Bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung
Erwachsene Menschen mit Behinderung, die aus medizinischen Gründen voll erwerbsgemindert sind, erhalten Hilfe zum Lebensunterhalt über die Grundsicherung (§§ 41-46 SGB XII ).
Überblick: Was bezweckt die Grundsicherung?
Dauerhaft erwerbsunfähigen Menschen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, steht ein Anspruch auf Grundsicherung zu. Antragsberechtigt sind danach insbesondere auch Mitarbeiter der Werkstätten (WfbM), wenn sie wegen Art und Schwere der Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können. Voraussetzung für den Anspruch ist, dass der Antragsberechtigte seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen bestreiten kann.
Unterhaltsansprüche des Antragsberechtigten gegenüber seinen Kindern und Eltern bleiben unberücksichtigt, es sei denn, das jährliche Gesamteinkommen dieser Personen überschreitet 100.000 EUR. Tatsächlich geleistete Unterhaltszahlungen sollen allerdings immer angerechnet werden! Das Vermögen der Eltern und Kinder des Antragsberechtigten bleibt völlig unberücksichtigt. Die Grundsicherung wird auch zugestanden, wenn erwachsene Menschen mit Behinderung bei ihren Eltern zu Hause leben. Die monatlichen Zahlungen setzen sich aus dem Regelsatz zuzüglich den tatsächlichen Kosten für die Unterkunft (Miete + Heizkosten) und evtl. notwendigem Mehrbedarfszuschlag zusammen.
Wer kann Leistungen erhalten?
Personen mit gewöhnlichem Aufenthalt im Inland (auch Ausländer mit gültiger Aufenthaltserlaubnis),
- die das 65. Lebensjahr vollendet haben oder
- die das 18. Lebensjahr vollendet haben und – unabhängig von der jeweiligen Arbeitsmarktlage – voll erwerbsgemindert sind und bei denen unwahrscheinlich ist, dass die volle Erwerbsminderung behoben werden kann, sind nach §41 SGB XII leistungsberechtigt, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können.
Der tatsächliche Bezug einer Rente wegen voller Erwerbsminderung oder wegen Alters ist nicht notwendig. Das Vorliegen der Voraussetzungen nach dem § 43 Abs. 2 SGB VI wird in diesen Fällen bei versicherten Personen vom zuständigen Rentenversicherungsträger geprüft. Personen, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) beschäftigt sind, sind in jedem Fall dauerhaft voll erwerbsgemindert und leistungsberechtigt. Dies gilt jedoch nicht, während sich die Betreffenden in Schul- oder Berufsausbildung (z.B. im Berufsbildungsbereich der WfbM) befinden!
Bei Personen, die im Aufnahmeverfahren für eine WfbM untersucht worden sind und bei denen festgestellt wurde, dass sie nicht fähig sind, dort zu arbeiten, erfüllen ebenfalls die Kriterien für die dauerhafte Erwerbsminderung.
Muss eigenes Einkommen oder Vermögen für den Lebensunterhalt verwendet werden?
Ja. Grundsicherungsleistungen erhalten Personen, die ihren Lebensunterhalt nicht
- aus eigenem Einkommen und Vermögen oder
- aus dem Einkommen und Vermögen des nicht getrennt lebenden Ehegatten oder des Partners einer eheähnlichen Gemeinschaft, soweit es deren Eigenbedarf übersteigt, bestreiten können.
Zum Einkommen gehören z. B.:
- Erwerbseinkommen
- Renten, Pensionen
- Wohngeld , Ehegattenunterhalt
- Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung
- Zinsen und sonstige Kapitaleinkünfte
Zum Einkommen gehören nicht:
- Leistungen nach dem Kindererziehungsleistungsgesetz (KLG) für Mütter, die vor 1921 geboren sind,
- Kindergeld (vgl. Gerichtsurteil des Bundesverwaltungsgerichts )
- Grundrente nach dem Bundesversorgungsgesetz (BVG) und sonstige Leistungen für Schaden an Leben, Körper oder Gesundheit zur Hälfte
- Erziehungsgeld nach dem Bundeserziehungsgeldgesetz (BErzGG)
- tatsächliche Unterhaltsleistungen der Eltern oder Kinder, wenn deren Einkommen einen Jahresbetrag von 100.000 EUR nicht erreicht
- Pflegegeld
- das Ausbildungsgeld einer WfbM (!), sh. Gerichtsurteil dazu
Zum Vermögen gehören z. B.:
- Haus- und Grundvermögen
- Auto (allerdings ist hierbei NICHT entscheidend, wer der Halter ist, also im Fahrzeugbrief steht, sondern wer Eigentümer ist, was z.B. durch Kaufvertrag nachgewiesen werden kann. Sh. auch Beitrag im Forum )
- Bargeld und Guthaben auf Konten bei Banken, Sparkassen, Bausparkassen u.a.
- Wertpapiere und Rückkaufwerte von Lebens- und Sterbeversicherungen
Zum Vermögen gehören nicht:
- angemessener Hausrat
- angemessenes Hausgrundstück
- Kleinere Barbeträge (Alleinstehende 2.600 EUR, Verheiratete oder Lebenspartner 3.214 EUR)
Abgezogen werden können:
- auf das Einkommen entrichtete Steuern
- Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung
- gesetzlich vorgeschriebene und angemessene Beiträge zu öffentlichen oder privaten Versicherungen
- beim Erwerbseinkommen die Werbungskosten
Wer hat keinen Anspruch auf Grundsicherungsleistungen?
Keinen Anspruch auf Grundsicherungsleistungen haben
- Personen, wenn das Einkommen der Eltern oder Kinder jährlich einen Betrag von 100.000 EUR übersteigt,
- Personen, die ihre Bedürftigkeit innerhalb der letzten zehn Jahre vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt haben sowie
- ausländische Staatsangehörige, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) erhalten.
Wie setzen sich die Leistungen der Grundsicherung zusammen und ab wann besteht Anspruch darauf?
Grundlage ist die Regel Bedarf – Einkommen = Höhe der Leistung .
Vom Einkommen (sh. oben) muss man abziehen:
- die dafür gezahlten Steuern,
- Plichtbeiträge zur Sozialversicherung
- Beiträge zu Versicherungen, soweit diese gesetzlich vorgeschrieben oder angemessen sind, sowie geförderte Altersvorsorgebeiträge und
- die für das Einkommen notwendigen Ausgaben (Fahrtkosten, Arbeitsmittel, usw.)
Daraus ergibt sich das Einkommen . Der Bedarf setzt sich zusammen aus
- dem für den Antragsberechtigten maßgebenden Regelsatz ,
- die angemessenen tatsächlichen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung (bei nicht getrennt lebenden Ehegatten oder bei einer eheähnlichen Partnerschaft jeweils anteilig; gleiches gilt, wenn das Kind bei den Eltern zu Hause wohnt, sogar wenn dieses deren Eigentum ist! -> Gerichtsbeschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (Az: 12 B 03.3080) ),
- die Übernahme der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, soweit sie nicht anderweitig abgedeckt werden und
- ein Mehrbedarf, falls dieser zusteht.
Die Leistungen der Grundsicherung beginnen mit der Antragstellung, Nachzahlungen für Zeiträume vor dem Antrag werden nicht erbracht.
Regelsätze
Aus dem Bedarf, den Personen im jeweiligen Bundesland haben, wird regelmäßig der sogenannte Eckregelsatz gebildet, der Grundlage für die Leistungen der Sozialhilfe und der Grundsicherung darstellt. Dieser wurde zum 01.01.07 bundesweit angepasst, so dass nun erstmals seit der Wiedervereinigung für alle ost- und westdeutschen Bundesländer der einheitliche Regelsatz von 345 Euro gilt. Der Regelsatz für Kinder bis 14 Jahre beträgt 207 Euro und für Haushaltsangehörige über 14 Jahre monatlich 276 Euro .
Mehrbedarfszuschläge
Um besondere Belastungen zu berücksichtigen, werden für folgende Personengruppen ein sogenannter Mehrbedarfszuschlag gewährt:
| Personengruppe | Zuschlag in Prozent des Eckregelsatzes |
|---|---|
| Behinderte Menschen ab dem 15. Lebensjahr, die Eingliederungshilfe erhalten. | 35% |
| Wenn letzteres nicht vorliegt:Personen, die über 65 Jahre alt sind oder solche, die unter 65 und voll erwerbsgemindert sind und einen Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen G oder aG haben | 17 % |
| Für kranke, genesende oder behinderte Menschen, die einer besonderen Ernährung bedürfen | Zuschlag in angemessener Höhe |
| Werdende Mütter ab Beginn der 13. Schwangerchaftswoche | 17 % |
| Personen, die mit einem Kind unter 7 Jahren oder mehreren Kindern unter 16 Jahren zusammenleben und allein für deren Pflege und Erziehung sorgen | 36 % |
| Oder wenn sich daraus ein höherer Prozentsatz ergibt:Allein Erziehende, denen bislang aufgrund der Zahl und der Alterskonstellation ihrer Kinder kein Mehrbedarf gewährt werden konnte | 12 % für jedes Kind (max. 60%) |
| Deckelung: Nach § 21 (6) SGB II darf der Mehrbedarf 100% der Regelleistung nicht überschreiten. | |
Wo kann der Antrag gestellt werden?
Der Antrag auf Leistungen der Grundsicherung kann beim zuständigen Sozialamt gestellt werden. Darüber hinaus nehmen die Auskunfts- und Beratungsstellen der Rentenversicherung Anträge ebenfalls entgegen. Links zu Anträgen zum Herunterladen finden Sie auf unserer Seite Anträge und Formulare .
Weitere Informationen
- Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung: 0800-1000 480 70 (kostenfrei)
- Fragen und Antworten zum Thema Grundsicherung der Deutschen Rentenversicherung
- Sozialfibel des bayerischen Sozialministeriums
- Mein Kind ist behindert – diese Hilfen gibt es (PDF-Dokument): Hinweise auf finanzielle Hilfen für Familien und erwachsene Menschen mit Behinderung (Zusammengestellt von Bernd Masmeier und Katja Kruse)
- Broschüre Die Grundsicherung – eine zusätzliche Sicherheit der Deutschen Rentenversicherung
- Broschüre Sozialhilfe und Grundsicherung
- Oder fragen Sie andere Eltern in unserem Forum .
