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Freizeit

Freizeitgestaltung ist etwas Schönes. Man kann – wie der Name schon sagt – seine Zeit frei gestalten. Nur manchmal ist dies für Menschen mit Behinderung nicht ganz so einfach möglich, wie für Menschen ohne Behinderung. Für Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung machen viele Barrieren eine freie Zeitgestaltung manchmal schwierig. So verfügen alte Kinos oder besonders schöne Gaststätten oder Kneipen, deren Toilette manchmal nur über eine Treppe im Untergeschoss erreichbar ist. Überlandbusse ohne niedrigen Einstieg können ebenfalls eine Schwierigkeit für eine Freizeitgestaltung nach den eigenen Vorstellungen sein, genauso wie Ausstellungen, bei denen die Texte zu den ausgestellten Stücken in kleiner Schrift in 1,60m Höhe angebracht sind.

Etwas anders gestaltet sich die Freizeitgestaltung von Menschen mit geistiger Behinderung. Wenn diese nicht über die Fähigkeit verfügen, sich selbständig in der Öffentlichkeit zu bewegen, ergeben sich einige Einschränkungen dadurch, dass man immer eine Begleitperson benötigt. So haben beispielsweise Eltern und Geschwister ab einem gewissen Alter vielleicht nicht mehr unbedingt den gleichen Geschmack bei der Freizeitgestaltung, gleichaltrige Jugendliche vielleicht auch nicht. Spezielle Angebote sind also nicht immer, aber doch häufig vonnöten, um eine für den einzelnen erfüllte Freizeitgestaltung zu ermöglichen.

Assistenz in der Freizeit

Bevor auf spezialisierte Angebote eingegangen wird, muss erst einmal betont werden, dass Menschen mit Behinderung prinzipiell die gleichen Wünsche und Bedürfnisse für ihre Freizeitgestaltung haben wie nichtbehinderte Menschen. Aus diesem Grund sollten vorrangig jene Freizeitangebote genutzt werden, die für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehen, wie z.B. Kinos, Schwimmbäder etc.

Dennoch ist die Freizeit vieler Menschen mit Behinderung nach wie vor geprägt durch Passivität und Einsamkeit oder der ausschließlichen Inanspruchnahme von Sonderangeboten. Aus diesen Gründen gibt es Assistenzen und Integrationshilfen für den Freizeitbereich mit dem Auftrag:

  • die gleichberechtigte Teilhabe an Kultur- und Freizeitangeboten zu ermöglichen
  • soziale Integration im Freizeitbereich zu fördern
  • die Teilnahme an Veranstaltungen wie z.B. Theater, Konzerte, Feste zu begleiten
  • ...

Diese Assistenzen werden im Rahmen offener Hilfen , häufig von familienentlastenden Diensten erbracht. Fragen Sie beim nächsten Anbieter offener Hilfen nach Assistenz für den Freizeitbereich und klären Sie vorab Möglichkeiten der Finanzierung beispielsweise aus den Leistungen der Pflegeversicherung , wie der Pflegevertretung bzw. Verhinderungspflege. Adressen für Bayern finden Sie in unserer Datenbank .

Rollstuhlfahrer bei einem Ausflug

Integrative Jugendgruppen

Verschiedene Organisationen wie z.B. die Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) (in Bayern im Bereich Würzburg und München/Freising ) haben es sich zum Ziel gesetzt, Kindern und Jugendlichen mit Behinderung die Teilnahme am “normalen” gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. In den Ortsgruppen der DPSG werden regelmäßige Gruppenstunden (wöchentlich) von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen gestaltet und Zeltlager in den Ferien oder an Wochenenden organisiert. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 20 Jahren.

Ein Zivildienstleistender hat zur Aufgabe, behinderte Kinder zur Gruppenstunde zu fahren und sie dort gegebenenfalls zu begleiten. Darüber hinaus gibt es jeden Sommer integrative Projekte und Freizeiten.

Urlaubsreisen

Bei vielen örtlichen Einrichtungen der Behindertenhilfe werden Urlaubsreisen speziell für Menschen mit Behinderung angeboten. Anbieter können die WfbMs sein, Wohneinrichtungen oder Einrichtungen der offenen Hilfen . Für Bayern können Sie viele dieser Anbieter in unserer Datenbank finden.

Zudem gibt es auch Reiseanbieter, die sich speziell auf barrierefreies Reisen oder auch Individualreisen für Menschen mit Behinderung spezialisiert haben. Eine wichtige Anlaufstelle dafür, solche Anbieter zu finden ist die Nationale Kontaktstelle Tourismus für Alle e.V. . Sie bietet Literaturtipps und eine Übersicht über entsprechende Reiseantbieter auf ihrer barrierefreie Internetseite an. Weitere Adressen zu barrierefreien Hotels und Freizeitangeboten enthält auch die kostenlose Broschüre “Familienurlaub auch barrierefrei” des Bundesfamilienministeriums.

Dies können Sie kostenlos als PDF-Dokument unter diesem Link herunterladen:

Download: Broschüre Familienurlaub auch Barrierefrei

familienurlaub-auch-barrierefrei.pdf - 106.5 KBytes

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Bild von Freizeit in Chicago

Offene Behindertenarbeit

Die offene Behindertenarbeit wird regional von unterschiedlichen Trägern angeboten. Es gibt beispielsweise Angebote der Diakonie, des Arbeiter-Samariter-Bundes, der Lebenshilfe oder dem Malteser-Hilfsdienst, mancherorts auch Zusammenschlüsse der Träger. Diese haben recht unterschiedliche Angebote. Manche haben regelmäßige Freizeit- oder Sportgruppen, bieten Tagesausflüge oder Aktivitäten an oder natürlich Freizeiten bzw. Reisen über das Wochenende oder mehrere Wochen. Wir versuchen für Bayern die jeweiligen Angebote der offenen Hilfen in unserer Datenbank zu erfassen. Sollten hier Erläuterungen fehlen, freuen wir uns auch über eine kurze Ergänzung .

Die Anbieter von offener Behindertenarbeit (OBA) für Bayern finden Sie unter folgendem Link in unserer Datenbank.

Familienfreizeiten
Mancherorts (wenn auch noch recht selten) werden Familienfreizeiten für Familien mit behinderten Kindern angeboten. In Bayern wissen wir vom Angebot

  • des Familienbundes der Katholiken in der Diözese Würzburg e.V.. Das aktuelle Programm können Sie beim Familienbund der Katholiken (Tel.: 0931 / 386 – 65221, eMail: fdk@bistum-wuerzburg.de ) anfordern oder auf seiner Homepage einsehen.
  • der Bildungs- und Erholungsstätte Langau e.V. in Steingaden (Tel.: 0 88 62 / 91 02-21, eMail: eltern@langau.de , Internet: www.langau.de )

Bildung in der Freizeit

Zur Freizeitgestaltung gehört für viele Menschen auch Bildung. Was bringt man sich in der Freizeit nicht alles bei, weil es einen interessiert? Das können z.B. handwerkliche oder künstlerische Fähigkeiten sein. Was liest man nicht alles, um einfach über manche Dinge mehr zu erfahren? So gibt es selbstverständlich auch für Menschen mit Behinderung Bildungsangebote, die für Ihre Bedürfnisse ausgelegt sind. Mehr dazu erfahren Sie auf unserer Seite zur Erwachsenenbildung.

Literaturtipp

Der Lebenshilfe-Landesverband Nordrhein-Westfalen hat den Leitfaden “Reisefieber” herausgebracht. Das 172 Seiten starke Buch richtet sich an ehrenamtliche pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Menschen mit geistiger Behinderung in ihrem Urlaub begleiten. “Reisefieber” behandelt Themen wie “Aufsichtspflicht und Haftung” oder “Partnerschaft und Sexualität”. Autor Andreas Griese beschreibt zudem, wie Mod eschauen, Mottotage oder Kennenlern- und Geländespiele organisiert werden. Im Anhang sind Gesetzestexte sowie Vordrucke für einen Unfallbericht und Vertrag zu finden.
Zu bestellen ist der Ratgeber für zehn Euro plus Mehrwertsteuer beim Landesverband der Lebenshilfe Nordrhein-Westfalen, Abstraße 21, 50354 Hürth. Die Bezahlung erfolgt nach Rechnungserhalt (Quelle: Lebenshilfe-Zeitung 03/2004).