbsthilfegruppen vollzogen. In einer solchen Gruppe schließen sich Menschen zusammen, die ein gemeinsames Anliegen verbindet. Dies kann z. B. eine chronische Erkrankung oder eine Behinderung sein, von der der Mensch oder ein Angehöriger betroffen ist. Dies geschieht mit dem Ziel sich gegenseitig zu stärken, die Öffentlichkeit auf die besonderen Anliegen des zugrundeliegenden Problemfeldes zu sensibilisieren und vor allem auch Personen, die von dem gleichen Problemstellung betroffen sind und noch keinen Anschluss an Gleichbetroffene gefunden haben, im Umgang mit der Problematik/der Krankheit zu beraten.

Kontaktstellen

Bei der Suche nach gleichgesinnten Menschen können Sie sich an folgende Anlaufstellen wenden:

  • Unser Forum bietet die Möglichkeit sich mit anderen Leuten auszutauschen und um Rat zu fragen. Ein solches Forum ist so etwas wie eine riesig große Selbsthilfegruppe, nur eben im Internet. Sie können dort selbst direkt Sachfragen stellen oder auch von anderen Eltern Ermutigung bekommen. Wir bemühen uns, die Zugangsbarrieren zu unserem Forum möglichst gering zu halten, so dass es z.B. nicht notwendig ist, sich dafür zu registrieren. Sie können einfach anonym Ihre Fragen stellen bzw. von Ihrer Situation berichten. Doch auch wenn Sie nur lesen, was andere Betroffene geschrieben haben, kann das oft schon weiter helfen. Somit sind bei uns aktive und auch passive Nutzer herzlich willkommen!
  • Wenn Sie sich direkt, wie in einem Gespräch, mit anderen Eltern über das Internet austauschen möchten, können Sie gerne einmal unseren Internet-Chat besuchen. Dort treffen sich regelmäßig Eltern um sich in Echtzeit vor dem Computer zu unterhalten.
  • In unserer Datenbank finden Sie Adressen zu fast 400 Selbsthilfegruppen und vielen Selbsthilfeverbänden in Bayern. Wenn Sie Ihre Selbsthilfegruppe gerne eintragen möchten, können Sie Ihre Kontaktdaten gerne eintragen.
  • Viele Städte und Landratsämter haben Selbsthilfekontaktstellen eingerichtet, die die Aktivitäten im Bereich Selbsthilfegruppen koordinieren. Dort können Sie Adressen, Treffpunkte und Treffzeiten erfahren. Bei diesen Stellen können Sie auch erfahren ob es andere Interessierte gibt, mit denen Sie eine Selbsthilfegruppe gründen können.
  • Die Selbsthilfe Koordination Bayern (SEKO) ist eine Einrichtung zur landesweiten Vernetzung und Unterstützung der Selbsthilfe im Gesundheits- und Sozialbereich.
  • NAKOS ist eine Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, wo Sie weitere Informatione, Adressen und Selbsthilfekontaktstellen erfragen können.
  • Das Kindernetzwerk für kranke und behinderte Kinder und Jugendliche in der Gesellschaft e. V. ist ein Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen. Sie erhalten dort Auskünfte auch zu sehr speziellen Themen aus dem Bereich Behinderung, wie z.B. zu seltenen Syndromen, sowie bundesweite Kontakte zu Selbsthilfegruppen.
  • Auch beim AOK – Selbsthilfeportal finden Sie direkt online Adressen von Selbsthilfegruppen in Bayern.
  • Bei Selbsthilfe online finden Sie direkt die Adressen von Verbänden und Selbsthilfegruppen bundesweit nach Postleitzahlen sortiert.

    Ziele, Verwirklichung und Organisation der Selbsthilfe

    Die Ziele, die Selbsthilfe in jeweils unterschiedlicher Intensität und jeweils anderem Schwerpunktthema verfolgt, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Kennenlernen anderer Betroffener, Gespräche miteinander, Gedankenaustausch und gemeinsames Aktivwerden;
  • Hilfen beim Bewußtwerden eigener Bedürfnisse und Wünsche;
  • Hilfen beim Lösen von Problemen; Hilfen zur Angstverarbeitung, Stärkung des Selbstwertgefühls;
  • Aufklärung, Information Betroffener;
  • Vertretung der Interessen der Betroffenen, Abbau von Vorurteilen, Öffentlichkeitsarbeit; Informationsaustausch über das Hilfesystem;
  • (Mit-)Gestaltung von Angeboten und Hilfen.

    Verwirklichung in Selbsthilfegruppen

    Der Gedanke der Selbsthilfe erfährt seine Verwirklichung in der Bildung von Gruppen – Selbsthilfegruppen genannt -, die ähnlich oder gleich betroffenen Menschen Beratung und konkrete Hilfen in den verschiedensten Lebensbereichen zur Verfügung stellen.

    Selbsthilfegruppen entfalten meist unterschiedliche Aktivitäten. Häufig zu finden sind:

  • Gruppentreffs, -abende;
  • geselliges Beisammensein, Feste und Feiern;
  • Informationsabende, Berichte – Erwachsenenbildung;
  • Einzelberatung von Betroffenen;
  • Interessenvertretung durch Teilnahme an Veranstaltungen;
  • Kontakte zu anderen Gruppen, Institutionen, Behörden;
  • Öffentlichkeitsarbeit (Teilnahme an Straßenveranstaltungen u.a.);
  • Initiativen zur Gründung von anderen Gruppen.

    Die Existenz von Selbsthilfegruppen ist auch unter dem Dach größerer Behindertenverbände
    vorstellbar und mancherorts bereits Realität. Es ist dabei zu bedenken, dass viele Behindertenverbände letztlich dem Gedanken der Selbsthilfe verpflichtet sind – vor allem zu Zeiten ihrer Gründung durch Betroffene selbst oder deren Angehörige. Für die Lebenshilfe als Elternvereinigung trifft dies in besonderer Weise zu.

    Die Größe von Selbsthilfegruppen sollte darauf Rücksicht nehmen, dass die Gruppen überschaubar bleiben und entsprechend sinnvoll wirken können. Der enge persönliche Kontakt untereinander erscheint besonders wichtig. Andererseits aber sollten die Gruppen grundsätzlich für alle Betroffenen ihres Wirkungsbereiches offen sein. Gegebenenfalls ist der jeweilige Einzugsbereich neu festzulegen.

    Vielfältige Formen der Selbsthilfe:

  • Eltern/ Angehörige beraten Eltern/ Angehörige: Eltern/Angehörige von Kindern mit Behinderung geben ihre Erfahrungen und Informationen über regionale Ausgangsbedingungen, Rechte, Ressourcen, Unterstützung, Verständnis und Orientierung an andere Eltern weiter, die in vergleichbarer Lebenssituation sind. Sie unterstützen sich gegenseitig auch in psychosozialer Hinsicht und durch erlebbare Solidarität.
  • Menschen mit Behinderung beraten sich gegenseitig: Menschen mit Behinderung unterstützen sich gegenseitig, mit ihrer besonderen Lebenssituation besser zurechtzukommen und bestärken sich in der eigenen Kompetenz im Umgang mit ihrer Behinderung. Selbsthilfeaktivitäten von behinderten Menschen bedeuten gerade für Jugendliche, junge Erwachsene und Erwachsene die Chance zum Aufbau sozialer Beziehungen und persönlicher Freundschaften zu Menschen mit vergleichbaren Interessen.
  • Wie können Eltern sich selbst helfen?: Viele Familien können sich durchaus selbst helfen. Familien sind oft selbst in der Lage, entsprechende Hilfen eigenständig zu organisieren. Andere brauchen nur gelegentliche Beratung, Hilfe und Erfahrungsaustausch untereinander. Gleichbetroffene Menschen können einander ein tiefes Verständnis und Geborgenheit bieten. Deshalb haben die Träger von Frühförderstellen die Aufgabe, Eltern nicht nur als Hilfebedürftige zu sehen, sondern ihnen Rechte und Chancen zur Selbstgestaltung und Einflussnahme zu ermöglichen, damit diese sich auch als selbstbestimmte Partner professioneller Dienste erleben können. Von daher muss auch an dieser Stelle betont werden, dass Frühförderung als Angebot an Familien zu verstehen ist.